16.09.2016, 12:36 Uhr

Algen im Saller See In Lengerich scheiden sich die Geister am Warum


Lengerich. Der Saller See sieht derzeit alles andere als attraktiv aus. Insbesondere die Uferbereiche des beliebten Naherholungsgebietes sind großflächig mit Algen bedeckt. Ein Grund dafür ist sicher die mangelnde Wasserqualität. Ersichtlich ist auch, dass zurzeit kein frisches Wasser in den künstlichen See fließt. Bei der Frage nach dem Warum gehen die Meinungen der Experten auseinander.

Josef Mönster, Sprecher der AG Unser Wasser, sieht neben der anhaltenden Trockenheit durch mangelnden Regen einen Hauptgrund für das fehlende Wasser in einer übermäßigen Entnahme von Grundwasser in Grumsmühlen-Langen für Trink- und Brauchwasserzwecke durch den Wasserverband Lingener Land (WVLL). Messungen in dem Gebiet zeigten gerade in den vergangenen 20 Jahren einen erschreckenden Abfall des Grundwasserspiegels in der Moränenkette zwischen Freren/Thuine über Lengerich bis Gersten. Diese eiszeitliche geologische Formation hat das Seegebiet laut Mönster stets zuverlässig mit Wasser versorgt. Eben aufgrund der zahlreichen Quellen sei in den 1960er Jahren der Saller See angelegt worden.

Weiteres Ungemach droht

Die genannte Grundwassermessstelle besteht Mönster zufolge seit Mitte der 1990er Jahre. Seit 2002 sinke der Grundwasserspiegel dort deutlich. Der Grund ist für ihn offensichtlich: 2002 habe der WVVL die Wasserförderung in Grumsmühlen von jährlich 3,5 auf 5,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser hochgefahren. Weiteres Ungemach für die Flora und Fauna in dem Gebiet sieht Mönster heraufziehen, sollte die geplante Trinkwasserförderung aus dem Untergrund in Handrup Realität werden.

„Brauchwasser statt Trinkwasser“

Mönster zufolge liegt ein Schlüssel für die Behebung des Problems des sinkenden Grundwassers beim Wasserverband. Dieser stille den Wasserbedarf der ortsansässigen Industriebetriebe mit Trinkwasser. Das sei deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt. Mönster plädiert dafür, dass die Industrie statt mit Trinkwasser aus dem Untergrund vermehrt mit Oberflächenwasser beziehungsweise mit Wasser aus der Ems und dem Dortmund-Ems-kanal versorgt wird. Dann sei auch die geplante Entnahme von Grundwasser in Handrup nicht mehr nötig.

„Da reimt sich jemand etwas zusammen“

Den Schwarzen Peter für den über die Jahre immer wieder auftretenden Wassermangel im Saller See will WVLL-Geschäftsführer Reinhold Gels sich nicht zuschieben lassen: „Am Saller See sind wir gar nicht zugange. Da reimt sich jemand etwas zusammen.“ Und den Vorwurf der 100-Prozent-Versorgung des Industriebedarfs mit Trinkwasser lässt Gels auch nicht auf sich sitzen. Als Beispiele nennt er unter anderem die Kraftwerke und das Stahlwerk. Diese bezögen ihr in großen Mengen benötigtes Brauchwasser direkt aus Ems oder Kanal. Darüber hinaus benötigtes Trinkwasser für bestimmte Zwecke liefere dann der Wasserverband, so Gels. Andere Brauchwasser-Kunden, beispielsweise Unternehmen im Industriegebiet Lingen-Süd und Landwirte, versorge der WVLL mit Brauchwasser aus dem Brauchwasserwerk in Darme. Grundsätzlich sei es auch eine Frage, was alles unter den Begriff „Industrie“ falle. „Sind große Tierhaltungsbetriebe, deren Ställe an das Wassernetz angeschlossen sind, Industrie oder bäuerliche Landwirtschaft?“

„Politisch gewollt„

Letztlich sei es politisch gewollt, dass der WVLL alle Unternehmen der Region mit Wasser versorge, gibt Gels zu verstehen: „Und auch die Betriebe, die da sind, sind politisch gewollt.“

„Es war schon schlimmer“

Ein anderes Thema am Saller See sind die Qualität des Wassers und die üppig wachsenden Algen. Wobei niemand so genau weiß, wie gut oder schlecht die Wasserqualität wirklich ist. Denn gemessen wird sie nicht. Das ist nach Aussage von Lengerichs Samtgemeindebürgermeister Matthias Lühn auch nicht notwendig. Denn die Richtlinie gelte nur für Badegewässer. Und da der Saller See kein offizieller Badesee sei, müsse auch nicht gemessen werden. Der derzeitige Algenbestand im Saller See zwar höher als in den vergangenen Jahren, gibt Lühn zu verstehen und fügt ein Aber hinzu: „So schlimm finde ich es nicht. Das war schon schlimmer.“ Zumindest gebe es keine ersichtlichen giftigen Blaualgen. Sowohl das Algen- als auch das Qualitätsproblem verfolgt die Gemeinde schon geraume Zeit. Ein vor Jahren angelegtes Biotop habe nur bedingt gewirkt, so Lühn. Was nach seinen Worten helfen könnte, wäre eine Wasseraufbereitungsanlage zu den entsprechend hohen Kosten. Doch da schließt sich der Kreis des Saller Sees als Nicht-Badesee: „Da er kein Badesee ist, ist das für uns keine Option.“


Als Trinkwasser wird jedes Wasser bezeichnet, das für den menschlichen Verzehr, zur Körperpflege und die Reinigung von Geschirr und das Waschen von Wäsche verwendet wird. Es ist also Wasser, das in Haushalten durch die Leitungen fließt. Trinkwasser gilt in Deutschland rechtlich als Lebensmittel und wird daher aufwendig kontrolliert. Da es zum Trinken und Zubereitung von Speisen verwendet wird, darf es keine krankheitserregenden Mikroorganismen enthalten. In Deutschland werden pro Kopf und Tag gut 120 Liter Trinkwasser benötigt.

Brauchwasser, auch Betriebswasser genannt, ist aufgrund seiner Qualität nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. Es muss allerdings gewissen Mindestanforderungen an die Hygiene entsprechen und für den jeweiligen Zweck definierte technische Anforderungen erfüllen (z.B. Salzfreiheit für den Betrieb von Turbinen). Brauchwasser wird für bestimmte Zwecke, zum Beispiel Kühlung, Betrieb von Dampfturbinen und Bewässerung in der Landwirtschaft eingesetzt.

Grundwasser wird Wasser genannt, das durch Versickerung von Niederschlag oder aus Seen und Flüssen in den Untergrund gelangt. Oberflächennahes Grundwasser sorgt für die natürliche Versorgung von Pflanzen mit Wasser. Grundwasser kommt in Quellen ans Tageslicht und speist Bäche und Flüsse. Durch das langsame Passieren verschiedener Bodenschichten ist Grundwasser in der Regel keimfrei.

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