16.11.2016, 10:17 Uhr

Ein Leben nach Auschwitz KZ-Überlebende Erna de Vries berichtet in Messingen


Messingen. Erna de Vries hat überlebt: das Konzentrationslager Auschwitz, das KZ Ravensbrück und ab April 1945 den Todesmarsch bis Mecklenburg. Seit 1998 erfüllt sie den zum Abschied 1943 von ihrer Mutter in Auschwitz geäußerten Wunsch: „Du wirst überleben und erzählen, was man mit uns gemacht hat.“ Am Dienstag, 22. November, berichtet sie ab 18 Uhr in Messingen aus ihrem Leben.

Als junges Mädchen erlebte sie 1938 in ihrer Heimatstadt Kaiserslautern die Pogromnacht. Als 1943 ihre Mutter deportiert wurde, folgte sie ihr freiwillig in das KZ Auschwitz. „Meine Mutter war darüber natürlich sehr unglücklich. Wir wussten, dass Auschwitz den Tod bedeutet. Aber ich wollte einfach bei ihr sein“, erzählt sie bei ihrer Lebensgeschichte.

Todesmarsch 1945

In letzter Minute entkam sie schließlich dem Todesblock des Lagers, in dem ihre Mutter ums Leben kam. Die Befreiung durch alliierte Truppen erlebte Erna de Vries im April 1945 auf dem Todesmarsch vom KZ Ravensbrück nach Mecklenburg. 1947 heiratete sie den jüdischen Holocaustüberlebenden Josef de Vries und zog mit ihm in sein Heimatdorf Lathen im Emsland. Dort lebt sie bis heute. Als Zeitzeugin – seit 1998 berichtet sie regelmäßig und sehr beeindruckend in Schulen und an öffentlichen Orten aus ihrem Leben – ist es ihr wichtig, dass vor allem junge Menschen ihre Worte hören . „Dadurch werden sie selbst zu Zeugen.“

Ehrenbürgerin von Lathen

Die Samtgemeinde Lathen verlieh ihr für ihre Verdienste zur Aufklärung über den Holocaust die Ehrenbürgerwürde, 2006 erhielt sie die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland. Und 2014 wurde ihr vom Bundespräsidenten Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Seit dem 1. November 2015 gibt es in Münster zudem die Erna-de-Vries-Realschule.

Teilnahme am Hanning-Auschwitz-Prozess

Es gibt auch ein Buch, einen Film und zahlreiche Zeitungs- und Zeitschriftenartikel über ihr Leben. Im Februar 2016 nahm Erna de Vries 92-jährig in Detmold als eine der letzten Zeuginnen am Prozess gegen den 94-jährigen ehemaligen SS-Unterscharführer Reinhold Hanning teil, der als Wachmann in Auschwitz arbeitete.

Bericht im Messinger Feuerwehrhaus

Am Dienstag, 22. November, wird Erna de Vries bei der Messinger Jugendfeuerwehr im neuen Feuerwehrhaus auf Einladung des örtlichen Heimatvereins zu Gast sein. Auf dem Gebiet der Erinnerungskultur gibt es dort schon seit einigen Jahren Projekte der Jugendfeuerwehr und des Heimatvereins. So wurde bereits ein Stein zur Erinnerung an die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die von 1939 bis 1945 im Ort gelebt haben, aufgestellt. Zudem beschäftigte man sich gemeinsam mit der Geschichte des Militärflugplatzes bei Plantlünne.

Viele Erinnerungsprojekte in Messingen

Beiden Vereinen ist es nach eigener Aussage wichtig, „gerade über diesen Teil der Geschichte Jugendlichen Wissen zu vermitteln und sie so gegen ,geistige Brandstifter` zu schützen. Die Worte einer Zeitzeugin wie Erna de Vries sind dafür von unschätzbarem Wert.“


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