10.04.2014, 13:07 Uhr

Aus der Krise geboren Hilteraner arbeitet an digitalem Wissenschaftschaftsmagazin

Die Journalisten Denis Dilba (36, links) aus Hilter und Georg Dahm (43) gründen mit „Substanz“ das erste digitale Wissenschaftsmagazin Deutschlands. Foto: privatDie Journalisten Denis Dilba (36, links) aus Hilter und Georg Dahm (43) gründen mit „Substanz“ das erste digitale Wissenschaftsmagazin Deutschlands. Foto: privat

Hilter/Hamburg. Kurz vor Weihnachten waren sie mit ihren Kräften am Ende. Dachten, alles scheitert. Doch jetzt stehen Denis Dilba (36) aus Hilter und Georg Dahm (43) kurz vor dem Durchbruch. Gemeinsam wollen sie mit einer revolutionären Idee den Medienmarkt aufmischen. Gemeinsam soll aus einer Vision Wirklichkeit werden. Der Name ihres Projekts: „Substanz“. Ihre Mission: Wissenschaftsjournalismus, den jeder versteht und der Spaß macht. Ihr Ansporn: die Liebe zum Geschichtenerzählen.

Die Worte purzeln nur so aus seinem Mund. Sie sprühen vor Energie, vor Tatendrang, Hoffnung und Leidenschaft. Denis Dilba, gebürtiger Hilteraner, sorgt gerade bundesweit mächtig für Aufmerksamkeit in der Medienbranche. Renommierte Blätter wie Spiegel online, die ZEIT, das Hamburger Abendblatt und zahlreiche Fachzeitschriften haben bereits über das Duo, das von Hamburg aus arbeitet, berichtet. Am berühmten Fischmarkt befindet sich ihr Büro – mit Blick auf die Elbe.

Denis Dilba und Georg Dahm wollen bis zum Sommer das bundesweit erste digitale Wissenschaftsmagazin auf den Markt bringen. Zu lesen online via Internet und App. „Substanz“ nennt sich ihr Start-up, das einen völlig neuen Weg beschreitet. Das Magazin soll wöchentlich ausschließlich online erscheinen – mit nicht viel mehr als einer Handvoll Artikel. Die aber haben es in sich.

Denn wo in gedruckten Zeitschriften oft kein Raum für umfangreiche Geschichten und erklärende Grafiken und Erläuterungen sind, bietet das Internet völlig andere Möglichkeiten. Hier kann der Leser anhand von interaktiven Info-Grafiken und Videomaterial das Gelesene anschaulich nachvollziehen. Aber, so schränken Dilba und Dahm ein, im Vordergrund stehe immer noch der Text. Zusätzliches Material gilt als Angebot an den Leser, der selbst darüber entscheidet, ob er noch tiefer in das Thema einsteigen will. Hinter allem steht der Gedanke, Platz für große Geschichten zu schaffen, die in Ruhe erzählt werden wollen. Und zwar abseits der Studienergebnisse renommierter Wissenschaftler. Denis Dilba will mehr, denn er und Georg Dahm sind überzeugt: „Wissenschaft versteht man nur, wenn man begreift, wer dahintersteckt und mit welcher Motivation an Themen gearbeitet wird.“ „Substanz“ richtet sich damit an all jene, die sich für wissenschaftliche Themen und Zusammenhänge zum Beispiel aus dem Bereich Technik, Medizin oder IT interessieren – verständlich aufbereitet und mit Freude am Lesen.

Aus der Krise geboren

Die Idee für „Substanz“ ist aus der Krise geboren. Doch bekanntlich sind es oft die schwierigen Zeiten, aus denen Großes erwächst. Beide Journalisten mussten im vergangenen Jahr gleich zweimal miterleben, wie die Zeitung und Zeitschrift, für die sie arbeiteten, eingestellt wurden. Zuerst war es die Financial Times Deutschland, dann das Wissenschaftsmagazin New Science. Die Verlagslandschaft steckt in einem großen Umbruch. Immer öfter wird der Rotstift angesetzt. Journalisten haben oft kaum noch Zeit und Raum für umfangreiche Recherchen, zeitgleich ist der Verkaufsdruck immens.

Dilba aber will sich diesem Trend nicht unterwerfen. Der 36-Jährige, der seine Eltern und Freunde noch oft in Hilter besucht, hat den Glauben an seriösen Journalismus und die Liebe zum Schreiben und Recherchieren trotz allem nicht verloren. Aber der studierte Diplom-Mechatroniker sagt auch: „Uns war nach den Schließungen klar: Wenn wir in den nächsten Jahren an unserem Job Spaß haben wollen, müssen wir es selbst in die Hand nehmen.“

Das finanzielle Risiko ist hoch. Dilba und Dahm stecken ihr ganzes Erspartes in das Projekt, müssen einen Kredit aufnehmen und haben im Internet zu Spenden (Crowdfunding) aufgerufen. Es gibt viele, die von ihrer Idee überzeugt sind. Viele, die bereit sind, für gute Inhalte auch zu bezahlen. Wie viel die App pro Ausgabe kosten wird, verraten die beiden noch nicht. Doch alles sei „sehr realistisch“ kalkuliert.

Sie halten inne, lehnen sich nach einer Stunde Gespräch zum ersten Mal entspannt zurück. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Es strahlt Zuversicht aus. „Substanz“ sei wie eine gute Schokolade, die man sich gönne, weil man ihren Geschmack zu schätzen wisse, sagt Dahm. „Ein Stück Luxus im Alltag eben.“


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