20.04.2017, 13:34 Uhr

„Helfen, heilen, hoffen“ Meppenerin Gaby Breuckmann berichtet aus Haiti von ihrem Einsatz


Meppen. Noch bis 25. April 2017 ist die Meppenerin Gaby Breuckmann für LandsAid im Hilfseinsatz in Haiti. Per E-Mail berichtet sie unserer Redaktion über bewegende Momente vor Ort im Krisengebiet.

In Haiti kämpfen die Menschen weiter gegen die Folgen des Hurrikans Matthew. Der Wirbelsturm der Kategorie 4 fegte im Herbst 2016 mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 225 Stundenkilometern über den Südwesten.

In bestimmten Regionen sind weite Teile total zerstört worden. Vielen Fischern wurde die gesamte Existenz genommen, die Hütten als Lebensmittelpunkt wurden weggefegt, die Boote zerschellten im Sturm, Äcker überfluteten und vernichteten die Saat. „Die Verzweiflung der Menschen ist ihnen ins Gesicht geschrieben“, so die Meppener Helferin.

Scheck im Gepäck

Einer ihrer Mitstreiter vor Ort ist Father Rick Frechette. Seit 1987 lebt und arbeitet der Priester und Arzt Richard Frechette mit und für die Menschen in Haiti. Seine und die Arbeit von LandsAid wird maßgeblich durch Spenden unterstützt. Mit im Gepäck hatte Breuckmann für Rick bei ihrer Ankunft in Haiti einen Scheck aus der Heimat. Genauer gesagt aus Haselünne. Die Klasse 5a des Kreisgymnasiums St. Ursula Haselünne gab ihr einen Scheck über 910, 95 Euro und einen Brief an die Kinder im Krankenhaus St. Damien mit auf den Weg ins Krisengebiet ( wir berichteten).

Helfer stoßen oft an ihre Grenzen

Über die Spende habe sich Father Rick sehr gefreut. „Dank der Hilfe vieler verschiedener Menschen konnte LandsAid vor Ort gezielt helfen“, schreibt Breuckmann unserer Redaktion aus Haiti. „Helfen, heilen, hoffen“ – das ist der Leitgedanke für ihre Arbeit und die des Geistlichen im Krisengebiet. Körperlich gelangen beide dabei oft an Grenzen. So fand Father Rick zum Beispiel einen jungen Mann hilflos an seinem Acker sitzend, weit entfernt von seiner Hütte und somit seiner Familie, der durch eine lebensbedrohliche Fußverletzung nicht mehr laufen konnte und nicht wusste, ob er lebend dieser Situation entkommen konnte. Mit Helfern musste Father Rick einen Weg von drei Tagen und drei Nächten überwinden, um diesen Mann mit seinen Helfern im Wechsel auf den Schultern tragend in sein Krankenhaus in die Hauptstadt zu bringen, um den Fuß zu retten. Der Weg war strapaziös, und die Chancen standen mehr als schlecht. Sie fanden zwar ein Motorboot zum Übersetzen, leider ohne Petrol. Im letzten Moment brachte ein junger Mann die Rettung, der mit Geld von Father Rick losgelaufen war, auf eine funktionstüchtige Zapfsäule hoffte und mit einem gefüllten Kanister zurückkam. Mit allerletzter Energie, die ein Mensch noch aufbringen konnte, haben Father Rick und sein Team diesem Menschen am Ende das Leben gerettet.

Viele Sorgen

Father Rick und die anderen Helfer haben viele Sorgen. Tag für Tag. Während ihres aktuellen Einsatzes erlebte Breuckmann ihn an einem Morgen ziemlich bewegt, nachdenklich und ernst vor seinem PC sitzend. Dies ist ein Platz, der sonst selten besetzt ist -außer morgens um 3 Uhr, wenn alles schläft und Rick dann einen relativ guten Internetzugang hat, um seine Post zu bearbeiten. „Ich habe ihn selten so bedrückt erlebt und sprach ihn auch darauf an, ob ihn die fehlenden Finanzen quälen. Seine kurze und knappe Antwort lautete: ‚Die sind zu managen, wenn ihr alle mithelft. Aber es sind die Menschen, die mir große Sorgen machen und mehr und mehr zur Gefahr werden. Sie können nirgendwo den Frieden halten, und das, was passiert, ist so furchtbar‘“, schreibt Breuckmann. Oft raubten Father Rick die Umstände jegliche Freude und die Luft zum Atmen. „Aber wir müssen weiter an das Gute glauben, Gaby. Und das ist das Schwere“, sage er oft.

