18.11.2016, 17:15 Uhr

In Dersumer Jugendheim Modellbahner wollen Strecke „Papenburg – Lingen“ nachbauen


Dersum. Ölförderpumpen, der altehrwürdige Aschendorfer Bahnhof, Windräder und ein Jahrmarkt: Das und noch viel mehr befindet sich auf dem Dachboden des Dersumer Jugendheims. Allerdings nicht in Originalgröße, sondern im Miniaturformat 1:87. Vor drei Jahren bevölkerten die Modelleisenbahnfreunde Ems-Dollart das erste Obergeschoss des öffentlichen Gebäudes.

Der 2005 zunächst als „Modelleisenbahnfreunde Rhede“ eingetragene Verein hatte schon viele Stationen hinter sich, bevor er in Dersum seinen Platz fand. Die ersten Modellbahntage fanden 2003 in einer Rheder Gaststätte statt, bevor er in der Wagenremise hinter dem Landwirtschaftsmuseum und seit 2006 im Franziskusheim unterkam.

Aber auch dort, konnten sie nicht bleiben. Eine erneute Raumsuche in Rhede blieb erfolglos. Also schauten sich die Mitglieder in der Umgebung um und wurden mit dem Dachboden des Dersumer Jugendheims fündig. Mit dem Umzug in die Nachbargemeinde war der Vereinsname nicht mehr aktuell. Außerdem sind mehrere niederländische und rheiderländische Nachbarn Mitglieder im Verein. So kam es zu der Namensgebung „Modelleisenbahnfreunde Ems-Dollart“.

Ausbauarbeiten waren gefragt

Die Züge fahren in Dersum mal gemächlich, mal in einem atemberaubenden Tempo. Das allerdings erst seit einigen Wochen. Denn bevor die 75 Module aufgebaut oder zum Teil eingelagert werden konnten, waren Ausbauarbeiten zu tätigen. „Wir haben den Bereich im Jahr 2013 übernommen, da sahen wir die blanken Dachziegel“, erinnert sich der Vorsitzende Heinz-Josef Brockmeyer. Im realen Leben war er Unternehmensberater. Das stellt sich in der Miniaturwelt anders dar. „Hier kommen alle Handwerkstechniken zum Einsatz. Wir haben viele Fachleute unter uns. Aber wir geben unser Wissen natürlich auch weiter“, so Brockmeyer. So können gerade junge Menschen viele Kompetenzen, wie handwerkliches Geschick aber auch Teamgeist bei diesem Hobby erwerben. Die rund 20 Mitglieder sind an den etwa 50 aufgebauten Modulen am wöchentlichen Bastelabend am Donnerstag unterschiedlich im Einsatz.

Ziel: Nachbau der Strecke Papenburg bis Lingen

Elektroniker kümmern sich zum Beispiel um die Signaltechnik oder die Lichtanlagen des Jahrmarktes. Andere errichten Metallgestelle und verkleiden diese mit Holz. Außerdem planen sie auch Komponenten für das 3-Leiter-Wechselstromsystem von Märklin. Auf Rollwagen verpackt können die mit den Modulen anderer Modellbahnfreunde aus Norddeutschland zu einer neuen Anlage für Ausstellungen außerhalb des Vereinsheims zusammengesetzt werden. Doch auch menschlich hat der Verein was Verbindendes. Viele Mitglieder stammen aus den Niederlanden. Sie wohnen jenseits der Staatsgrenze in Bellingwedde oder Blijham oder haben auf deutscher Seite ein Haus erworben. Derzeit richten alle den Fokus auf den Dersumer Dachboden. Das neue Domizil wurde zwar fertiggestellt. Doch nun können sich alle wieder ihrem Ziel widmen: dem Nachbau der Strecke Papenburg bis Lingen. Detailtreue ist gefragt: Nach einem alten Grundriss, der nach aufwendigen Recherchen im Keller einer früheren Aschendorfer Dienststelle gefunden wurde, konnte der frühere Aschendorfer Bahnhof im Miniaturformat rekonstruiert werden.

Interessierte können sich Verein anschließen

Gelegentliche gibt es auch öffentliche Fahrtage. Große Anlagen wie in Hamburg oder auch Leer feiern Besucherrekorde. Wären regelmäßige Öffnungstage für die touristische Vermarktung möglich? Abgeneigt ist Brockmeyer davon nicht: „Das haben wir bisher noch nicht im Verein diskutiert. Es muss jedoch personell zu leisten sein, denn alle hier sind ehrenamtlich tätig.“ Er machte deutlich, dass sich Interessierte dem Verein anschließen können, um sich kreativ an den Vorhaben einzubringen. Eine Vorab-Kontaktaufnahme ist beim Vorsitzenden unter der Telefonnummer 04964/1857 möglich.


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