07.10.2015, 11:54 Uhr

50 Jahre Fachschule in Lingen „Anforderungen an Erzieher sind stetig gestiegen“

Dr. Ludger Mehring ist seit 2003 Leiter der Fachschule St. Franziskus in Lingen und aktuell Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft katholischer Ausbildungsstätten für Erzieherinnen und Erzieher.Dr. Ludger Mehring ist seit 2003 Leiter der Fachschule St. Franziskus in Lingen und aktuell Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft katholischer Ausbildungsstätten für Erzieherinnen und Erzieher.

Lingen. Über in den vergangenen zwölf Jahren stetig gestiegenen Anforderungen an Erzieher, die langwierigen Tarifauseinandersetzungen und das Besondere am Erzieherberuf äußert sich der Leiter der Fachschule St. Franziskus, Ludwig Mehring, in einem Gespräch mit unserer Redaktion:

Herr Mehring, in einer langwierigen Tarifauseinandersetzung haben sich Erzieher, Berufsverbände und Gewerkschaften für eine nicht nur finanzielle Aufwertung des Erzieherberufes eingesetzt. Wie bewerten Sie das Ergebnis?

Die Forderungen sind notwendig und vom Ergebnis her geboten. Die Einordnung der für Berufe notwendigen Kompetenzen hat in Europa dazu geführt, dass der sozialpädagogische Abschluss als Erzieher auf einer Stufe eingeordnet ist wie ein Bachelor-Hochschulabschluss. Die Abschlüsse sind zwar anderartig, aber in ihrer speziellen Ausrichtung doch gleichwertig. Der Erzieherberuf leidet jedoch noch immer unter der Geschichte als Frauenberuf. Dies haben in der aktuellen Tarifrunde alle Seiten so gesehen. Schlichterspruch und die nun erfolgte „Nachbesserung“ zeigen jedoch, dass eine Überwindung dieser Geschichte nicht in einem Schritt gehbar erscheint. Man hat sich ja verabredet, dass man in fünf Jahren über die nächsten Schritte diskutieren will. Fünf Jahre sind aber eine lange Zeit.

Stichwort Hochschulabschluss: Der zunehmenden Professionalisierung im Kita-Bereich wollen einige mit einer ihrer Sicht nach höherwertigen Ausbildung auf Hochschulniveau begegnen – der richtige Weg?

Nein! Kaum eine Ausbildung wird momentan wissenschaftlich so intensiv begleitet wie die Erzieherausbildung. Und alle Ergebnisse zeigen deutlich die Stärke der fachschulischen Ausbildung. Sichtbar wird das besonders durch Untersuchungen zum Berufseinstieg und zum Verbleib im Berufsfeld. Von daher wird die Qualität der fachschulischen Ausbildung momentan auch nicht infrage gestellt. Der Ruf nach Akademisierung ist gegenwärtig viel mehr aus dem Bemühen um die Aufwertung und die gesellschaftliche Anerkennung abgeleitet. Und die Anforderungen in Kindertagesstätten sind vor allem in den letzten zwölf Jahren immer weiter gestiegen. Heute spricht man von Kitas als der ersten Bildungsinstitution, die unsere Kinder besuchen – deutlich wird dies an Programmen wie Sprache und Integration, bewegter Kindergarten oder Haus der kleinen Forscher…

Eine weitere Neuerung sind jetzt die vom Land finanzierten sogenannten Drittkräfte in Krippengruppen: Werden diese bereits an der Fachschule ausgebildet?

Die Refinanzierung setzt die Qualifikation einer Sozialassistentin voraus. Um die guten Kräfte, die diese Aufgabe in den letzten Jahren bereits erfolgreich erfüllt haben, nicht zu verlieren, haben wir nun eine Weiterbildungsmaßnahme aufgelegt. Mit 24 Drittkräften, gestandenen Frauen in der Lebensmitte, haben wir uns im September auf den Weg gemacht. Bis zum nächsten Sommer werden wir sie intensiv vorbereiten, damit sie gemeinsam mit den Auszubildenden unserer Berufsfachschulklassen das Examen machen können. Es freut mich besonders, dass es gelungen ist, die Kitas mit ins Boot zu holen. Ihre bisherigen Drittkräfte sind nun Auszubildende, die von der Schule, aber auch von erfahrenen Erzieherinnen in den Krippen angeleitet werden. Nur so können sie Kolleginnen auf Augenhöhe werden.

Zum Abschluss: Die Ausbildung zum Sozialassistenten, Erzieher oder zum Heilpädagogen ist lang, kostet Geld, eine Ausbildungsvergütung gibt es nicht und später im Beruf sind die Löhne nicht unbedingt hoch – und trotzdem entscheiden sich immer viele junge Frauen und einige junge Männer für diesen Beruf: Warum eigentlich?

Dies macht deutlich, dass das Geld kein entscheidendes Kriterium bislang war und hoffentlich auch künftig nicht wird. Beweggründe, die ich immer wieder bei unseren jungen Menschen höre, sind vor allem die Freude am Miteinander mit anderen Menschen und eine unerschütterliche positive Sicht vom Menschen. Die Begleitung von Menschen auf Ihrem Lebensweg hat bei allen auch schwierigen Realitäten des Alltags doch wohl noch stärker einen erfüllenden Anteil. Wer im Umgang mit Menschen gibt, bekommt auch ganz viel wieder zurück.


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