01.12.2016, 10:49 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Serie „Mein Job und ich“ Harener Bestatterin über lustige Gespräche und Leichenwagen


Haren. Eine Bestatterin trägt immer nur Schwarz, fährt immer mit dem Leichenwagen herum und lacht in Trauergesprächen. Eines dieser drei Dinge trifft zu; warum das gerade gut ist, erzählt die Harener Bestatterin Simone Rohling in unserer Serie „Mein Job und ich“.

Sie fahren den ganzen Tag in einem schwarzen Wagen mit einer Leiche herum und haben keinen Spaß. Stimmt das?

Unser Leichenwagen ist bewusst nicht schwarz, sondern braun-metallic. Wir gehen zwar in gedeckter Kleidung, aber nicht immer tiefschwarz zu den Angehörigen. Früher war der Tod gruselig, heute gehört er zum Leben dazu und das wird oft deutlich.

Wie äußert sich diese Veränderung?

Bis vor einigen Jahren waren Traueranzeigen immer mit einem schwarzen Kreuz versehen und einem schwarzen Balken umrahmt. Das wird alles ein bisschen lebendiger, mit Rosen, Lilien, Bäumen. Alles ein bisschen bunter und freundlicher gestaltet. Ich sage auch immer zu den Angehörigen, dass sie mit ihren Kindern reden sollen und auch über den Tod sprechen können. Nur so lernen sie, später besser mit dem Thema umzugehen.

Also reden Sie in Trauergesprächen vor Kindern genau so offen wie vor Erwachsenen?

Das kommt immer darauf an. Meistens mache ich es davon abhängig, ob sie schon zur Kommunion gekommen sind. Denn im Kommunionunterricht behandeln sie das Thema ganz offen. Meine Erklärung ist ebenfalls katholisch geprägt. Ich sage immer, die Seele geht in den Himmel und wir begraben hier nur noch die Hülle.

Sind Sie bei jeder Beerdigung dabei?

Ja.

Wir leben auf dem Land. Man kennt sich, wie gehen Sie damit um, wenn Ihnen Leute sehr nahe gestanden haben?

Fast so professionell, als wenn ich die Leute nicht kenne. Es liegt aber auch an den Umständen, wie jemand gestorben ist. In dem Moment bin ich die professionelle Person und darf nicht in den Seilen hängen, ich muss den klaren Kopf bewahren. Ich kann die Trauer und das Schicksal nicht nehmen. Ich kann die Angehörigen nur an die Hand nehmen und in die richtige Richtung führen.

Und wenn Sie doch traurig werden und die Gedanken abends nicht loswerden?

Manchmal passiert das, aber auch hier gibt es keinen Leitfaden. Es gibt auch Trauerfälle, die ich gar nicht kannte und ich hänge trotzdem daran. Das hat etwas mit den Geschichten der Angehörigen zu tun. Man weiß so viel über die Person, weil die Angehörigen viel von sich preisgeben, was sonst nie an die Öffentlichkeit gekommen ist. Aber wir sind eine Familie, die immer zusammenhält und dann setzen wir uns zusammen, sprechen über Probleme und helfen uns gegenseitig.

Wie stumpft man bei so viel Leid nicht ab?

Ich stumpfe nicht ab, weil jeder Tod individuell ist. Manchmal stirbt eine 90-Jährige und man denkt, es ist, vorsichtig gesagt, ein Routinefall. Und dann betritt man das Haus der Angehörigen. Jeder reagiert anders, jeder Mensch war anders. Darum gibt es keine Routine.

Gibt es auch Leute, die in Trauergesprächen viel lachen?

Klingt zwar komisch, aber ja. Wenn Storys über Oma oder Opa erzählt werden und was sie früher angestellt haben, muss man natürlich auch schmunzeln und lachen. Ich versuche mir ja auch ein Bild über den Verstorbenen zu machen, um die Beerdigung passend zu gestalten.

Sie kümmern sich also um das Organisatorische, bereiten Sie auch die Verstorbenen vor?

Nein, das machen meist die Männer.

Und wo werden sie vorbereitet?

Die Leichenhallen haben einen bestimmten Bereich und wenn sie zum Beispiel im Pflegeheim sterben, bereiten wir sie dort vor. Im Krankenhaus gibt es auch immer viel Platz und die Krankenschwestern helfen uns. Sie sind die wahren Schätze, denn sie begleiten die Verstorbenen. Wir kommen erst, wenn alles vorbei ist.

Warum ist das ein Traumberuf für Sie?

Ich habe mit so unterschiedlichen Menschen zu tun. Ich komme mit allen Menschen zusammen. Manche haben acht oder neun Kinder und zwei zu Grabe getragen, andere sind Millionäre und kannten bisher kein Leid. Wieder andere sind Hartz-IV-Empfänger und geben alles, um die letzten Wünsche erfüllen zu können. Das ist spannend, und bei allen weiß ich, ich habe ihnen in einer schweren Zeit geholfen und einen Teil der Last abgenommen. Das zeigen die vielen Dankesbriefe oder kleinen Geschenke wie Obst aus dem Garten, selbst gemachte Plätzchen oder Marmelade. Das alles ist schöner als die Arbeit in einem Büro. (Lesen Sie auch diese Folge von "Mein Job und ich: Haselünner Schulleiter über Handys und kuriose Antworten")


Zur Person:

Simone Rohling ist gebürtige Harenerin und arbeitet im Familienunternehmen Bernhard Rohling Bestattungen mit Sitz in der Schifferstadt im Emsland. Sie führt das Unternehmen zusammen mit ihrem Bruder Bernd Rohling in dritter Generation.

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