01.12.2016, 18:30 Uhr

Ehrung und Abschied in Messingen Demokratie lebt von Menschen wie August Roosmann


Messingen. Große Freude und Stolz über das Erreichte, aber sicherlich auch ein wenig Wehmut wird den Freitagabend im Gasthof Thünemann in Messingen prägen. Dort wird August Roosmann nach 25-jähriger Amtszeit als Bürgermeister und 40 Jahren im Rat seiner Heimatgemeinde offiziell verabschiedet.

Im Schatten der Kirche ist die Familie Roosmann mitten im Ort ansässig. Und direkt unter seinen Mitbürgern war auch August Roosmann immer anzutreffen, für jeden ansprechbar. Stets hatte er dabei alle Bürger im Blick, nicht nur die obere Hälfte der Gesellschaft, obschon er auch dort gut vernetzt war. Ausdruck dieser Amtsauffassung war die Lage seines Bürgermeisterbüros: Direkt neben seinem Wohnhaus gelegen, führte ihn eine Tür direkt aus seinem privaten Wohnräumen in wenigen Schritten in sein offizielles Dienstzimmer.

Einsatz für Gerechtigkeit

Der Einsatz für soziale Gerechtigkeit und christliche Werte sind dem engagierten Kolpinger und Katholiken immer ein besonderes Anliegen. So wurde unter seiner Mitwirkung in Messingen 2015 auch die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen besonders früh und sehr beherzt angegangen. Nur ein Beispiel für das soziale Engagement so vieler Bürger und Vereine im Ort, welches Roosmann immer wieder auch auf seinen Neujahrsempfängen angemahnt, eingefordert und auch vorgelebt hat.

Legendäre Neujahrsempfänge

Stichwort Neujahrsempfang: Auch damit bleibt sein Name verbunden. In unserer Zeitung ist darüber oft und ausführlich berichtet worden. Aus vielen Gründen. Zum einen war es immer der erste Empfang einer Gemeinde im südlichen Emsland. Zum anderen sind die Empfänge immer ein besonderer Höhepunkt im eh aktiven Gemeindeleben gewesen. Vereine und Initiativen stellten sich vor, präsentierten ihr Können. Bürgerin oder Bürger des Jahres? Die Auswahl und damit die Spannung war stets groß.

Und wer kam nicht alles als Ehrengast in die rund 1100 Einwohner zählende Gemeinde? Ex-Minister- und Bundespräsident Christian Wulff, Hans-Gert Pöttering als amtierender Präsident des Europäischen Parlaments, Generalvikar Theo Paul oder der mit seiner direkten Art begeisternde ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende im emsländischen Kreistag Heinrich Hövelmann. Das die Empfänge oft den zeitlichen Rahmen sprengten, auch das gehörte irgendwie dazu.

Mit 24 Jahren in den Rat gewählt

Und wie hat alles begonnen? Mit 24 Jahren ist der Sohn eines Schneidermeisters, Vater zweier Kinder und beruflich als Diözesanjugendreferent, später als Leiter des Kolping-Bildungshauses in Salzbergen und Landessekretär der Kolpingregion Nord tätige Roosmann als Parteiloser auf der CDU-Liste erstmals in den Gemeinderat gewählt worden. „Als der nur noch aus vier Mitgliedern bestehende Messinger CDU-Ortsverband aufgelöst werden sollte, gab es einen letzten Rettungsversuch durch den damaligen Landtagsabgeordneten Werner Remmers. Ich bin an diesem Abend noch in die CDU eingetreten und gleich zum Vorsitzenden gewählt worden“, erinnert sich der heute 64-Jährige.

Viele Aktivitäten

Radwege an allen überörtlichen Straßen, Abbau aller Gemeindeschulden, Erhalt von Kindergarten und Grundschule, ausreichend Bauplätze und Gewerbeflächen, eine perfekt aufgestellte Feuerwehr: Auch damit wird seine Amtszeit verbunden bleiben. 40 Jahre lang war er letztlich im Rat aktiv – genau so lange ist er mit seiner Frau Helga verheiratet. Er wird stellvertretender Bürgermeister und von 1991 bis 2016 schließlich Bürgermeister und Kreistagsabgeordneter, ist 26 Jahre stellvertretender CDU-Kreis- und neun Jahre stellvertretender CDU-Bezirksvorsitzender gewesen. 14 Jahre engagiert er sich im Caritasrat und seit 2015 im Katholikenrat der Diözese Osnabrück. Von 100 auf 0 geht es allerdings bei Roosmann, der auch aus gesundheitlichen Gründen kürzer tritt, nicht: Ganz aktuell ist er in den niedersächsischen Landesvorstand der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft der CDU gewählt worden.

Zeit für Hobbies blieb neben Familie und diesem Engagement kaum. „Naja, früher mal Fußball und bis zu einem Bandscheibenvorfall vor so zehn, 15 Jahren habe ich noch Tennis gespielt. Mehr ging aber wirklich nicht.“

Freitagabend wird Roosmann nun im Saal Thünemann von Ratskollegen, seinem Bürgermeisternachfolger Ansgar Mey sowie vielen Freunden und Weggefährten – darunter Hans-Gert Pöttering, dem Generalvikar, Landrat Reinhard Winter und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Albert Stegemann verabschiedet. Die Festrede wird der ebenfalls in Kürze aus dem Amt scheidende CDU-Landtagsabgeordnete Heinz Rolfes halten. Und so schließen sich wieder einige Kreise, war Roosmann 1993 in einer Urwahl dem hiesigen Landtagskandidaten noch knapp unterlegen. „Unserer Freundschaft hat das aber nie einen Abbruch getan.“

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