27.11.2016, 09:40 Uhr

Inschriften von 1910 Grundsteine des alten Haselünner Krankenhauseingangs werden restauriert


Haselünne. Es war eine kleine Sisyphusarbeit: Bei den Sanierungsarbeiten der ehemaligen Röntgenstation des Haselünner St.-Vinzenz-Hospitals wurden die beiden Grundsteine im Mauerwerk des Krankenhauses in Erinnerung gerufen, an die viele schon lang nicht mehr gedacht hatten. Was aber bedeutet die Inschrift der stark verwitterten Steine?

Fest stand nur, dass beide Steine links und rechts des ehemaligen zur Hase gerichteten Haupteingangs des Krankenhauses 1910 gesetzt wurden. Der befand sich seinerzeit genau auf der gegenüberliegenden Seite des Hospitals, war idyllisch zur Hase gelegen, vor der Nutztiere weideten. Die feierliche Einsegnung der Grundsteine nahm Pastor Schniers am 19. März 1910 vor.

Alte Unterlagen und Fotos

Nach mehr als einjähriger Bauzeit entstand neben dem alten Krankenhaus von 1864, das ab da als Altersheim dienen sollte, das neue St.-Vinzenz-Hospital. An der damals schönsten Stelle Haselünnes wurde der Bau mit Terrassen und Balkonen und Dachreiter als Zierde errichtet. Zahlreiche alte Unterlagen und Fotos, die Verwaltungsdirektor Walter Borker, Pflegedirektor Helmut Hermes und der Haselünner Heimatforscher Hermann Schmitz studierten, zeigen einen für die damalige Zeit Prachtbau. Eingeweiht wurde er am 17. Mai 1911 durch Bischof Hubertus Voss.

An beide erinnern die Inschriften der Grundsteine, deren Bedeutung mithilfe des ehemaligen Meppener Lateinlehrers Ferdinand Volmer jetzt geklärt werden konnte.

Links steht: Huberto Voss Eppo Osnabrug(ensis) Gerado Schniers parocho Hasel. Übersetzung: Als Huberto (Hubertus) Voss Bischof von Osnabrug(ensi) und Gerado (Gerhard) Schniers Pastor von Haselünne waren

Rechts: Hoc nosocomium aedificatum est 1910 Übersetzung: Ist dieses Krankenhaus 1910 erbaut worden.

Platz im ehemaligen Haupteingangsbereich

Die Grundsteine sollen nun restauriert werden. Ihren Platz im ehemaligen Haupteingangsbereich mit Balkon behalten sie. Wann dieses Portal des St.-Vinzenz-Hospitals quasi von hinten nach vorne von der Hase weg gebaut wurde, ist nicht klar. Borker und Schmitz gegen davon aus, dass das in den 1940er/1950er-Jahren der Fall war.

Fakt ist, dass das Krankenhaus schnell zu klein wurde, dass vor allem die Kapelle nicht mehr genügend Platz bot. Schon 1910 lag ein Plan für einen Neubau vor, entworfen von Architekt Dittmann aus Düsseldorf. Zur Ausführung kam er wegen des Weltkrieges aber nicht. Erst im Oktober 1935 fasste das Kuratorium den Beschluss, die Kapelle neu zu bauen. Mit der Ausführung wurde ein Jahr später Architekt Dominikus Böhm aus Köln beauftragt. Sein Entwurf sah nicht nur die neue Kapelle vor, die das Altersheim mit dem neuen Krankenhaus verband, sondern unter anderem auch weitere Krankenzimmer, Büro- und Wirtschaftsräume. Die Umsetzung begann 1937.

Zunehmende Mobilität

Erst danach wurde irgendwann der Haupteingang von der Hase weg zur Hammer Straße geschaffen. Mit zunehmender Mobilität und dem Aufkommen von immer mehr Autos war das notwendig. Der schmale Weg an der Hase, der fußläufig und mit Pferdekutschen passiert werden konnte, war für sie einfach nicht zu befahren. Mit der Verlegung des Haupteingangs gerieten auch die Grundsteine aus dem Blick.


Gründung des Haselünner St.-Vinzenz-Hospitals geht in das Jahr 1860 zurück

Die Gründung des Haselünner St.-Vinzenz-Hospitals geht in das Jahr 1860 zurück. Seinerzeit beschloss die Armenversorgungskommission, ein Krankenhaus bauen zu lassen. Die Pflege der Kranken sollten die Barmherzigen Schwestern aus dem Mutterhause St. Mauritz bei Münster übernehmen.

Da jedoch zum Zeitpunkt der Planung noch nicht genügend Geldmittel vorhanden waren, erbat man vom Mutterhaus für die ambulante Krankenpflege zunächst nur zwei Schwestern. Als vorläufige Wohnung diente den Schwestern das Haus Wübben in der Hasestraße. Am

27. Mai 1862 war es dann so weit: Die Schwestern Obdulia und Alina wurden aus Lingen abgeholt und von vielen Haselünnern beim Schützenhaus mit einem Ehrenbogen und Worten des damaligen Bürgermeisters Münster empfangen.

In seiner Ansprache sagte er: „...Sie möchten einziehen in die Stadt Haselünne, ihr Haus in Besitz nehmen, um daselbst, wie auch in der hiesigen Umgebung ihre edle, christliche, auf den Flügeln himmlischer Liebe waltende, den Leiden der hilfsbedürftigen Menschen abhelfende, befestigende Tätigkeit zu entfalten.“ cw

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