02.08.2016, 09:39 Uhr

Zukunft des Standorts Stahlwerk GMHütte investiert bis 2018 mehr als 70 Millionen

Die Stranggussanlage im Stahlwerk Georgsmarienhütte wird bis 2018 für mehr als 70 Millionen Euro modernisiert. Foto: Stahlwerk/Oliver PrachtDie Stranggussanlage im Stahlwerk Georgsmarienhütte wird bis 2018 für mehr als 70 Millionen Euro modernisiert. Foto: Stahlwerk/Oliver Pracht

Georgsmarienhütte. Das Stahlwerk Georgsmarienhütte investiert bis 2018 am Standort mehr als 70 Millionen Euro in eine neue Stranggießanlage.

„Stahl aus Georgsmarienhütte – Garant für Mobilität heute und in Zukunft“ lautete am Samstag zum 160-jährigen Bestehen des Stahlwerks der Titel des Festvortrags von Frank Koch, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Georgsmarienhütte GmbH. Er verzichtete in seiner Rede darauf, auf die Geschichte des Stahlstandorts einzugehen, sondern präsentierte den Teilnehmern der kleinen Festveranstaltung im Kasinosaal einen Einblick „in Gegenwart und Zukunft der Georgsmarienhütte GmbH“ , von der mehr als „1350 Menschen und über die Region hinaus etliche weitere Arbeitsplätze indirekt abhängen“.

Stahlwerk einziges Klimaschutzunternehmen der Branche

Die aktuelle Situation am Stahlstandort Deutschland: Deutschland sei heute der siebtgrößte Stahlerzeuger der Welt und nehme in der EU den Spitzenplatz vor Italien und Frankreich ein, so Koch „Rund 4 Millionen Arbeitsplätze in der deutschen Industrie sind stahlintensiv und ein Großteil des deutschen Exportüberschusses entfällt auf stahlintensive Güter, wenn man auf die Industrieerzeugnisse „Made in Germany“ blickt“, führte er aus. Zurzeit befinde sich die deutsche Stahlindustrie in einer schwierigen Lage, da nach der Wirtschaftskrise von 2009 die Kapazitätsauslastung deutlich zugenommen habe, die Umsätze jedoch zurückgegangen seien. Der Aufsichtsratsvorsitzende: „Die Georgsmarienhütte GmbH behauptet sich erfolgreich in diesem schwierigen Marktumfeld, denn es werden frühzeitig geeignete Maßnahmen ergriffen, um durch kreative Lösungen dem immer weiter zunehmenden Wettbewerbsdruck entgegenzuwirken.“

Der Wettbewerb, in dem das Stahlwerk steht: Zwei Drittel der deutschen Stahlproduktion entfallen nach Kochs Ausführungen auf sogenannte Flacherzeugnisse, beispielsweise werden daraus Autobleche. Große Namen seien hier beispielsweise Thyssen-Krupp, AcelorMittal oder die niedersächsische Salzgitter AG. Das verbleibende Drittel entfalle auf das Produktsegment des Langstahls – der Bereich, in dem sich sie Hütte tummle. Hier stehe sie im Wettbewerb vornehmlich mit deutschen Produzenten aus dem Saarland, dem Ruhrgebiet und Bayern. Aber auch in Europa, also in Frankreich, Italien, Spanien und zunehmend Russland sowie in der chinenischen Stahlindustrie wachse der Trend, sich den hoch spezialisierten Güten des Langstahles zu widmen, um in preislich attraktivere Regionen vorzustoßen.

Die Entwicklungsperspektiven der Georgsmarienhütte GmbH: „Ein Beschäftigungswachstum wird es am Standort nicht geben können, denn alle Investitionen, die wir tätigen, zahlen ein auf Produktivitätssteigerungen“, führte der Aufsichtsvorsitzende aus. „Intelligente Fertigung“ heiße für die Hütte, dass Kunden partnerschaftlich durch Neuentwicklungen unterstützt werden. Am Standort in GMHütte sei deshalb neueste Anlagentechnik im Einsatz, die eine Fertigung auf engste Durchmesser-, Längen- und Gewichtstoleranzen erlaube – bis hin zum versandfertigen Werkstück. „Maximale Performance, minimales Gewicht“ laute das Motto, nachdem für die Kunden Stähle, die leichter, präziser, langlebiger und wirtschaftlicher sind, entwickelt würden. Koch: „Gott sei Dank ist das Entwicklungspotential für den Leichtbau beim Werkstoff Stahl noch lange nicht ausgeschöpft. Hier ist noch eine Menge ,Musik drin‘.“

