16.04.2017, 11:28 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Kaum Tankstellen, verschiedene Systeme Diese Probleme hat ein Lathener Ehepaar mit seinem Elektroauto


Lathen. Im Oktober 2015 haben sich Gisela und Lothar Braune ein Elektroauto angeschafft. Eine Entscheidung, die ihnen nicht nur Freude bereitet. Ein Erfahrungsbericht.

Aufmerksam hat Lothar Braune die Berichterstattung über das Ausbauprogramm des Landkreis Emsland gelesen. 40 neue Stromtankstellen sollen in den nächsten Jahren im Emsland entstehen. „Als Besitzer eines der im Emsland verzeichneten 83 Elektroautos kann ich seine Bestrebungen nur begrüßen“, sagt der 65-Jährige. Bei 185.400 Autos, die im Emsland derzeit zugelassen sind, eine verschwindend geringe Zahl.

Im Oktober 2015 erwarben er und seine Ehefrau Gisela einen etwa ein Jahr alten Renault Zoe. Die Entscheidung fiel deshalb, weil sie sich kurz nach dem Kauf ihres Einfamilienhauses im Jahr 2010 an der Straße Große Esch in Lathen entschieden hatten, eine Photovoltaikanlage auf das Dach zu setzen. „Die produziert im Jahr etwa 9500 Kilowattstunden“, berichtet Braune. Ihr jährlicher Verbrauch liegt bei etwa 3000 Kilowattstunden (kw/h). Statt den überschüssigen Strom ins Netz einzuspeisen, wollten sie ihn viel lieber selber verbrauchen. „Da kam das Elektrofahrzeug gerade recht. In der Garage haben wir eine Wallbox installiert und können damit unseren Renault aufladen. So gesehen – alles gut“, berichten beide.

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Dem Ehepaar, das gebürtig aus dem Ruhrgebiet stammt, gefiel auf Anhieb das geräuscharme Fahrgefühl, auch die geringen laufenden Kosten beispielsweise für Wartung oder Steuern machten sich positiv bemerkbar. Doch bereits nach wenigen Wochen gab es die ersten kleineren Probleme. Da wäre zum einen die Reichweite. „Der Hersteller verspricht eine Reichweite von 240 Kilometer, die Realität zeigt aber, es sind nur knapp über 100 Kilometer“, berichtet der Lathener. Fahrten nach Meppen oder Papenburg machen also keine Probleme, wenn das Auto voll geladen ist. Stehen weitere Fahrten an, entsteht ein weiteres Dilemma: „Die Infrastruktur an Ladesäulen passt derzeit vorne und hinten nicht“, meint der pensionierte Krankenkassen-Angestellte. Das gelte nicht nur für die noch sehr geringere Zahl, „kaum eine Ladesäule ist wie die andere“, so der 65-Jährige.

Mal brauche man diese, mal jene Ladekarte, die es meist nicht direkt vor Ort zu erwerben gibt. Mal kann man über eine App bezahlen und laden, die natürlich erst einmal heruntergeladen und installiert werden will, mal muss per SMS eine Bezahlung angekündigt werden. „Warum ist es nicht möglich, wie an jeder normalen Nachttankstelle, mit der EC-Karte zu bezahlen? Das kann doch nicht so schwer sein, eine für alle Stromtankstellen einheitliche Lösung zu finden“, meint der Lathener. Gleiches gelte für die Steckersysteme, denn fast jeder Hersteller hat eigene Systeme entwickelt, auf die sich die Ladestationsbetreiber dann einstellen müssen.

Die Grafik zeigt, wo und wie viele Elektrotankstellen es im Landkreis Emsland gibt (Stand: April 2017). Die Grafik basiert auf Daten des Webportals https://de.chargemap.com/map, mit dem auch der Landkreis Emsland arbeitet. Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

Von EWE enttäuscht

Keine guten Erfahrungen hat Braune mit dem Regionalanbieter EWE gemacht. „Die EWE gibt zwar vor, sich für die Elektromobilität einzusetzen. Nur Überzeugungsarbeit sieht anders aus“, meint der E-Auto-Besitzer. Zuerst habe der Stromanbieter mit einer kostenlosen Stromladekarte für eigene Kunden geworben, sie dann aber kostenpflichtig gemacht. Kurze Zeit später sollte diese Karte dann Geld kosten.

Das bestätigt EWE-Sprecher Volker Diebels auf Anfrage. „EWE-Stromtankkarten sind seit Dezember 2015 kostenpflichtig. Vorher gab es die Tankkarten für alle interessierten Elektroautofahrer kostenlos, um Elektromobilität in der Region zu fördern. Seit immer mehr Elektroautos in der Region unterwegs sind, ist diese finanzielle Förderung aus EWE-Sicht nicht mehr notwendig.“ Aus zunächst 240 Euro im Jahr wurden im September 2016 für Fremdkunden 270 Euro, eigene zahlen 150 Euro (zuvor 120 Euro). Die Einführung beziehungsweise Erhöhung begründet der Oldenburger Konzern mit hohen Kosten für Betrieb und Ausbau der Infrastruktur. „ EWE kann durch die kostenpflichtige Nutzung der Ladesäulen die öffentliche Ladeinfrastruktur langfristig betreiben und ausbauen. Umgekehrt profitierten Elektroautofahrer von einer möglichst hohen Tankstellendichte in der Region.“ Im Emsland betreibe EWE inzwischen acht Ladesäulen, Tendenz steigend.

(Weiterlesen: Stromtankstelle beim Lathener Rathaus in Betrieb)

Ein Angebot, das Lothar Braune nicht überzeugt. „Ich schätze, dass von den 83 E-Fahrzeugfahrern im Emsland 95 Prozent über eine eigene Stromtankstelle am Haus verfügen. Dieses Angebot ist deshalb wenig attraktiv. Warum ist hier keine verbrauchsabhängige Abrechnung möglich?“, fragt der Lathener.

Landkreis-Programm „der richtige Weg“

Braune hofft deshalb sehr, dass durch das Engagement des Landkreises „dieses Durcheinander ein Ende hat“, der Weg sei jedenfalls der richtige. Und an die Automobilindustrie appelliert er: „Wir brauchen Elektrofahrzeuge mit deutlich mehr Reichweite. Die vorsätzlich falschen Reichweitenangaben müssen unterbunden werden. Wenn diese beiden Punkte in die richtige Richtung gelenkt werden und die Preise für E-Autos bezahlbar bleiben, werden sich mit Sicherheit mehr Autofahrer für die E-Mobilität entscheiden.“

(Weiterlesen: Immer mehr „Strom-Tankstellen“ in Stadt Lingen)


Sonderkonditionen:

Das Versorgungsunternehmen EWE bieten Eelektroauto-Besitzern mehrere Dienstleistungen an, berichtet Sprecher Volker Diebels. Dazu gehört eine Heimladestation, eine so genannte Wallbox, die im Paket ab 37 Euro pro Monat erhältlich ist. „Dafür kümmert sich EWE als Service-Partner um Installation, Funktion und Wartung der Box“, erklärt Diebels. Darüber hinaus gibt es einen eigenen Ökostromtarif für Haus und Auto, der auch die Stromtankkarte (Lade-Flatrate für unterwegs) beinhaltet und über den Zähler im Haus abgerechnet wird. Ein durchschnittlicher E-Auto-Haushalt mit 4.100 kwh Jahresverbrauch müsse mit rund 115 Euro pro Monat rechnen. Weitere Informationen gibt es unter www.ewe.de/strom-mobil.

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