Lachen und Freude

Das wiederum machte die Emsländerin betroffen. Sie holte sich ein schwerstbehindertes Kind von ihrer Station, auf der Kinder mit Handicaps betreut werden. Es war die kleine Stella. „Sie lacht immer, sobald ihr jemand freundlich begegnet“. Das Mädchen setzte Breuckmann Father Rick auf den Schoß. „Schau ihr ins Gesicht, sie bringt das Lachen und die Freude zurück. Vergiss für einen Moment, und vielleicht kann sie dir die Kraft für diesen Tag geben. Das wünsche ich dir“.

„Frohe Grüße vom andern wichtigen Kontinent dieser Erde“

Die 70-jährige gelernte Krankenschwester zieht Kraft aus ihrer Hilfsarbeit vor Ort. „Ich nehme viel mehr mit, als ich geben kann, wenn ich vor Ort bin“, sagte sie im Interview vor ihrem Abflug nach Haiti. Dazu passt eine Situation, die sie in einer weiteren Mail beschreibt. „Heute war ein bewegender Tag, habe Sterbende eingecremt für ihre letzte ‚Reise‘. Die Schwestern vom Orden der Mutter Theresa vollziehen diesen Akt der Menschlichkeit. Sie übergaben mir heute diesen Auftrag, und das hat mich doch sehr berührt. Ich spüre die Wärme des Lebens noch unter den Händen, und dann ist da unwiderruflich der letzte Atemzug und alles Leben ist beendet.“

„Helfen, heilen, hoffen“, das ist der Motor für Breuckmann und die anderen internationalen Ehrenamtlichen, sich immer wieder auf den Weg durch das Krisengebiet zu machen, zuzupacken, den Leitgedanken zu leben. „Diese Worte kennzeichnen meine Haltung“, schreibt die Meppenerin zum Schluss. Und dankt allen für ihre Unterstützung. „Frohe Grüße vom andern wichtigen Kontinent dieser Erde.“ Den verlässt die Emsländerin am 25. April 2017 wieder Richtung Heimat.


St. Damien – Haitis führendes Kinderkrankenhaus

Haiti ist das ärmste Land der westlichen Welt. Die große Armut der Bevölkerung und fehlende sanitäre Anlagen haben dazu geführt, dass das Risiko für Kinder 15 Mal höher ist an Durchfall oder Lungenentzündung zu sterben, als an HIV/AIDS. In Haiti sterben 79 von 1000 Kindern an eigentlich gut behandelbaren Krankheiten. Jedes vierte Kind ist von Unterernährung betroffen und 138.000 Kinder (79 von 1000) sterben jedes Jahr an vermeidbaren oder gut behandelbaren Krankheiten. In einem Land, in dem ein Drittel der Bevölkerung unter 15 Jahre alt ist, sind Fortschritte in der Gesundheitsfürsorge für Kinder lebenswichtige und notwendige Voraussetzungen für eine ökonomische, soziale und politische Weiterentwicklung von Haiti.

nuestros pequeños hermanos (nph) wurde 1954 von Padre William Wasson gegründet. Das Engagement der Organisation in Haiti begann 1987 mit der Gründung eines Kinderdorfs für Waisen und verlassene Kinder. Weil viele der Kinder, die zu nph kamen, krank waren und starben, und es nicht genügend Krankenhäuser in Haiti gab, wurde schnell klar, dass die Organisation eigene medizinische und therapeutische Einrichtungen benötigt.

Das Kinderkrankenhaus St. Damien konnte durch Unterstützung aus aller Welt gebaut werden. Es bietet kranken Kindern aus armen Familien eine qualitativ hochwertige Behandlung an. Mehr als die Hälfte der kleinen Patienten leiden an Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Malaria

oder HIV. 25 Prozent der Kinder leiden an nichtinfektiösen Krankheiten wie Krebs, HerzKreislauf- oder Nierenerkrankungen. Viele der Kinder sind unter- oder mangelernährt. In der Ambulanz behandeln die Ärzte und Schwestern täglich 100 Kinder mit akuten Krankheiten wie Parasiten und bakteriellen Infektionen. In den Spezialabteilungen werden chronische Krankheiten wie Sichelzellenanämie, angeborene Herzfehler, Tuberkulose oder Krebs behandelt – wenn notwendig über Monate oder Jahre hinweg

Quelle: nph deutschland e.V.

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