28.12.2014, 18:00 Uhr

Forum Juden-Christen will Zeichen setzen Demo gegen Pegida am 12. Januar in Lingen

Auf dem Schlossplatz in Dresden hatten vergangenen Montag zahlreiche Bürger gegen die für den Abend erneut geplante Demonstration des „Pegida“-Bündnisses in der Stadt demonstriert. Foto: dpaAuf dem Schlossplatz in Dresden hatten vergangenen Montag zahlreiche Bürger gegen die für den Abend erneut geplante Demonstration des „Pegida“-Bündnisses in der Stadt demonstriert. Foto: dpa

Lingen. Das „Forum Juden-Christen Altkreis Lingen“ ruft am Montag, 12. Januar, zu einer „Lingener Montagsdemonstration“ auf. Unter dem Motto „Weil in der Herberge kein Platz war“ aus dem Lukasevangelium will das Forum mit dieser Veranstaltung ein Zeichen gegen die wöchentlichen „Pegida“-Demonstrationen setzen. Deren Anhänger demonstrieren gegen eine aus ihrer Sicht verfehlte Einwanderungs- und Asylpolitik.

Die Demonstration in Lingen soll um 18 Uhr vom Bahnhofsgelände in Lingen aus beginnen. Heribert Lange, Vorsitzender des Forums, kann sich eine Lichterprozession von dort aus durch die Marienstraße Richtung Rathaus vorstellen. „Es geht hier in Lingen darum, ein machtvolles Zeichen des Mutes und der Ermutigung gegen dumpfe und unüberlegte Affekte zu setzen. Affekte, die über Worte wie ,Überfremdung‘ und ,Islamisierung‘ nicht hinauskommen und rationalem Kalkül, das solche Affekte leicht als unrealistisch entlarven könnte, gar nicht mehr zugänglich sind“, betonte Lange.

In einer Erklärung verwies er darauf, dass die in den „Pegida“-Demonstrationen sichtbar werdenden Reaktionen der Menschen auf die neue Flüchtlingswelle und die damit zugleich transportierte Angst vor Überfremdung durch andere Kulturen und Religionen und deren eigenen Machtanspruch Anlass zu großer Sorge geben würden. Formeln wie „Das Boot ist voll“ oder „Kampf der Überfremdung“ oder „Aushöhlung unserer Sozialsysteme“ bezeichnete der Vorsitzende des Forums in der Erklärung als „Rattenfänger-Botschaften“.

„Verständnis-Lyrik“

Lange erinnerte daran, dass die europäischen Gesellschaften vor 100 Jahren auf die Rassenideologie der Nazis eingestimmt worden seien. Die damit verbundenen Schuldzuweisungen, die im Wesentlichen mit anderen Lebens- und Kulturgewohnheiten von Juden, Roma oder auch Homosexuellen belegt worden seien, seien von einer verunsicherten und willenlos staunenden Gesellschaft unwidersprochen und geradezu dankbar aufgenommen worden. Sie hätten am Ende sogar als moralische Rechtfertigung des furchtbaren und gigantischen Völkermords der Nazis gedient. „Wenn wir vor diesem historischen Hintergrund heute die Verständnis-Lyrik eigentlich wohl gestandener Politiker hören oder davon lesen, müssen wir fürchten, dass ihr nächster Schritt der sein könnte, auf die Trittbretter des ,Pegida‘-Zugs aufzuspringen. Dies bedeutet letztlich nichts anderes, als den Artikel 1 des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar, aus seiner Geltung zu entlassen.“ Vor diesem Hintergrund warb Lange abschließend um die Teilnahme aller gesellschaftlichen Gruppen in Lingen an der Demo am 12. Januar.


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