28.11.2016, 15:41 Uhr

Vermutlich 500 Kilo schwer Bombenblindgänger in Haselünne soll entschärft werden

Anfang des Jahres ist in Meppen in der Kanalstraße ein Blindgänger gefunden und abtransportiert worden. Archivfoto: Julia MauschAnfang des Jahres ist in Meppen in der Kanalstraße ein Blindgänger gefunden und abtransportiert worden. Archivfoto: Julia Mausch

Haselünne. Manchmal wirkt die Vergangenheit noch lange nach: In Haselünne wird am Mittwoch ein 500 Kilogramm schwerer Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Ein Landwirt hatte sich daran erinnert, dass dieser seit mehr als 60 Jahren tief in seinem Acker verborgen liegt.

Drei Meter hatte sich das explosive Geschoss damals in den Erdboden eingegraben und liegt dort seitdem – in welchem Zustand, ist bisher unbekannt. Franz Wekenborg, zuständiger Fachbereichsleiter bei der Stadt Haselünne, berichtete am Montag, der Landwirt habe sich Anfang des Jahres bei der Stadtverwaltung gemeldet und den mutmaßlichen Einschlagsort mitgeteilt.

„Der Kampfmittelräumdienst hat dann seine Arbeit aufgenommen und den Boden untersucht“, sagt Wekenborg. Ergebnis: Die Fachleute haben einen Blindgänger bestätigt, er ist vermutlich 500 Kilogramm schwer.

Grundwassersenkung zu Gange

Der Kampfmittelräumdienst habe bereits mit der Grundwassersenkung an Ort und Stelle begonnen, sagt Wekenborg. Am Dienstag werde dann maschinell ein Loch bis in zwei Meter Tiefe gegraben, der letzte Meter über der Bombe werde dann am Mittwochmorgen ab 9 Uhr von Hand abgegraben.

„Wie lange das dauert, wissen wir nicht“, sagt der Mann vom Haselünner Ordnungsamt. „Das hängt von der Bodenbeschaffenheit ab.“ Und die Entschärfung selbst ist dann ein Vorhaben mit vielen Unbekannten. Es komme darauf an, in welchem Zustand sich der Blindgänger befinde und auch, mit welchem Zünder er damals ausgestattet worden sei. Denn einige Zünder sind leichter zu entschärfen als andere und manchmal ist auch eine Sprengung vor Ort notwendig.

Evakuierungszentrum eingerichtet

Aus Sicherheitsgründen gilt deshalb ab 9 Uhr ein Sicherheitsabstand von 1000 Metern um den Fundort, in dem sich außer den Kampfmittelräumern niemand aufhalten darf. Die Bewohner von fünf Häusern im Bereich Wehlage/Käseforth müssen bis 9 Uhr ihre Wohnungen verlassen haben. Die betroffenen Einwohner wurden bereits informiert. Für sie steht ein Evakuierungszentrum im Haus der Begegnung (Pfarrheim), Krummer Dreh 21, zur Verfügung.

Außerdem wird die Bundesstraße 213 zeitweise gesperrt – ein kurzes Teilstück liegt am Rand des 1000-Meter-Radius, aber eben noch darin, so dass alle Beteiligten hier Vorsicht walten lassen müssen. Landkreis Emsland und die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Lingen haben für die viel befahrene Straße eine Umleitung erarbeitet. Sie führt über die Landesstraße 55 (Herzlake/Dohren) und die Bundesstraße 402. Wie lange die Sperrung am Vormittag andauern wird, hängt vom Fortschritt der Entschärfung ab.


Zuletzt waren immer wieder Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt und entschärft worden. Anfang des Jahres sorgte eine 500-kg-Bombe in Meppen für eine große Evakuierung , kurz davor hatte ein Landwirtin Nieuw Schoonebeek , dem niederländischen Grenzort direkt hinter Twist, ebenfalls eine 500 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Vor fünf Jahren gab es in Adorf einen Fund und auch in Meppen hatte der Kampfmittelräumdienst in der Vergangenheit mehrfach zumindest mit dem Verdacht auf Blindgänger zu tun, zuletzt beim Bau der neuen Sparkasse in der Hinterstraße. Dort hatte sich der Verdacht aber ebenso wenig bestätigt– statt einer Bombe hatte man einen Blitzableiter gefunden. 2011 war im Bereich Riedemannstraße ebenfalls eine große Evakuierung erwogen worden, dort hatten Bohrungen aber keine Gefahren zutage gefördert.

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