21.11.2016, 13:54 Uhr

Rund 200 Stunden für eine Pyramide Hagener stellt seine weihnachtlichen Kunstwerke aus

Manfred Heinsch an seinem wichtigsten Arbeitsgerät: Mit der Dekupiersäge hat er all die kleinen und großen weihnachtlichen Kunstwerke ausgeschnitten, von denen ein Teil im Hintergrund zu sehen sind. Foto: Werner BarthelManfred Heinsch an seinem wichtigsten Arbeitsgerät: Mit der Dekupiersäge hat er all die kleinen und großen weihnachtlichen Kunstwerke ausgeschnitten, von denen ein Teil im Hintergrund zu sehen sind. Foto: Werner Barthel

Hagen. Es ist eine tolle Idee, die Ehemalige Kirche in den Nussknackermarkt einzubeziehen. So werden viele Besucher am kommenden Wochenende nicht nur an den Buden und Ständen vor dem Portal verweilen. Am Freitag, 25. November, wird der Nussknackermarkt durch Bürgermeister Peter Gausmann eröffnet.

Die Besucher werden so wie selbstverständlich den Krippen einiger Hagener Familien und den weihnachtlichen Pyramiden, Lichterbögen und vielen anderen Basteleien von Manfred Heinsch im Innern der Kirche einen Besuch abstatten. Seine kleinen Kunstwerke füllen den gesamten Altarraum.

„Von Januar bis April habe ich in diesem Jahr ausschließlich Christbaumanhänger aus 1,5 Millimeter Sperrholz gefertigt“, erzählt Manfred Heinsch, „die übrigen Monate säge und feile ich Nikoläuse, Pyramiden und Lichterbögen.“ Dass der Hagener so viel Zeit für die Baumanhänger verbringt, hat einen besonderen Grund: „Mit dem Erlös aus dem Verkauf dieses Weihnachtsbaumschmucks unterstütze ich die Aktion Kinder von Tschernobyl. Das Geld ist für die medizinische Versorgung der Jüngsten aus den verstrahlten Gebieten Russlands bestimmt.“ Dabei geht es vor allem um die Verbesserung der lebensentscheidenden Früherkennung und Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen.

Nüchterne Zahlen

Wie sehr ihm diese Hilfe am Herzen liegt, verrät auch eine nüchterne Zahl: Seit zwölf Jahren nehmen Monika und Manfred Heinsch vier Wochen lang Kinder aus Tschernobyl auf. Nur wenige von ihnen beherrschen die deutsche Sprache so weit, dass man sich mit ihnen verständigen kann. „Aber immer wieder sind einige unter ihnen, mit denen wir ohne große Probleme Deutsch sprechen können. Mit ihnen halten wir auch dauerhaften Kontakt.“ Sonntag für Sonntag gehen so Nachrichten und Grußbotschaften von Deutschland nach Weißrussland und umgekehrt.

Hilfe leisten

Diese Hilfe leisten zu können, ist das eine Motiv für Manfred Heinsch Basteleien. Ein anderes geht auf Kindheitstage zurück: „Mit einfachen Laubsägearbeiten hat alles vor 35 Jahren angefangen“, sagt er, „dann hat mich die Beschäftigung mit diesen filigranen Werken immer mehr gefesselt und bis heute nicht mehr losgelassen.“ So verbringt er im Frühjahr und im Winter viel Zeit in seiner Werkstatt. Hier vergisst alles um sich her und konzentriert sich ausschließlich auf seinen Weihnachtsschmuck.

Unverwechselbare Nikoläuse

Dazu gehören unter anderem auch die unverwechselbaren Nikoläuse. Es gibt sie in vielen Variationen: Der Kleinste misst gerade mal drei Zentimeter. „Um alle Teile passgenau auszuschneiden, damit sie später exakt ineinander passen, muss ich eine Lupe zu Hilfe nehmen.“ Der Größte bringt es immerhin auf 35 Zentimetern. Ganz neu in seinem Repertoire sind die rot lackierten Elche, für die Ehefrau Monika die farbenfrohen Schals strickt.

Elektronisch gesteuerte Dekupiersäge

Das wichtigste Werkzeug des 73-Jährigen ist eine elektronisch gesteuerte Dekupiersäge. Sie nimmt den gesamten Mittelteil seiner Werkstatt ein. Mit ihren 0,2 bis 0, 6 dünnen Sägeblättern bietet sie einer geschickten Hand die Möglichkeit, die kleinen Kunstwerke in einem Stück aus dem Sperrholz auszusägen. „Sie war anfangs sehr laut und hat das ganze Haus in Schwingung versetzt“, erzählt er, „bis ich ihr die Macken mit Schwingungsdämpfern aus Gummi und Absaugrohren abgewöhnt habe, die gleichzeitig die Reste beim Sägen aufnehmen.“

Ausgeglichene Thermik

Wer sich für weihnachtlichen Schmuck wie zum Beispiel der Pyramide interessiert, muss auch auf eine ausgeglichene Thermik Wert legen. Heinsch: „Nicht zu kalt, aber auch nicht zu warm sollte der Raum sein, in dem sich so ein hölzernes Bauwerk drehen soll.“ Zugluft verträgt sie gar nicht, da die Kerzenflammen dem dünnen Sperrholz dann gefährlich nahe kommen. Auch müssen die einzelnen Etagen genau winklig zueinander stehen, damit sich die Pyramide problemlos drehen kann.

200 Stunden Arbeit

Die Stunden, die er bis zur Fertigstellung einer Weihnachtspyramide verbringt, kann er nicht zählen. „Das ist mir auch völlig egal. Dafür bin ich mit zuviel Herzblut bei der Sache.“ Mit Sicherheit sind es an die 200 Stunden, die zum Beispiel beim Bau einer Pyramide vonnöten sind. „Allein schon die kleinen verzierenden Balustraden für die einzelnen Etagen auszusägen, kostet Zeit.“ Ungezählt blieben auch die Stunden, die ihn seine größte Pyramide gekostet hat, die auch in der Ehemaligen Kirche zu bewundern sein wird. Er hat sie 1988 nach eigenen Vorstellungen gebaut und verkauft. Sie ist stolze 2,30 Meter hoch. Die Spannbreite ihre Flügel beträgt 1,30 Meter. „Mein absolutes Highlight ist allerdings jene Pyramide, die von einem Künstler aus dem Sauerland gefertigt wurde. Es gibt nur acht Stück von ihnen.“ Eine von ihnen hat eine Hagener erworben und für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.


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