26.06.2016, 17:28 Uhr

Sexistisch oder nicht? Rad-Reklame in Dörpen ruft Werberat auf den Plan

Reklame des Anstoßes: Dieses Werbebanner an der B 70 in Dörpen geht offenbar mehreren Menschen zu weit. Sie beschwerten sich deshalb beim Deutschen Werberat. Foto: Gerd SchadeReklame des Anstoßes: Dieses Werbebanner an der B 70 in Dörpen geht offenbar mehreren Menschen zu weit. Sie beschwerten sich deshalb beim Deutschen Werberat. Foto: Gerd Schade

Dörpen. Das Dörpener Zweiradfachgeschäft Hackmann hat Ärger mit dem Deutschen Werberat. Reklame des Anstoßes ist ein großes Banner an der B 70, das den verlängerten Rücken einer Frau in Hotpants auf einem Fahrradsattel zeigt. Unterlegt ist das Bild mit dem Spruch „Die geilsten ,Schnapper‘ gibt’s bei uns“.

In einem Schreiben des Werberats an das Unternehmen ist unter anderem von einem sexistischen Werbemotiv sowie von Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen die Rede. Geschäftsführer Thomas Hackmann und sein Bruder Jürgen, der sich um das Marketing des Betriebes kümmert, reagierten verwundert, aber auch ein Stück weit herausgefordert. Sie können die Aufregung nicht nachvollziehen. „Ich weiß nicht, was daran sexistisch sein soll“, sagt der Geschäftsführer im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Die Werbung bleibt“, fügt sein Bruder entschlossen hinzu. Die Idee für Bild und Text stammt von ihm. Sanktionen befürchten die Brüder nicht. Im schlimmsten Fall drohen eine Rüge des Werberats und ein Einschalten der Öffentlichkeit.

Mit dem Banner an der B 70 wirbt das Unternehmen seit einigen Wochen vor seinem Geschäft im Gewerbegebiet Süd. Motiv und Spruch dürften täglich mehreren Tausend Autofahrern ins Auge springen. Wie es in dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt, sind wegen der Reklame mehrere Beschwerden beim Werberat eingegangen. Die Hackmann-Brüder betonen hingegen, dass sich ihnen gegenüber bislang niemand negativ über die Werbung geäußert habe, im Gegenteil. Es habe sogar positive Rückmeldungen von Frauen gegeben, sagt Jürgen Hackmann.

Der Rat ist eine selbstdisziplinäre Einrichtung der deutschen Werbewirtschaft. Getragen wird er von deren Verbänden, Medien, Agenturen, der Marktforschung und den Werbeberufen. Dem Schreiben zufolge sind die Beschwerdeführer der Auffassung, „dass das Werbemotiv sexistisch sei und gegen die Ziffern 4 und 5 der Verhaltensregeln des Deutschen Werberats gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen verstoße“. Der Rat weist darauf hin, dass in der kommerziellen Werbung keine Aussagen oder Darstellungen verwendet werden dürfen, die Personen mit Objekten gleichsetzen, auf ihre Sexualität reduzieren oder ihre sexuelle Verfügbarkeit nahelegen. Im vorliegenden Fall würde der Beschwerde zufolge der „sexistische Gesamtcharakter“ durch den Slogan zusätzlich verstärkt.

Abschließend fordert der Rat das Unternehmen auf, bis zum 27. Juni 2016 Stellung zu nehmen, „da die Angelegenheit gegebenenfalls den Mitgliedern des Deutschen Werberats zur Beurteilung vorzulegen ist“.So lange haben Thomas und Jürgen Hackmann nicht gewartet. In seiner Stellungnahme an den Werberat verweist der Geschäftsführer darauf, dass die Buchstaben ihres Slogans zum Einen einen Teil des ohnehin mit einer – wenn auch knappen - Hose bekleideten Gesäßes der Frau verdecken. Aus Hackmanns Sicht übermittelt das Bild „eine sommerliche Leichtigkeit und Spaß am Fahrradfahren“. Eine mit Hotpants bekleidete Frau beim Radeln sei zudem keine Seltenheit.

Wie Hackmann weiter erläutert, bezieht sich das Wort „Schnapper“ ausschließlich auf den regional volkstümlich so genannten Gepäckträger eines Fahrrades. Dass ausgerechnet dieser allerdings nicht zu sehen ist, sei dem Format der Werbeanzeige geschuldet.

„Wir wollen damit doch niemanden angreifen, sondern lediglich originelle Werbung machen“, sagt Thomas Hackmann. Es gehe auch nicht um Provokation, sondern nur darum, mit einem emotionalen Ansatz Lust auf das Produkt Fahrrad zu machen, ergänzt Jürgen Hackmann.


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