12.10.2016, 18:04 Uhr

Zehn 40-Tonner für Rumänien Dörpener Verein vor größtem Hilfstransport seiner Geschichte


Aschendorf. Das hat es in der 20-jährigen Geschichte von Helping Hands noch nicht gegeben. Für seinen nächsten humanitären Hilfstransport nach Rumänien belädt der Dörpener Verein zehn 40-Tonnen-Lkw. Am Donnerstag, 13. Oktober 2016, setzt sich der Konvoi in Bewegung. Mit an Bord ist zum inzwischen dritten Mal ein Feuerwehrauto.

„Wir werden immer größer“, schwärmt Vereinschef Hansi Brake (60) im Gespräch mit unserer Redaktion, während ehrenamtliche Helfer auf dem Noch-Vereinsgelände an der Hüntestraße in Aschendorf gabelstaplerweise die ersten von rund 7000 Bekleidungskartons auf einen Lkw laden. Es ist das letzte Mal, dass ein Hilfstransport von den ehemaligen Hallen des Textilunternehmens Steilmann aus auf den Weg gebracht wird.

Verein zieht von Aschendorf nach Lathen

Die Hallen sind marode. Deshalb bereitet der Verein praktisch auch mit dem anstehenden Transport seinen Umzug vor. „So räumen wir schon einmal weitgehend die Hallen“, erklärt Brake. Künftiges Domizil wird das Betriebsgelände des früheren Gastronomieservice-Unternehmers Antonius Köttker in Lathen. Der Kaufpreis von rund 300.000 Euro soll mithilfe eines im Juli gegründeten Fördervereins zusammengetragen werden.

Auf viel Geld verzichten insgesamt sechs Speditionen aus dem nördlichen und mittleren Emsland. Brake zufolge stellen sie nicht nur kostenlos Lastwagen, sondern auch Fahrer zur Verfügung. Die Ersparnis für den Verein beziffert der Vorsitzende auf rund 5000 Euro – pro 40-Tonner versteht sich. Das sei nicht zuletzt ein Verdienst des Helping-Hands-Mitgliedes Heiner Meiners vom Kluser Schwertransportunternehmen Gertzen. Lkw samt Fahrer für den Rumänien-Transport stellen die Speditionen Hermes aus Neubörger (2), Wocken (Haren, 2), Langlitz (Wippingen, 2), Oeldig, Raiffeisen Ems-Vechte (Klein Berßen), SL Logistik (Haren) und FS Trucks (Meppen). Hinzu kommt ein Bus des Unternehmens Van der Ahe aus Groß Berßen mit drei Fahrern. Insgesamt werden sich mit ihnen 20 Lkw-Fahrer und sieben Helping-Hands-Mitglieder auf den Weg machen.

Arbeit fußt auf Sach- und Geldspenden

Denn unverändert gilt: Brake und seine Mitstreiter, deren Arbeit auf Sach- und Geldspenden fußt, überzeugen sich persönlich davon, dass die Hilfe auch dort ankommt, wo sie benötigt wird. Die komplette Ausstattung einer Zahnarztpraxis aus Dersum – Brake zufolge eine Spende im Wert von rund 150.000 Euro – bleibt deshalb vorerst daheim. „Die Praxis in Rumänien wird voraussichtlich erst im Januar 2017 fertig“, erklärt Brake. Wie er weiter erläutert, überlässt der Verein einem Zahnarzt in Alba Iulia die Ausstattung unter der Bedingung, dass er die Mädchen und zwei Jungen von zwei Kinderheimen kostenlos behandelt. „Tut er es nicht, holen wir die Ausstattung wieder ab. Das haben wir alles notariell geregelt“. Dadurch sei überdies festgelegt, dass die Ausstattung grundsätzlich Besitz des Vereins bleibe.

Feuerwehrleute geschult

Das gebrauchte Feuerwehrauto, das Helping Hands in Ostdeutschland erstand, wird in dem Dorf Apáca bei Brasov stationiert. Freiwillige Feuerwehrleute von dort seien bei den Kameraden in Dörpen von Anton Schuten ausgebildet worden, berichtet Brake.

Der Verein wird insgesamt sechs Dörfer nahe der Stadt Brasov und weitere drei um Sibiu ansteuern. Neben dem Feuerwehrauto und den Bekleidungskartons sind vor allem Rollstühle, Rollatoren und Bettzeug an Bord. Hinzu kommt eine Lebensmittelladung vor allem mit Nudeln für das Kinderheim „Pro Vita“. Dorthin können laut Brake Mütter, die nicht abtreiben wollen, selbst aber nicht in der Lage sind, ihrem Kind eine Perspektive zu bieten, ihr Baby geben. Helping Hands organisiert in der Regel zwei Hilfstransporte pro Jahr. Schwerpunkt der humanitären Hilfe ist Rumänien.

Außer der Zahnarztpraxis verbleibt derweil auch eine Lkw-Ladung mit Krankenhausmaterial im Emsland. „Die nehmen wir beim nächsten Mal mit“, sagt Brake. Dann wird der Verein bereits in Lathen residieren. Der Umzug soll bald nach der Rückkehr aus Rumänien voll in Angriff genommen werden.

Ersatz für gestohlenen Rollstuhl

Dafür stehen im Übrigen bereits fünf Container bereit, die die Meyer Werft dem Verein kostenlos ausleiht. Darin ist bereits ein Großteil des Helping-Hands-Inventars verstaut.

Bislang nicht ermittelt werden konnten Brake zufolge die Täter, die bei einem Einbruch auf das Vereinsgelände einen elektrischen Rollstuhl im Wert von 1300 Euro samt Aufladestation gestohlen haben. Das Gefährt sei für einen 18-jährigen Mann vorgesehen, dem ein Bein habe amputiert werden müssen. Inzwischen gibt es aber Ersatz. Wie Brake erzählt, habe sich nach der Berichterstattung unserer Redaktion über den Vorfall eine Frau vom Hümmling bei ihm gemeldet und einen entsprechenden Rollstuhl gespendet. „Hammer, oder?“, sagt Brake.

Weitere Infos und Kontakt: 01 76 / 96 02 80 84 (Hansi Brake), www.helping-hands-ev.de


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