20.04.2017, 10:44 Uhr

Ein Hüggelzwerg in Syrien Integratives Theaterprojekt für Kinder in Hasbergen


Hasbergen. Hasbergens liebste Sagengestalt ist jetzt auch Integrationshelfer: Bei einem Ferienprojekt in der Hüggelschule studieren deutsche und syrische Kinder zusammen das Theaterstück „Ein Hüggelzwerg geht auf Reisen“ ein.

Wikinger, Widder und Wichtel: Als Kinder- und Jugendreferentin Katrin Schmidt den Kostümfundus am Hasberger Schulzentrum öffnet, gibt es für die Teilnehmer des Theaterprojekts kein Halten mehr. Sie stürzen sich auf die Verkleidungen und ehe man sich versieht, toben Kinder in Tierkostümen, Ballkleidern und Zwergenoutfit durch den Raum. Die zwölf Jungen und Mädchen suchen sich gerade passende Kostüme für das Stück „Ein Hüggelzwerg geht auf Reisen“ aus, das sie an der Hüggelschule einstudieren. Das Besondere dabei: Zu den Teilnehmern gehören sechs deutsche und sechs syrische Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren.

Kinder entwickeln Geschichte

Mit dem integrativen Theaterprojekt möchte Schmidt den Austausch zwischen einheimischen und Flüchtlingskindern fördern. Die syrischen Teilnehmer lernen etwas über die Sagen der Hasberger, während die Kinder aus Hasbergen den Geschichten der Syrer lauschen: „In der Hoffnung, dass ein buntes Gemisch entsteht“, so Schmidt. Die Handlung des Stücks stammt nämlich im Wesentlichen von der Kindern selbst. Vorgegeben war nur, dass der Hüggelzwerg auf Weltreise geht: „Was dann in den einzelnen Ländern passiert, stammt von uns“, erklärt Johanna Bethge von der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück, die das Stück mit den Teilnehmern erarbeitet. In der Geschichte vermissen die Hüggelzwerge ihren König. Sie machen sie auf die Suche nach ihm und reisen in verschiedene Ländern, wo sie von den einheimischen Zwergen immer wieder Hinweise erhalten, bevor sie ihr Oberhaupt – so viel sei verraten – in Syrien wiederfinden.

Weniger Text, mehr Bewegung

Unterstützung erhält Bethge von Abiturientin Shari und Neuntklässlerin Rachad, die auch Arabisch spricht. Doch auch wenn die syrischen Kinder noch nicht alle so gut Deutsch sprechen: „Sie verstehen mich sehr gut“, berichtet Bethge. Das Stück verfügt nur über wenig Text, was allerdings an der relativ kurzen Projektdauer von vier Tagen mit je vier Stunden liegt: „Da ist es einfacher nur zu spielen“, erklärt die Theaterpädagogin. Außerdem werden die Kinder tanzen. „Mit Bewegung kriegt man sie immer“, sagt Bethge lachend, „das ist das A und O als Sprache und Ausdruck.“

Zwei Aufführungen

Aufgeführt wird „Ein Hüggelzwerg geht auf Reisen“ am Freitag im Haus am Berg und am Sonntag im evangelischen Gemeindezentrum. Schmidt möchte den Kinder so die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren: „Das ist auch eine Form von Selbstbestätigung, wenn sie Applaus bekommen.“ Die Erfahrungen der Teilnehmer sind ganz unterschiedlich: Während Leonie (9) bereits zum dritten Mal auf der Theaterbühne steht, ist es für James (9) und Lilyan (11) das erste Mal. Lilyan ist vor neun Monaten mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland gekommen, ihr Bruder Muhammed (10) spielt ebenfalls bei dem Stück mit. Die Kinder haben viel Spaß an den Proben. „Ich finde es gut, oder besser gesagt super“, sagt Leonie. „Ich auch!“, ruft Lilyan strahlend und macht sich im Fundus auf die Suche nach einem Königinnenkostüm.

Finanziert wurde das Hüggelzwerg-Theaterprojekt mit Spenden an das Hasberger Flüchtlingsforum.


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