22.06.2011, 14:39 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Ralf Krause fängt in St. Martinus an Früherer evangelischer Pastor wird Kaplan in Hagen

Neuling: Ralf Krause war evangelischer Pastor und wird Kaplan der katholischen Gemeinde St. Martinus Hagen. Foto: Michael SchiffbänkerNeuling: Ralf Krause war evangelischer Pastor und wird Kaplan der katholischen Gemeinde St. Martinus Hagen. Foto: Michael Schiffbänker

Hagen/Twistringen. Ralf Krause war zuletzt Diakon in Twistringen und tritt im August die Stelle des Kaplans der katholischen St.-Martinus-Gemeinde in Hagen an. Dabei war er schon einmal Pastor. Allerdings in einer evangelischen Gemeinde.

Einmal ist es Ralf Krause doch rausgerutscht, das „Uns“ an unpassender Stelle. Er hatte einen Unterschied nennen wollen zwischen katholischen Gemeinden und evangelischen. Die offenen Kirchen bei den Katholiken, hat er gesagt, die gefielen ihm. „Das ist bei uns nicht üblich“, hat er gesagt. Dann hat er gestockt. „Hab ich gerade ‚uns‘ gesagt?“ Er lacht. Dieses „uns“ gibt es nicht mehr für Krause. Er ist jetzt selbst einer von denen mit den offenen Kirchen.

Krause war 16 Jahre lang Pastor eines evangelisch-freikirchlichen Gemeindeverbundes im ostwestfälischen Bünde. 2007 wird er Katholik, arbeitet mit einer halben Stelle als Pastoralreferent in Emsbüren und promoviert gleichzeitig in Münster zum Lizenziaten der Theologie. In seiner Abschlussarbeit geht es um die Spiritualität des Ablasses. Ein Thema aus der Zeit, als sich die Kirche spaltete. Es lässt ihn nicht los, dieses Auseinanderdriften. Eine sehr persönliche Geschichte sei das, sagt Krause. Seine Geschichte eben.

Er sei immer schon ein Suchender gewesen, berichtet er. Einer, der den Glauben spürte, aber nicht wusste, wohin damit. Krause studiert evangelische Theologie in Basel und Münster. Er wird Vikar. Aber schon in der ersten Woche im Amt ist sie da, die Unsicherheit. Das soll es jetzt gewesen sein?, fragt er sich. Sie lässt ihn nicht mehr los, die Ungewissheit. Er liebt seinen Beruf und seine Gemeinde, er predigt mit Leidenschaft, aber das Sehnen bleibt. Etwas fehlt, doch was es ist, weiß er nicht.

Krause sitzt in der Sakristei der St.-Anna-Kirche zu Twistringen, während er das erzählt. Wenn er von früher spricht, schaut er manchmal für einige Sekunden nach links oben über die Tür. Aber da ist nur weiße Wand.

Dann kommt das Fronleichnamsfest 1994 und mit ihm das Begreifen. Er beobachtet die Prozession in einer katholischen Nachbargemeinde. Danach ist nichts mehr wie zuvor. Es sei wie ein Stück Himmel auf Erden gewesen, sagt Krause: das Abschlusslied, das die große Kirche erfüllte, das rasselnde Klingen der Schellen, die Farbenpracht, die Gewänder, das Brausen der Orgel, der Weihrauchnebel. Ein Gefühl wie Weihnachten – nur im Frühsommer „Das hört sich ganz schön pathetisch an“, sagt Krause und lacht ein leises, vibrierendes Lachen mit einem Glucksen darin.

Zum ersten Mal merkt er, was ihm fehlt: „Die Wortzentriertheit evangelischer Gottesdienste reicht nicht aus, um die Fülle des Glaubens darzustellen.“ In den folgenden Jahren arbeitet er sich durch den Katechismus, besucht katholische Messen. Nach einem Gespräch mit Bischof Franz-Josef Bode steht für ihn fest: Die Suche ist zu Ende. Ein Jahr später ist er Katholik.

„Verräter“ nennen ihn manche in seiner früheren Gemeinde, einer sagt: „Möge Gott Ihnen die Gnade geben, spätestens am Sterbebett zu bereuen.“ Freundschaften brechen. Es trifft ihn. Doch andere stützen ihn, kommen zu seiner Firmung und zu seiner Priesterweihe.

Nun geht es für den 46-Jährigen nach Hagen. Einer, der sich auf ihn freut, ist Pfarrer Josef Ahrens. Der sitzt im Osnabrücker Dom, als Krause am Pfingstfest zum Priester geweiht wird. Schließlich wolle er wissen, ob sein neuer Kaplan singen kann, sagt Ahrens mit einem Schmunzeln. Und? „Ich habe einen sehr, sehr positiven Eindruck gewonnen“, sagt Ahrens. Krause werde die Gemeinde beschenken, gerade wenn es um die Ökumene gehe.

Die Ökumene – sie ist fest in Krauses Lebensgeschichte verwoben. Gerade jetzt, in diesem neuen „Uns“.


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