17.06.2016, 21:12 Uhr

Opposition erhebt schwere Vorwürfe Eklat im Lathener Samtgemeinderat

Anfang des Monats starteten die Ehrenamtlichen mit den Vorbereitungen für die EM mit dem Aufbau eines Stadions in den Miniwelten Lathen (von links): Hermann Bröring, Bernd Gebbeken und Jürgen Eden. Foto: Alexander Allerkamp/Miniwelten LathenAnfang des Monats starteten die Ehrenamtlichen mit den Vorbereitungen für die EM mit dem Aufbau eines Stadions in den Miniwelten Lathen (von links): Hermann Bröring, Bernd Gebbeken und Jürgen Eden. Foto: Alexander Allerkamp/Miniwelten Lathen

Lathen. Die SPD/Grüne-Gruppe hat im Rat der Samtgemeinde (SG) Lathen einen Eklat ausgelöst.

Die Gruppe hält die jährliche Zahlung der SG von angeblich 10.000 Euro für die Playmobilausstellung „Miniwelten Lathen“ im Gründerzentrum für fragwürdig. In diesem Zusammenhang unterstellt sie dem Leihgeber der Exponate, Jürgen Eden, der auch Journalist ist, „Hofberichterstattung“ zugunsten der SG-Verwaltung. Eden weist den Vorwurf vehement zurück, SG-Bürgermeister Karl-Heinz Weber (CDU) reagierte in der Ratssitzung am Donnerstagabend mit einem Wutausbruch. „Das ist eine bodenlose Unverschämtheit“, schimpfte Weber lautstark.

Alle elf vorausgehenden Tagesordnungspunkte der SG-Ratssitzung sind bereits abgearbeitet, als die SPD/Grüne-Gruppe unter zwölftens – Anregungen, Anfragen, Informationen – das Thema Miniwelten auf die Agenda bringt. Für Eden, der auch für unsere Redaktion tätig ist, sei es schwierig, wertfrei zu berichten, sagte Annegret van Loyen von der SPD/Grüne-Gruppe.

In einer Pressemitteilung der Fraktion, die unsere Redaktion vor der Sitzung erreichte, wirft die Gruppe der SG vor, im Fall der Miniwelten „eine ungewöhnliche Tourismusförderung“ ohne Gewinn für weitere Gewerbetreibende zu betreiben. Durch die Finanzierung der Raummiete unterstellt sie der SG, sich einen „Hofberichterstatter“ zu erkaufen. Für die Unterbringung seiner Sammlung spare Eden „über die Jahre ein kleines Vermögen“, heißt es weiter in der Mitteilung. Von den genannten 10.000 Euro pro Jahr, die Weber nicht bestätigt, werde die Miete im Gründerzentrum in Niederlangen bezahlt. An diesem Zentrum hat die SG 51 Prozent der Anteile, die übrigen 49 hält die Volksbank Emstal in Lathen.

Die Eintrittsgelder gehen Weber zufolge zur teilweisen Kostendeckung an die SG. Er sei froh über touristische „Schlechtwetterangebote“ wie die Miniwelten.

„Touristen, die von der Autobahn abfahren, um die Miniwelten zu besuchen, werden sicherlich nicht noch woanders in der Samtgemeinde Geld ausgeben“, teilte indes die Gruppe schriftlich weiter mit. Dem widersprechen die Erfahrungen Edens. Viele der Gäste, die aus dem ganzen Nordwesten und auch Nordrhein-Westfalen zu den Miniwelten kämen, fahren nach seinen Worten vor oder nach dem Besuch noch in den Ort oder eine der übrigen Mitgliedsgemeinden.

Die SG präsentiert die Miniwelten als Aussteller und bekommt die Leihgabe der Playmobil-Exponate von Eden kostenfrei. „Herr Eden hat nichts davon außer Arbeit“, sagte Weber. Der Journalist engagiert sich mit mehr als 20 weiteren Ehrenamtlichen des Heimatvereins Niederlangen. Eden zeigt seine Sammlung im Gründerzentrum seit einem Jahr. Seitdem hatte er dort laut Weber rund 3000 Besucher. Das wertet der SG-Bürgermeister als „eine stolze Zahl“. Der Mietvertrag ist seit einem Mehrheitsbeschluss in der vergangenen SG-Ausschusssitzung unbefristet.

Bei der SG-Ratssitzung wollte Ernst Kock, Vorsitzender der SPD/Grüne-Gruppe, das Thema in die Öffentlichkeit bringen, weil es im „Hinterzimmer“ besprochen worden sei, wie es in der Mitteilung heißt. Weber entgegnet dem: „Bei Vertragsangelegenheiten ist der Samtgemeindeausschuss zuständig, nicht der Samtgemeinderat“. Die entsprechende SG-Ausschusssitzung, bei der das Thema besprochen worden sei, fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – wie üblich bei Mietvertrags- oder auch Grundstücksangelegenheiten, erklärte Weber dazu am Freitag auf Anfrage.

„Es kann ja sein, dass Herr Eden nichts davon hat, aber Sie“, sagte van Loyen während der Sitzung weiter. „Das ist eine noch größere Unverschämtheit“, äußerte Weber seine Empörung daraufhin lautstärker als zuvor und forderte den Rat auf, sich dazu zu äußern.

„Jürgen Eden ist ein eigenständiger Pressevertreter, der sich mit Sicherheit nicht von der Gemeinde kaufen lässt wegen seiner Playmobilfiguren. Was sollte Herr Weber davon haben?“, sagte Luise Redenius-Heber (CDU), 2. stellvertretende SG-Bürgermeisterin, dazu. „Da darf man keinen Zusammenhang herstellen. Das ist konstruiert, wenn man das verbindet“, meinte CDU-Ratsherr Hermann Eiken.

Ernst Kock hält dagegen. „Wenn ich gefördert werde, bin ich nicht mehr neutral. Das ist einfach so“, sagte er am Freitag auf Nachfrage unserer Redaktion, kann dafür ebenfalls auf Nachfrage aber weder Beweise noch Beispiele nennen. Der Hinweis sei vielmehr „vorausschauend“ zu sehen, sagte Kock.

Von einer Förderung durch die SG kann laut Eden nicht die Rede sein, „denn meine Exponate stelle ich der Samtgemeinde Lathen ohne Gegenleistung als Leihgabe zur Verfügung“, erklärt der Sammler auf Anfrage. Seine Arbeit betreffend, berichte er aus der SG Lathen genauso wie aus jeder anderen Gemeinde auch. „Mein Anspruch der politischen Berichterstattung war und ist es immer, die inhaltliche Arbeit in den Gremien objektiv und sachlich darzustellen“, so Eden, der die pauschalen Anschuldigungen vehement zurückweist.

Auch Weber betonte, dass der Vorwurf durch nichts zu rechtfertigen sei. Er lege großen Wert auf unabhängigen Journalismus und eine kritische Begleitung.


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