05.10.2016, 07:30 Uhr

Nahaufnahme Handballer Martin Giesen: Der Koloss am Kreis

Ob hinten im Mittelblock oder vorne im Angriff: Martin Giesen (am Ball) beherrscht sein Handwerk. Foto: Werner ScholzOb hinten im Mittelblock oder vorne im Angriff: Martin Giesen (am Ball) beherrscht sein Handwerk. Foto: Werner Scholz

Haren. Nicht gerade selten wird Martin Giesen aufgrund seiner Körpergröße gefragt, ob er Basketballer sei. Doch der 27-Jährige wirft nicht Körbe, sondern Tore. Auch eine langwierige Knieverletzung hat den Handballer des TuS Haren nicht aus der Bahn geworfen.

Zwei wichtige Positionen bekleidet Giesen, der aus Tinnen stammt, im Team des Verbandsligisten: In der Abwehr bildet er mit einem Teamkollegen den Mittelblock. Ein echtes Bollwerk. Vorne am Kreis soll er die Anspiele verwerten. Früher zählte Giesen zu den Haupttorschützen der Harener, wobei sich die Rolle durch seine langwierigen Verletzungen etwas geändert hat. Kein Problem für Giesen. „Mittlerweile macht es hinten auch Spaß, die Bälle der gegnerischen Spieler zu blocken und somit zum Erfolg beizutragen.“ Diese Einstellung hat sich im Laufe der Zeit geändert. In der Vergangenheit habe er immer die komplette Spielzeit auf dem Feld stehen wollen. „Wenn nun das Spiel in sicherem Fahrwasser ist, habe ich kein Problem damit, mir die letzte Viertelstunde von der Bank aus anzuschauen.“ Das sei einfach für die Knochen besser. „Früher wäre das eher ein Problem gewesen. Da war ich torgeiler.“

Mit zwölf zum Handball

Eher zufällig kam Giesen im Alter von zwölf Jahren zum Handball. Eigentlich wollte Giesen im Geschäft von Harens Teamkoordinator Christoph Sträche neue Fußballschuhe kaufen. „Er hat mich quasi zum Handball gelotet“, erinnert er sich. Sträche, der Vater von Giesens Mitspielern Tim und Stefan Sträche, war damals bereits im Handball aktiv und fragte Giesen, ob er aufgrund seiner Größe nicht interessiert sei. Nach einem ersten Training blieb Giesen beim Handball.

Aufgehört mit Fußball

Eine Zeit lang fuhr Giesen zweigleisig, spielte Fußball und Handball. „Nach den Verletzungen habe ich das Fußballspielen an den Nagel gehängt.“ Giesen hatte sich einen Kreuzbandriss zugezogen. Später plagte ihn ein Knorpelschaden. „Eigentlich wollte ich aufhören beziehungsweise habe eigentlich aufgehört“, wollte Giesen nur noch als Stand-by-Spieler fungieren. „Aber es wurde dann doch irgendwie mehr als man eigentlich wollte.“ Giesen entschied sich, „nur“ noch Handball zu spielen. Seitdem habe er keine Probleme mehr mit dem Knie. Anderthalb Jahre lang sei er inzwischen beschwerdefrei. Die Ärzte hatten nach mehreren Untersuchungen und Behandlungen grünes Licht gegeben. Die Fußballer der DJK Tinnen begleitet er weiterhin bei nahezu jedem Spiel, allerdings nur noch als Zuschauer. „Ich bin immer am Platz. Und wenn der Trainer mal Probleme hat, helfe ich auf jeden Fall auch als Trainer oder Betreuer aus.“ Er sei sportverrückt, gesteht Giesen, der in der Instandhaltung arbeitet. „Es wäre für mich schon ein schwerer Niederschlag gewesen, wenn ich das nicht hätte weitermachen können.“

Über zwei Meter groß

Giesens Körpergröße von 2,10 Meter flößt den gegnerischen Mannschaften gehörig Respekt ein. „Es wird auf jeden Fall immer über mich geredet. Man merkt schon, dass sie aufgrund der Größe auf einen fokussiert sind.“ Oftmals sei er in der Vergangenheit die letzte Offensivlösung gewesen. Martin hoch anspielen und der macht das irgendwie - habe die Marschroute gelautet. In der Zwischenzeit verfügt Haren über mehr Alternativen, gerade auch durch die nachrückenden Talente. „Dementsprechend muss ich mich am Kreis nicht mehr so quälen.“ Er müsse sich nicht immer mit zwei Gegenspielern herumplagen. „Man muss einstecken können und darf sich nicht vom Gegenspieler verrückt machen und unterkriegen lassen“, erklärt Giesen. Er wisse sich zu wehren, sei aber ansonsten eher ein ruhiger Zeitgenosse. „Dass ich mich zu dummen Aktionen hinreißen lasse, ist noch nicht vorgekommen.“

Basketball nie eine Option

Basketball war nie wirklich eine Option für den Koloss am Kreis. „Es hat sich auch nie ergeben“, sagt Giesen. „Aber die Leute, die mich nicht kennen, fragen immer, ob ich Basketball spiele.“


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