Die geplanten Investitionen: Die aktuelle Kommunikationskampagne der Georgsmarienhütte GmbH beinhalte den „sehr schönen“ Satz: „Wir haben keinen Stahl auf Lager, sondern Ideen, Know-how und Leidenschaft“. Mit diesem Dreiklang gehe das Werk auch die aktuelle große Investition an: Im Herzstück des Unternehmens werde innerhalb von drei Jahren die Stranggießanlage modernisiert, in die mehr als 70 Millionen Euro investiert werden. Das sei ein Beleg dafür, dass Gesellschafterfamilie, Management sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Zukunft des Standortes glaubten und von der Hütte überzeugt seien.

Der Punkt der Ressourceneffizienz: Eine bessere Umweltbilanz sei ein Kernanliegen der deutschen Stahlwerke – natürlich auch, um Kostenvorteile zu generieren, wie Koch ausführte. So werde seit Jahren auf ökologisch vorteilhafte Verkehrsträger wie die Bahn gesetzt, und die Georgsmarienhütte schicke mehr als ein Drittel ihrer Gesamtversandmenge von immerhin rund 800000 Tonnen jährlich über die Gleise in die Märkte. Natürlich sei das Stahlwerk Georgsmarienhütte einer der größten CO2-Emittenten der Region, aber: „Pro Tonne Stahl wird heute rund ein Fünftel weniger Kohlendioxyd ausgestoßen, als noch vor 20 Jahren.“ In Sachen Umweltbilanz sei die Georgsmarienhütte GmbH international Vorreiter. Koch: „Die Georgsmarienhütte GmbH ist das weltweit einzige Stahlwerk, dass zum Klimaschutzunternehmen ernannt wurde.“ Weitgehend unbekannt sei auch, dass die deutsche Stahlindustrie insgesamt schon heute die Hälfte ihres gesamten Stromverbrauches nachhaltig mit selbsterzeugtem Strom aus der Verbundwirtschaft decke.

Koch: Automobilindustrie bleibt Hauptansprechpartner

So stellt sich das Stahlwerk künftig auf: Das Unternehmen setzt hier verstärkt auf die Synergien der GMH-Gruppe mit ihren mehr als 30 Unternehmen. Koch: „Wir sind auf dem Weg, uns stärker zu vernetzen und gemeinsame Vorteile dort zu heben, wo sich dies anbietet. Die Georgsmarienhütte selbst wird sich noch stärker auf Verbesserungen und Innovationen konzentrieren, um dem Kunden noch mehr Exzellenz zu liefern.“ Stahl aus Georgsmarienhütte komme über überall dort zu Einsatz, wo die Belastung am größten sei. Die Stähle hielten ein Auto in Bewegung, da die Kunden des Stahlwerks zum Beispiel Kurbelwellen, Pleuel, Nockenwellen, Antriebswellen, Getriebeteile oder Fahrwerksteile aus den Vorprodukten fertigten. Neben der Versorgung der Automobilindustrie und ihrer Zulieferer werde Stahl aus Georgsmarienhütte für Ketten, Maschinenbauteile und Hydraulikkomponenten sowie Rohblöcke für Freiformschmieden verwendet. Der Aufsichtsratsvorsitzende: „Legte man alle jährlich auf der Hütte hergestellten Stabstähle einmal hintereinander, so ergäbe sich eine Strecke, die in etwa so lang ist, wie der Äquator.“

Die Georgsmarienhütte und ihr Hauptkunde Autoindustrie: „Die deutsche Automobilindustrie bleibt unser Hauptansprechpartner, selbst wenn der gesellschaftliche Wandel in den westlichen Ländern Europas den Stellenwert des Autos neu definiert“, führte Koch aus. Heute seien Smartphone, Tablet und Co. für viele junge Menschen deutlich attraktiver, als der fahrbare Untersatz, und da es immer mehr junge Menschen in die Ballungszentren ziehe, werde dieser Trend sich auch noch verstärken. Für Koch die gute Nachricht: „Die deutsche Automobilindustrie hat darauf längst reagiert. Drei von vier PKW aus deutscher Produktion werden bereits im Ausland verkauft. Und für diesen Standort ganz wichtig: Stahl aus Georgsmarienhütte ist heute darin verbaut – und wird dies auch morgen noch sein.“


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