24.11.2016, 14:13 Uhr

Keine närrische Vereinsstruktur Geld der Gemeinde für Glandorfer Karneval?

Tierisch gut drauf war der „St.-Johannis-Kindergarten“ mit einem seiner Themenwagen beim Glandorfer Rosenmontagsumzug. Archivfoto: Anne SpielmeyerTierisch gut drauf war der „St.-Johannis-Kindergarten“ mit einem seiner Themenwagen beim Glandorfer Rosenmontagsumzug. Archivfoto: Anne Spielmeyer

Glandorf. Karneval gehört zu Glandorf wie Kamelle auf die Themenwagen. Allerdings: Alles hat seinen Preis. Wie viel Geld die Gemeinde in Zukunft dem närrischen Volk überlässt, diskutierten die Mitglieder des Sozialausschusses.

Seit 30 Jahren heißt es nun an jedem Rosenmontag in Glandorf: Kamelle und Helau. Doch während in den meisten Städten und Gemeinden die Umzüge unter der Federführung von Karnevalsvereinen steht, ist dies in Glandorf anders. 15 Gruppen finden sich im Durchschnitt Jahr für Jahr, die unter Eigenregie Wagen bauen. „Es wird immer schwerer diese Veranstaltung im gewohnten Umfang auf die Beine zu stellen“, so Paul Harwerth, der seit fünf Jahren den Zug organisiert. Denn die Karnevalswagen werden von den Wagenbauern zum großen Teil selbst finanziert. Zum Teil ist das eine Herausforderung. Gerade für jüngere Teilnehmer ohne festes Einkommen sei das nicht immer einfach. Zwar greifen die Organisatoren mit Sponsorengeldern aus dem „Schwein“ unter die Arme, wo sie nur können. Doch das Geld reicht nicht. Paul Harwerth bittet daher die Gemeinde um einen Zuschuss von 2000 Euro.

Närrische Organisationsstruktur

Die Ratsmitglieder stehen dem Ansinnen nicht negativ gegenüber. „Grundsätzlich sind wir schon der Meinung, dass der Karneval für Glandorf eine gute Sache ist“, sagt Edeltraud Erpenbeck von der UWG. Und doch sehen die Ratsmitglieder das Anliegen von Paul Harwerth auch kritisch. Das Kernproblem: Die Gruppen, die die Wagen bauen, sind meistens Privatinitiativen und diesen ist in den vergangenen 15 Jahren grundsätzlich kein Zuschuss gegeben worden. Es handelt sich nach Auffassung der Ausschussmitglieder also um einen Präzedenzfall. „Da muss man schon genau hinsehen: Wo fängt es an, wo hört es auf“, fragt Sebastian Gottlöber (UWG). Würde man einmal damit anfangen Privatleute zu unterstützen, sei es schwierig anderen das Geld zu verweigern. „Gebt dem ganzen Karneval eine Struktur“, so der UWG-Politiker. Denn dann könnten die Wagenbauer gefördert werden, wie andere Vereine auch. Die anderen Ausschussmitglieder stimmen dem Vorschlag zu. Ob die Glandorfer Narren sich jedoch in einem Verein organisieren möchten, ist fraglich. „Wenn kein Verein, dann vielleicht eine Arbeitsgemeinschaft“, schlägt Gottlöber vor.

Glandorfer Kirmes

Der Leiter des Ordnungsamtes sieht den fehlenden Organisationsgrad des Karnevals hingegen weniger kritisch. „Wir fördern auch andere Geschichten“, sagt er. Als Beispiel nennt er die Glandorfer Kirmes . Um sie attraktiver gestalten zu können, schießt die Gemeinde jährlich 1500 Euro zu. Genauso könnte dies nach Ansicht der Verwaltung auch bei dem Glandorfer Karneval geschehen.

Wo fließt das Geld hin?

Doch nicht nur dieser Punkt gibt Anlass für Bedenken. „Es ist nicht klar, wie bedürftig der Karneval genau ist und wo das Geld hinfließen würde“, sagt Karsten Jochmann von der SPD. Auch die UWG sieht dies kritisch: „Es müsste vorher genau geklärt werden, wie das Geld verteilt wird“, sagt Edeltraud Erpenbeck. Auch Rechnungen und Belege wären interessant. „Man könnte auch von vorneherein Geld für einen bestimmten Zweck geben. Zum Beispiel für die Kamelle“, schlägt Mathias Lehmkuhle von der CDU vor – oder für Versicherungen und TÜV. Mehr aus Glandorf im Netz

Ablehnen wollen die Ausschussmitglieder das Ansinnen der Glandorfer Narren jedoch noch nicht. Statt dessen wurde die Entscheidung vertagt und die Verwaltung mit Paul Harwerth Gespräche weitere Gespräche führen, dann entscheidet der Rat erneut.


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