20.11.2016, 09:31 Uhr

Haselünne in alten Ansichten Als die Hasestraße ihr „Shopping-Center“ bekam


Haselünne. Eine Flaniermeile war sie nie, bedeutsam für die Stadt jedoch immer: die Hasestraße in Haselünne.

Beginnend mit dem Fluss, der der Stadt den Namen gab, und endend am großen Marktplatz, befanden sich auf dieser Haupteinfallstraße neben zahlreichen Wohnhäusern auch einige Geschäfte, die zahlreiche Kunden aus den umliegenden Ortschaften anlockten.

Drei davon lagen in direkter Nachbarschaft auf einem kleinen Platz ausgangs des Krummen Drehs und eingangs der Treppe zur altehrwürdigen Pfarrkirche St. Vincentius auf historischem Grund.

Schwenkenhof

Hier befand sich vermutlich früher auch der sogenannte Schwenkenhof, der im Jahr 1652 neun aus Oldenzaal vertriebene Klarissen ihre Heimstatt bot. Sie mussten in Ausführung der Beschlüsse des Westfälischen Friedens aus Holland fortziehen und fanden hier in Haselünne eine neue Stätte geistlichen Wirkens.

„Vitamin B“ war der Grund für sie, nach Haselünne zu ziehen: Der damalige Bürgermeister Dominicus Riccius war mit Agatha Coitenbreuer verheiratet, und deren Schwester Ludovica Coitenbreuer wiederum wurde die erste Äbtissin der Klarissen.

1926 erwarb dann Conrad Schulte das für damalige Zeiten schmucke Häuschen und wirkte seitdem als Drucker und ehrbarer Kaufmann. In späteren Jahren wuchs der Warenbestand des Ladens. Das Geschäft diente vielen Kindern als Schulbuchhandlung und Erwachsenen als Fundstelle für kirchliche Symbole und Schriften. Auch kleinere werthaltige Präsente konnten dort erworben werden. Wer eine Blockflöte oder Mundharmonika suchte, wurde hier mit Sicherheit ebenfalls fündig.

Hauch von 4711

Etwas versetzt von diesem „Shopping-Center“ befand sich die Drogerie Rosche. Ein Hauch von 4711, des Kölschen Wasser, umwehte die Geruchsorgane der dort einkaufenden Haselünner. Doch nicht nur dieses Highlight früherer Parfümkunst durfte dort getestet und – wenn der Geldbeutel es hergab – auch gekauft werden. Freunde der Fotografie gaben dort ebenfalls ihre Filme ab und bekamen nach ein bis zwei Wochen ihre fertigen Bilder. Auch Liebhaber biologischer Produkte durften sich glücklich schätzen, neben dem kultigen Rotbäckchen-Saft vitaminreiche und zähflüssige Säfte zur Stärkung allgemeiner Abwehrkräfte aus dem Laden mitnehmen zu können.

Shopping-Dreieck

Das Shopping-Dreieck schloss mit „Wäsche-Timmen“ ab. Hemden, Hosen, Bettlaken und Bademäntel gab es hier. Wem Triumph nicht nur als motorisiertes Fahrzeug, sondern auch als Wäsche gefiel, der war hier ebenfalls an der richtigen Stelle.

Wer keine außergewöhnlichen Extras zum Leben benötigte, fand in diesem Bereich der Hasestraße alles, was dem Körper und dem Geist guttat.

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