06.12.2015, 15:30 Uhr

Kritik am teuren Schulweg Harener Gymnasiasten brauchen zwei Tickets für Bus

Zwölftklässler Sebastian Schulte (links) hatte sich für den November eine Monatskarte gelöst. Seinem Mitschüler Manuel Stroot reichte eine Neunerkarte. Damit können sie morgens und mittags Busfahren. Die Extrakarte für den Bus am Nachmittag besitzen beide nicht. Es lohne sich nicht, beide Karten zu bezahlen, finden sie. Foto: Lorena DreusickeZwölftklässler Sebastian Schulte (links) hatte sich für den November eine Monatskarte gelöst. Seinem Mitschüler Manuel Stroot reichte eine Neunerkarte. Damit können sie morgens und mittags Busfahren. Die Extrakarte für den Bus am Nachmittag besitzen beide nicht. Es lohne sich nicht, beide Karten zu bezahlen, finden sie. Foto: Lorena Dreusicke

Haren. Einige Schüler der Oberstufe brauchen momentan zwei Monatskarten, um mit dem Bus zum Gymnasium in Haren und heimzufahren. Eine Karte für die Fahrten morgens und mittags und eine weitere für nachmittags, weil dann ein anderer Betreiber in die Randgebiete fährt. Schüler und Eltern finden das zu teuer. Sie und die Schule fragten bei Busbetreiber und Landkreis nach, wie das sein kann.

  • Der Landkreis Emsland finanziert Schülern nur bis zur zehnten Klasse die Busfahrten zur Schule.
  • Die meisten Oberstufenschüler am Gymnasium Haren kaufen daher eine Monatskarte.
  • Das Busunternehmen, das nachmittags ins Umland fährt, verlangt ein weiteres Ticket.
  • Demnach wären insgesamt pro Schüler und Monat 66,75 Euro fällig.
  • Laut Landkreis ist das satzungsgemäß, weil es einmal um den Linienverkehr und einmal um den Freistellungsverkehr geht.

Die Schülerbeförderung in Haren übernehmen zwei Busbetreiber. Morgens und mittags benutzen die Schüler den öffentlichen Linienverkehr der Firma Levelink. Nachmittags fährt Levelink manche Ziele außerhalb der Hauptlinien nicht mehr an. Die Emsländische Eisenbahn (EEB), die für den Landkreis die Schülerbeförderung organisiert, beauftragt daher für die Nachmittagsfahrten ein Subunternehmen.

Kein Anspruchsrecht mehr

Momentan fährt das Reiseunternehmen Gravelaar die abgelegenen Ziele an und verlangt dafür von den Oberstufenschülern eine zusätzliche Fahrkarte. „Wir sollen als Erlaubnisgebühr ungefähr 25 Euro zahlen“, sagte Sebastian Schulte aus Wesuwe-Siedlung. Er ist Zwölftklässler am Harener Gymnasium. Sein Mitschüler Manuel Stroot wohnt in Wesuwermoor und teilt das Problem. „Ich denke, das betrifft auch Schüler aus Rütenbrock und Altenberge“, sagte Stroot. Insgesamt müssten 15 bis 20 Schüler des Gymnasiums für die Nachtmittagsfahrten ein zweites Ticket lösen, was sie zu teuer finden.

Schulleiter-Vertreter Christian Rinné betonte: „Wir als Schule haben alles getan, was in unserer Macht steht.“ Das Gymnasium habe die EEB und den Landkreis auf die Situation mehrmals angesprochen. Von dort hieße es, man könne nichts machen. Denn laut Satzung zur Schülerbeförderung des Landkreises haben Schüler nur bis zur zehnten Klasse Anspruch auf eine kostenlose Beförderung. Die Elft- und Zwölftklässler müssen für ihre Bustickets selber aufkommen.

Schüler boykottieren zweites Ticket

Für ihre Schülermonatskarte zahlen Schulte und Stroot nach dem Tarif Emsland Mitte-Nord 44,50 Euro an die Firma Levelink. Manchmal besorgen sie sich nur ein günstigeres Neun-Fahrten-Ticket. Die verlangte zusätzliche Karte für den Nachmittagsbus habe bislang keiner der Mitschüler gekauft. „Wir stellen uns quer, weil das zu teuer ist. Unsere Eltern fahren uns, wir nehmen das Rad oder bilden Fahrgemeinschaften“, berichtete Stroot. „Wir haben zwei Mal die Woche nachmittags Unterricht und der fällt manchmal aus. Da wäre es logischer Einzelfahrten zu bezahlen, aber das wird nicht angeboten.“

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Auf MT-Anfrage teilte die Firma Gravelaar nur mit: „Ich bin ein reiner Auftragnehmer.“ Demnach erhält er einen Pauschalbetrag von der EEB und bietet dafür den Freistellungsverkehr am Nachmittag an. Bei dieser zusätzlichen Schulbuslinie gelte das Prinzip der Mitnahme Dritter, erklärte eine Sprecherin des Landkreises. Demnach dürfen Schüler ab der elften Klasse mitfahren, sofern die Fahrten angeboten werden und Plätze frei sind.

Prinzip der Großzügigkeit

„Es ist reine Kulanz des jeweiligen Unternehmens, dass sie im Freistellungsverkehr mitfahren können“, betonte die Sprecherin. Um mitzufahren, müssten die Schüler eine „anteilige Fahrkarte“ kaufen, deren Preis Gravelaar auf 22,25 Euro pro Monat festgelegt habe. Dabei ginge dieser Betrag nicht an Gravelaar, sondern an die EEB beziehungsweise den Landkreis, der die Busse der EEB finanziert.

Dem Landkreis zufolge sei diese Regelung nicht neu. Dass die Schüler bisher keine zusätzliche Karte kaufen mussten, lag an der Nachsichtigkeit des Vorgänger-Unternehmens, die Taxi-Firma Rolfes. Sie teilte mit: „Wir haben keine Listen der fahrtberechtigten Schüler geführt, sondern alle befördert.“


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