14.12.2015, 12:45 Uhr

Korte: Wir machen keine Unterschiede Tafel in Spelle hilft bei schmalem Geldbeutel

Viele fleißige Hände wirken bei der Tafel in Spelle mit. Foto: Erwin SchulzeViele fleißige Hände wirken bei der Tafel in Spelle mit. Foto: Erwin Schulze

Spelle. Wenn am Donnerstag gegen Mittag der Lieferwagen der Lingener Tafel vor dem Wöhlehof in Spelle anhält, stehen die fleißigen Helfer um Organisator Gerd Korte schon bereit. Kisten schleppen, Obst, Gemüse und andere Lebensmittel sortieren – es gilt, alles vorzu bereiten für 14 Uhr. Denn zwei Stunden später soll ja bei der Ausgabe alles reibungslos funktionieren. Und das tut es auch – seit nunmehr zwölf Jahren.

Der Wöhlehof ist einer von insgesamt acht Verteilstellen der Lingener Tafel im südlichen und mittleren Emsland. Seit Juli 2003 gibt es dieses Angebot, Menschen mit schmalem Geldbeutel mit Lebensmittel zu unterstützen.  Ein spezieller Tafelausweis berechtigt zum Einkauf. Pro Erwachsener werden zwei Euro berechnet, für jedes Kind 50 Cent. Der Preis soll auch die Werthaltigkeit der Produkte deutlich machen. Außerdem trägt er mit zur Deckung von Kosten für Strom, Wasser, Miete, Fahrzeugtransport etc. bei.

Der Lohn für Korte und die anderen insgesamt 15 Mitstreiter besteht in dem Dank derer, die die Hilfe in Anspruch nehmen. Die Älteste unter den Helferinnen und Helfern ist Lydia Tabler. Über 80 Jahre ist sie inzwischen alt. „Eine ganz Resolute, sie sagt uns, wo’s langgeht“, schmunzelt Korte.

Er ist seit zehn Jahren dabei. „Mir ging es im ganzen Leben nicht schlecht, warum nicht mal was Gutes tun?“, begründet der Speller seinen Einsatz.

Die Gruppe ist gut organisiert. Es gebe einen Schichtplan, berichtet Saskia Krone. Darin ist geregelt, wer an den Donnerstagen zur Ausgabe der Lebensmittel und für weitere Aufgaben dort eingeteilt ist. Wer nicht kann, organisiert die Vertretung selbst.

„Brot haben wir immer da, auch Joghurt, Kuchen und Gebäck“, berichtet Saskia Krone. Spenden kommen hinzu. Kartoffeln und Eier von örtlichen Landwirten zum Beispiel. Oder jede Woche 65 Liter Milch aus der „Dr. Bernard Krone-Stiftung“. Die Ehrenamtlichen bei der Speller Tafel haben es auch schon erlebt, dass eine ältere Spellerin bei ihnen anrief, die gerade Apfelmus eingemacht hatte. „Könnt ihr noch Gläser gebrauchen?“, fragte sie. „Klar konnten wir“, antwortete Korte. Auch Kindergärten, Schulen und Kirchengemeinden unterstützen die Tafel in Spelle bei Sammelaktionen.

Anfangs, im Juli 2003, waren es 17 Familien, die regelmäßig kamen und von zwei bis drei Ehrenamtlichen betreut wurden. Das sei noch in der evangelischen Kirche gewesen, erinnert sich Korte. Seit August 2009 erfolge die Ausgabe jeweils am Donnerstag zwischen 14 und 15.30 Uhr im Wöhlehof. „65 Familien sind es zurzeit und zwischen 240 und 260 Menschen“, erläutert Saskia Krone.

Keiner wird bevorzugt

Die Regeln bei der Verteilung der Lebensmittel sind einfach: „Wir ziehen keinen vor und machen keinen Unterschied zwischen Deutschen und Flüchtlingen “, macht Korte deutlich. Es wird jeweils nach Alphabet aufgerufen und zwischendurch gewechselt – dann rückt das A ans Ende der Buchstabenreihe.

Ein Vorhang trennt die Kunden von denen, die jeweils an der Warentheke die Lebensmittel von den Helfern in Empfang nehmen. Die Wartezeit wird genutzt, um untereinander ins Gespräch zu kommen.

Die Gruppe der Ehrenamtlichen, die bei der Tafel in Spelle arbeitet, ist längst zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. „Dieses Jahr haben wir einen Ausflug nach Schloß Clemenswerth in Sögel gemacht“, erzählt Korte. Eine „Weihnachtsfeier“ ist auch geplant, aber erst am 15. Januar. Vorher hat keiner Zeit  – wohl aber für alle anderen.

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