25.10.2014, 09:17 Uhr

In Einbruchschutz investieren Einbrecher im Emsland kommen gerne tagsüber


Lingen. „Morgens, halb zehn in Deutschland.“ Das ist nicht nur ein bekannter Werbeslogan, sondern auch eine Zeit, in der die Wahrscheinlichkeit, dass ein Einbrecher die Wohnung heimsucht, recht hoch ist.

„Die große Zahl der Wohnungseinbrüche passiert zwischen 8 und 20 Uhr – dann, wenn die Häuser leer sind“, erklärt Karl-Heinz Brüggemann, leitender Polizeidirektor und Chef der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim , anlässlich des Tags des Einbruchschutzes am 26. Oktober.

Den Grund für die Einbrüche am Tag sieht Brüggemann in einem gesellschaftlichen Wandel: „Das klassische Familienbild, nämlich dass immer jemand im Haus ist, ist selten geworden. Tagsüber sind die Bewohner unterwegs, und das nutzen Einbrecher aus.“ Gemeinsam mit dem Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Emsland Mitte-Süd Horst Hagemann, dessen Pendant Sascha Wittrock, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Grafschaft Bentheim, sowie Polizeioberkommissar Dieter Rothlübbers vom Präventionsteam Lingen machte Brüggemann die Notwendigkeit, sich gegen Einbrüche zu schützen, deutlich. „Die Tage werden kürzer. Das geht mit einem Anstieg von Einbrüchen in Privathäuser und Gewerbegebäude einher. Wir möchten das Bewusstsein für diese Gefahr schärfen und der Bevölkerung einige Verhaltensregeln und technische Einbruchschutzmaßnahmen nahelegen“, so die Erklärung für den jahreszeitlichen Anlass.

Hagemann kann selbst ein Lied davon singen. Erst seit das Haus des Handwerks mit umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet wurde, wird das im Gewerbegebiet gelegene Gebäude in Ruhe gelassen. Sein Appell richtet sich deshalb auch ganz besonders an Firmen: „Gerade Industrie- und Gewerbegebiete liegen oft ruhig am Stadtrand und verkehrsgünstig – auch für Einbrecher.“ Investitionen in die Sicherheit seien daher sinnvoll angelegte Mehrkosten.

Vom Einstieg fernhalten

Durchschnittlich drei bis fünf Minuten halte sich ein Einbrecher mit einem Objekt auf. Gelingt es, ihn so lange vom Einstieg abzuhalten, wird er sich in der Regel unverrichteter Dinge entfernen. Einige sinnvolle Ausstattungen sind als Pilzkopf ausgebildete Schließzapfen für Fenster; Zapfenscharniere, die etwa bis Anfang der 1990er verbaut wurden, sind innerhalb von Sekunden aushebelbar. Abschließbare Fenstergriffe verhindern, dass nach Einschlagen einer Fensterscheibe die Griffe einfach geöffnet werden können. Diese abschließbaren Griffe erfüllen ihre Funktion natürlich nur, wenn der Bewohner die Griffe auch verschlossen hat und den Schlüssel nicht hat stecken lassen. Türschlösser sollten über Dreifachverriegelung verfügen.

Damit die Wohnung gar nicht erst zum Ziel eines Einbruchs wird, ist es sinnvoll, den Einbrecher in Unsicherheit darüber zu lassen, ob das Haus leer oder belebt ist. Eine eingeschaltete Lampe oder ein laufender Fernseher wirken schon abschreckend. „Nicht zu unterschätzen sind die psychischen Folgen eines Einbruchs. Wir haben gerade eine große Einbruchsserie aufgeklärt und sprechen jetzt bei den Betroffenen vor. Wir spüren, dass viele dieses Ereignis nicht verarbeitet haben“, mahnt Brüggemann zur Vorsicht. „Fragen zum Thema Sicherheit sollten bei Ausschreibungen direkt angesprochen werden. Einige Einbauten sind sogar KfW-förderungsfähig“, betont Rothlübbers.

Auf die Sicherheitspartnerschaft zwischen dem Handwerk und der Polizei machte Hagemann aufmerksam: „Unter www.polizei-emsland.de sind Handwerksbetriebe, die an einer sogenannten Errichterschulung teilgenommen haben und nachgewiesen haben, dass sie Einbauten für Einbruchschutz sach- und fachgerecht verbauen, aufgelistet.“

Die gute Nachricht: Die hiesige Aufklärungsquote von Einbrüchen sei mit 32,3 Prozent mehr als doppelt so hoch als der Bundesdurchschnitt (15,5 Prozent).

Vorträge zum Thema hält Dieter Rothlübbers am Samstag, 25. Oktober um 13.15 Uhr und am Sonntag, 26. Oktober, um 15.15 Uhr bei der Energiemesse im Autohaus Kemper, Industriestraße in Meppen.

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