19.10.2016, 19:32 Uhr

„Verschrottung verhindern“ Transrapid-Auktion: Lathen bietet jetzt handfest mit

Noch bis zum 25. Oktober 2016 können Kaufgebote für den Transrapid 09 abgegeben werden. Foto: Gerd SchadeNoch bis zum 25. Oktober 2016 können Kaufgebote für den Transrapid 09 abgegeben werden. Foto: Gerd Schade

Lathen. Erst war nur von einem symbolischen Betrag die Rede, nun steigt die Samtgemeinde (SG) Lathen mit einem handfesten Angebot in die Versteigerung des letzten Transrapid-Zuges ein. Die SG will sich das Fahrzeug für ein eigenes Museum sichern. Eine Verschrottung soll in jedem Fall verhindert werden.

Zur Höhe des Gebotes machte SG-Bürgermeister Karl-Heinz Weber (CDU) keine Angaben. „Das wäre ja unklug“, sagte er am Mittwochabend im Gespräch mit unserer Redaktion. Schließlich läuft die Gebotsfrist des Bundes, dem der Magnetzug TR 09 gehört, noch bis einschließlich kommenden Dienstag, 25. Oktober 2016.

„Wir haben jetzt eine strategische Allianz mit anderen Interessenten geschlossen und werden uns gemeinsam mit einem uns angemessen erscheinenden Gebot beteiligen“, erklärte Weber. Einer der Partner sei das Eisenbahn-Museum Bochum-Dahlhausen, mit dem die SG eine Kooperationsvereinbarung schließen werde. Lathen will sich das letzte Fahrzeug der Transrapidreihe, dessen Betrieb im Emsland Ende 2011 eingestellt wurde, sichern, um damit in einem Museum die Entwicklungsgeschichte der Magnetschwebetechnik einem breiten Publikum zu präsentieren, wie Weber betont. „Das sind wir sowohl unseren Bürgerinnen und Bürgern, die 30 Jahre die Entwicklung aktiv-positiv begleitet haben, aber auch den vielen Menschen, die hier in Lathen diese Entwicklung vorangebracht und zur Marktreife gebracht haben, schuldig“, so der Verwaltungschef weiter.

Einstimmiger Beschluss

Einstimmig habe der Samtgemeindeausschuss deshalb am Abend in nichtöffentlicher Sitzung grünes Licht für die Abgabe eines Gebotes in dem sogenannten Interessenbekundungsverfahren für den Transrapid 09 gegeben. Die Zahl der potenziellen Kaufinteressenten scheint indes nach wie vor überschaubar zu sein. Nach Informationen unserer Redaktion hatten in der vergangenen Woche sieben Parteien die Möglichkeit genutzt, den TR 09 auf dem Gelände der Versuchsanlage in Lathen zu besichtigen. Darunter waren dem Vernehmen nach neben der Samtgemeinde drei Verschrotter sowie Nachfahren des Ingenieurs Hermann Kemper. Nach dem Pionier der Schwebetechnik ist die Straße benannt, die zu der Versuchsanlage führt.

Im Anschluss an die Besichtigung hatte Weber unter Verweis auf Steuergelder zunächst angedeutet, dass sich die Kommune womöglich mit einem symbolischen Betrag beteiligen wolle. Man sei sich aber sehr unsicher gewesen, „wie sich insbesondere die drei Entsorgungsbetriebe verhalten würden“, erklärte Weber. Deshalb sei in den vergangenen Tagen eine Vielzahl von Gesprächen geführt worden.

„Nicht für den Schrottwert verscherbeln“

„Auf alle Fälle muss verhindert werden, dass der Transrapid 09, das Prunkstück in der gesamten Entwicklungsgeschichte, das für den Einsatz in München geplant war, nun im Schredder eines Schrotthändlers landet“, betont der SG-Bürgermeister. Bei dem fahrerlos betriebenen Zug handelt es sich um ein Vorserienfahrzeug für die einst geplante Verbindung zwischen dem Münchener Flughafen und der Innenstadt. Wegen drastischer Kostensteigerungen wurden die Planungen 2008 jedoch eingestellt. Dass der Zug dennoch weiter erprobt wurde, liegt daran, dass so das Zulassungsverfahren des Eisenbahn-Bundesamtes abgeschlossen werden konnte.

Die Auffassung der Kommune teilen Weber zufolge viele andere Bundesbürger. Das sei sowohl ihm, mittlerweile aber auch dem Bundesverkehrsministerium mündlich und schriftlich zugetragen worden. Er könne nicht verstehen, dass dieses Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst, das einmal rund 40 Millionen Euro gekostete habe, nun „für den Schrottwert verscherbelt“ werden solle. Viel eher müsse man sich fragen, ob nicht wohl eine Denkmalseigenschaft als mobiles Denkmal zu unterstellen wäre, so Weber. Deshalb liefen auch Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde.

Hoffnung auf Kaufpreisverzicht

Der SG-Bürgermeister macht unverändert keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über das Vorgehen des Bundesverkehrsministeriums, das den Magnetzug über das Verwertungsunternehmen des Bundes, Vebeg, verkaufen will. Und doch hofft Weber, dass der Bund am Ende auf die Zahlung eines Kaufpreises verzichtet. „Was für uns und unsere Partner eine große Kraftanstrengung ist, ist im Haushalt der Bundesrepublik Deutschland ein verschwindend geringer Betrag. Ich würde mir also wünschen, dass uns das Fahrzeug kostenfrei übereignet wird und wir die eingeworbenen Mittel nutzen können, um der Magnetschwebetechnik einen angemessenen Ausstellungsrahmen zu ermöglichen“, so Weber.

Die Vebeg selbst, die das Ausschreibungsverfahren ausgerechnet kurz vor dem zehnten Jahrestag des Transrapid-Unfalls mit 23 Toten öffentlich gemacht hatte, rechnet nicht mit einem Millionen-Erlös. Im Fall einer Verschrottung beispielsweise sei der Erlös bei einem Zug-Leergewicht von 170 Tonnen und einem Schrottpreis von derzeit schätzungsweise 100 Euro pro Tonne überschaubar, hatte Vebeg-Prokurist Volkmar Kunert während des Besichtigungstermins in Lathen gesagt. Eine Entscheidung werde voraussichtlich frühestens vier Wochen nach Ablauf der Gebotsfrist fallen. Das letzte Wort habe Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).


Pläne für ein Transrapid-Museum in Lathen gibt es nach Angaben von Samtgemeindebürgermeister Karl-Heinz Weber schon seit Längerem, sie müssten räumlich allerdings angepasst werden. Zeitdokumentarisch zumindest als Fragment erhalten bleiben müsse auch ein Teil der Strecke. „Das sollte sich genau bei der Einstiegsplattform, dem Bahnhof wie wir sagen, befinden“, so Weber. Darauf könnten dann der TR 09 und auch weitere Vorgängerfahrzeuge präsentiert werden. Über die Einstiegsplattform, die zudem über einen Fahrstuhl verfüge, könnten die Exponate barrierefrei erreicht werden. Das ehemalige Besucherzentrum mit dem Kinoraum und den begleitenden Büros und den Sanitärräumen könnten nahtlos in ein Museumskonzept eingefügt werden. Es müsse quasi nur noch die Halle über die Fahrzeuge gebaut werden, um sie dauerhaft vor den Witterungseinflüssen zu schützen. Und weiter käme es natürlich auch darauf an, dass sowohl durch die Zusammenarbeit mit anderen Technikmuseen und insbesondere mit der Touristik GmbH des Emslandes eine aktive Gäste- und Besucherbetreuung gewährleistet werden könnte.

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