19.03.2017, 09:50 Uhr

„Ich, der Alki – eine wahre Geschichte von nebenan“ Kolping Altharen beschäftigt sich mit Schicksal Alkoholkranker

Nach dem Vortrag bei der Kolpingfamilie Altharen: (von links) Herbert Hakenholt, Maria Klene, Josef Gebbeken und Alfred Hinrichs. Foto: Mascha AbelnNach dem Vortrag bei der Kolpingfamilie Altharen: (von links) Herbert Hakenholt, Maria Klene, Josef Gebbeken und Alfred Hinrichs. Foto: Mascha Abeln

Haren. Von ihrem Leben als Alkoholkranke haben Herbert Hakenholt und Alfred Hinrichs auf besonders offene und ehrliche Weise erzählt. „Ich, der Alki – eine wahre Geschichte von nebenan“ lautete der Titel des jährlichen Themenabends der Kolpingfamilie Altharen.

Das Publikum hört gespannt zu, als die zwei Vortragenden Anekdoten aus ihrem Leben zum Besten geben. Die Geschichten sind lustig und es wird gelacht, doch gleichzeitig ist allen klar, wie ernst das Thema ist. Hakenholt zum Beispiel erzählt, wie er eine Zeit lang leere Bierdosen im Keller hinter Spanplatten versteckt gehalten hatte, bis ihn eines Tages seine Frau bei der Arbeit anrief und mitteilte: „Herbert, der Keller steht unter Wasser!“ Schlimmes ahnend fand er zuhause tatsächlich das Befürchtete vor: Im Keller trieben unzählige Bierdosen auf den Wassermassen und sein Versteck war aufgeflogen.

Wo fängt Sucht eigentlich an? Diese Frage kommt aus dem Publikum und wird von insgesamt drei Anwesenden, die sich selbst offen als trockene Alkoholiker bezeichnen, versucht zu beantworten: „Da, wo Freiheit aufhört!“ Damit ist gemeint, dass von einer krankhaften Sucht gesprochen werden kann, sobald das Trinken ein Zwang ist und man sich nicht mehr in der Lage sieht, selbst den Zeitpunkt des Aufhörens zu bestimmen.

„Zuerst muss man es wollen“

Doch wie entkommt man der Sucht, wenn man sich sein Problem eingestanden hat? Für Hakenholt und Hinrichs war der Verein Freundeskreis Emsland die nötige Hilfe zum Ausstieg. Doch „zuerst muss man es wollen“, da sind sie sich einig. „Um da raus zu kommen, musst du erst ganz unten sein!“: Das ist an diesem Abend immer wieder zu hören.

(Weiterlesen: Experten aus GMHütte über Alkoholsucht)

Auch, dass nicht nur die Betroffenen selbst sich das Problem lange Zeit nicht eingestehen: Selbst engste Angehörige, Ehepartner und sogar Ärzte halten eine Alkoholabhängigkeit für unmöglich. „SIE sind doch kein Alkoholiker – sie haben ihr Leben doch im Griff!“, das hört Herbert von mehreren Ärzten. Dass jedoch auch erfolgreiche Menschen Suchtprobleme entwickeln können, ist spätestens nach den jüngsten Bekenntnissen des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz kein Geheimnis mehr.

Hilfe zur Selbsthilfe als Erfolgsrezept

Die Selbsthilfe sehen Hakenholt und Hinrichs nicht nur darum als so erfolgreich, weil sie ihnen persönlich geholfen hat, sondern vor allem, weil sie aus eigener Erfahrung wissen, dass man sich helfen lassen wollen muss, um die Sucht zu besiegen. Erzwungene Therapien reichen an diesem Abend eher für Anekdoten als für Erfolgsgeschichten.

So erzählt Hakenholt zum Beispiel, dass seine erste Entgiftung an einem Kirmesmontag im damaligen Harener Krankenhaus gegenüber von Witte stattfand. Den Absprung schaffte er erst, als Scheidung und Hausverkauf beinahe erledigt waren. Nach einigen Wochen exzessiven Trinkens steckte er plötzlich mitten im kalten Entzug und ließ sich einweisen: „Im Fahrstuhl ist für mich die Entscheidung gefallen: Es gibt ein Leben ohne Alkohol.“ Nach diesem Krankenhausaufenthalt besuchte er ein Treffen des Freundeskreises – und blieb dabei.

Mutige Offenheit

20 Jahre sind seitdem vergangen und heute engagiert sich Herbert Hakenholt, der zusätzlich Mitglied der Kolpingsfamilie Altharen ist, selbst im Verein Freundeskreis Emsland. Wie auch Alfred Hinrichs, der für die Ortsgruppe Haren zuständig ist, spricht er mit Betroffenen und Co-Abhängigen und versucht, das Tabuthema Alkoholsucht in die Öffentlichkeit zu bringen, damit Suchtkranken schneller geholfen werden kann. Am Ende der Berichte bedankten sich Maria Klene und Josef Gebbeken vom Vorstand der Kolpingfamilie Altharen mit Präsenten bei den Vortragenden für ihre erfrischende, aber vor allem auch mutige Offenheit.


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