04.12.2015, 11:33 Uhr

A-cappella-Kabarett begeistert Mumpitz lässt im TPZ Lingen keine Fragen offen


Lingen. Was ist oder sind Mumpitz? Die Antworten dazu haben in der Kleinkunstreihe „Studioprogramm“ des TPZ in Lingen vier junge kabarettfreudige Musiker aus Hamburg geliefert, die als hochkarätiges Vokalensemble unter dem Namen „Mumpitz“ mit ihrem neuen Programm: „Noch Fragen?“ im Nu die Herzen der Zuschauer des ausverkauften Professorenhauses eroberten.

Laut Wikipedia wurde seit dem 17. Jahrhundert ein „Mumpitz“ als Schreckgestalt oder Vogelscheuche bezeichnet. Heute steht es umgangssprachlich für „Unsinn“. Kaum hatten Vivien Schwedler (Sopran), Marina Tinz (Alt), Lars Hempel (Tenor) und Hannes Klein (Bass) die kleine Studiobühne singend betreten, stand fest, dass sie ein sehr unterhaltsames, sinnhaftes sowie unsinniges Programm mitgebracht hatten, in dem es nicht nur um akustisch musikalische, sondern auch visuelle und intellektuelle Genüsse gehen würde.

Spielfreude

Die individuellen Persönlichkeitsmerkmale hoben sie mit unterschiedlichen Kostümen und einer brillant eingesetzten Mimik und Spielfreude hervor. Als Widererkennung tauchten in den Kostümen die Farben rot, schwarz und weiß bei allen Vieren auf. Mit einem sicheren Gespür für nachdenklich- spitzfindige Nonsens-Texte, in denen es unter anderem um die Tücken der Liebe, des Lebens und des Alltags geht, boten sie selbst komponierte oder extravagant neu arrangierte bekannte Liedpassagen aus „Forever young“, „Country Roads“ oder „Can you feel the love tonight“ mit unter die Haut gehenden Rhythmen und vielschichtig angelegten Sounds dar.

Voluminöse Stimmen

Mit glasklaren, wandlungsreichen wie voluminösen Stimmen und äußerst spielfreudigen Interpretationen sowie choreografischen Darbietungen sorgten sie für eine anspruchsvoll kabarettistische und hochwertige musikalische Unterhaltung. Jedes Quintettmitglied brachte sich auf wunderbar humorvolle Weise mal als Hauptstimme ein, währenddessen die drei anderen dann die Begleitstimmen stellten.

Die Mumpitz sind eine bravouröse und äußerst sympathische junge A- cappella- Gruppe, mit viel Improvisationstalent und charmanter Moderatorenfähigkeit. Nach ihrem zweistündigen TPZ- Aufenthalt blieben bei den Zuschauern keine weiteren Fragen mehr offen, dafür ließen sie pure Begeisterung bei ihnen zurück.

Schließlich hatten sie mit komödiantischem Sinn für Dramatik über unsere leistungsorientierte Gesellschaft gesungen, in der das richtige Maß der Dinge verloren zu gehen drohe, da sich Menschen viel zu oft über Äußerlichkeiten zu definieren versuchen und dabei unter hausgemachten Stress gerieten. Ferner wurde über die Not der immens angewachsenen Hundehaufen philosophierend gesungen, die, würde man die täglich produzierten Haufen der 1,5 Millionen in Deutschland gehaltenen Hunde, aneinanderreihen, eine Strecke von Lingen bis Rom ergäben. Auf groteske Weise erlebte das Publikum, unter grandiosen Einsatz von Hempels Beatbox- Kunst und Schwedlers enorm mimischem Engagement, was einer Politesse beim Knöllchenvergeben alles passieren kann.

Für das wundervolle A-cappella-Programm bedankte sich das Publikum mit stürmischem Applaus.


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