18.10.2015, 07:03 Uhr

Jungfernfahrt nach Sanierung Bahnstrecke von Lathen nach Sögel wieder unter Dampf


jed Lathen/Sögel. Die Eisenbahnstrecke von Lathen nach Sögel ist nach einer Komplettsanierung für fast fünf Millionen Euro wieder voll funktionstüchtig.

Die Eisenbahnstrecke von Lathen nach Sögel ist wieder voll funktionstüchtig. Während einer Zugfahrt mit einer historischen Dampflok gab Landrat Reinhard Winter (CDU) am Wochenende im Beisein zahlreicher Ehrengäste die rund 16 Kilometer lange Schienenverbindung in Richtung Hümmling frei. Die Komplettsanierung für fast fünf Millionen Euro war im Herbst 2014 gestartet.

Ehrengäste mit an Bord

Schwarz-grauer Dampf verteilte sich am Samstagvormittag über dem Himmel des Lathener Bahnhofs in Richtung Rupennest über Sprakel bis nach Sögel. Eine Museumslok der Eisenbahnfreunde Hasetal zog Personenwaggons, in denen die Ehrengäste wie beispielsweise die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann, Landtagspräsident Bernd Busemann sowie weitere Vertreter von Land, Landkreis, den Gemeinden und der Emsländischen Eisenbahn (EEB) Platz genommen hatten. Rund 45 Minuten dauerte die Einstandsfahrt, bei der Landrat Reinhard Winter (CDU) die offizielle Freigabe des 16 Kilometer langen Streckenabschnitts verkündete. Von den 4,9 Millionen Euro Sanierungskosten übernahm der Bund die Hälfte. Weitere 1,96 Millionen Euro flossen aus der Landeskasse, sodass der Landkreis noch 490.000 Euro (10 Prozent) aufbringen musste.

„Ein Glücksfall“

Angestoßen wurde das Vorhaben nach Winters Worten im Dezember 2013, als sich der Kreistag nach längeren Diskussionen mit großer Mehrheit für die Ertüchtigung der gesperrten Strecke aussprach. Vornehmlicher Beweggrund vieler Abgeordneter war das Bestreben nach dem grundsätzlichen Erhalt der Schieneninfrastruktur. „Es war ein Glücksfall, dass der Bund im Jahr 2013 das neue Schienengüterfernverkehrsförderungsgesetz verabschiedete“, sagte Winter. Dabei bedankte er sich ausdrücklich bei Connemann, die maßgeblichen Anteil an dieser Gesetzesänderung habe. Durch die Änderung wurde eine Förderung für die Ertüchtigung von Nebenstrecken überhaupt erst möglich.

Zweiter Abschnitt soll folgen

Die Hände in den Schoß legen wollen die Vertreter vom Kreis und der EEB aber in dieser Sache noch nicht. Denn Ziel ist es, auch den zweiten Streckenabschnitt von Sögel nach Werlte wieder ans Netz zu bekommen. Denn erst dann würde die Investition interessant, hieß es. Außerdem sollen die Umschlagmöglichkeiten in Sögel und Werlte attraktiv gestaltet werden. So sollen Abstellgleise und Zuwegungen für Lastwagen entstehen, die beispielsweise Schüttgut wie Kies, Futtermittel aber auch Holz zur Bahn transportieren.

Einen fahrplanmäßigen Personentransport wie zu Großvaters Zeiten wird es auf der Hümmlingstrecke aber wohl nicht mehr geben. Lediglich Fahrgäste der Museumseisenbahn werden die Strecke nutzen können, die vorrangig dem Güterverkehr dienen werde.

Das sieht auch Landtagspräsident Busemann so. Allerdings sollte man nach seiner Einschätzung den touristischen Effekt von Museumseisenbahnen nicht unterschätzen. Zudem bescheinigte der protokollarisch höchste Niedersachse dem Bund, insbesondere der Bundestagsabgeordneten Connemann, das neue Gesetz „gut hingekriegt“ zu haben. „Die Bahn rollt – und das hier im Emsland“, freute sich auch Connemann , die es sich nach der Jungfernfahrt auf der sanierten Strecke nicht nehmen ließ, Lokführer und Heizer an ihrem Arbeitsplatz mit dem Handy zu fotografieren.

Die Christdemokratin richtete ihren Dank ausdrücklich auch an die Anlieger der Bahnstrecke, denn die meisten sähen die Eisenbahnstrecke nach ihren Worten als festen Bestandteil ihrer Umgebung. „Woanders hätten sich längst Bürgerinitiativen gebildet, doch hier ziehen alle an einem Strang“, so die Ostfriesin.

Die EEB investiert derzeit auch bis zum Sommer 2016 im Bereich Schienenverkehr an der Strecke Meppen – Essen (Oldenburg). Das dortige, rund zehn Millionen Euro teure Vorhaben trägt der Bund mit fünf Millionen Euro. Das Land ist mit vier Millionen Euro und der Landkreis über die EEB mit einer Millionen Euro daran beteiligt.


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