29.03.2016, 06:41 Uhr

Ex-Profiboxerin leitet Projekt Flüchtlinge durch Kickboxen in Dörpen integrieren


Dörpen. Mit „Integration durch Kickboxen – wir trainieren gemeinsam“ startet nach den Osterferien ein neues Projekt in Dörpen. Unter der Leitung der ehemaligen Profiboxerin Heidi Hartmann sollen sich einheimische Jugendliche und Flüchtlinge ab 14 Jahren gemeinsam für die Sportart begeistern.

Hartmann hat gemeinsam mit dem Dörpener Allgemeinmediziner Dr. Samir Algisch das Projekt in Dörpen vorangetrieben. „Sport ist sehr integrativ und in Dörpen haben wir viele Migranten, für die das Projekt interessant sein könnte“, ist sich Samtgemeindebürgermeister Hermann Wocken (CDU) sicher. Er sei froh, dass mit Hartmann eine so profilierte Trainerin das Projekt leite.

Die entscheidenden Faktoren im Kickboxen sind Hartmann zufolge Disziplin, Respekt und Fairness. „Diese Dinge sollen in den Trainingsstunden vermittelt werden“, erklärt die ehemalige Vizeweltmeisterin. Hauptberuflich arbeitet Hartmann als Deutsch- und Sportlehrerin an den Gymnasien in Dörpen und Papenburg. Dort seien schon häufiger Schüler auf sie zugekommen und hätten gefragt, ob sie ein Training leiten könnte. „Kickboxen ist im Moment im Trend“, betont sie. Besonders gut sei der Sport dafür, dass überschüssige Energien und Stress abgebaut werden können. Algisch fügt hinzu: „Flüchtlinge, die gerade nach Deutschland gekommen sind, dürfen oft nicht arbeiten und langweilen sich häufig. Natürlich staut sich dann etwas an.“ Durch den Sport könnte dies abgebaut werden.

Algisch selbst ist vor 40 Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen. Seit drei Jahren arbeitet er in Dörpen. Seine Söhne trainieren das Kickboxen bereits bei Hartmann. „Ich werde das Projekt begleiten und helfen, sprachliche Barrieren zu überbrücken“, sagt der Mediziner. Auch seine beiden 14- und 15-jährigen Söhne werden an den Stunden teilnehmen und so Hartmann helfen, die Integration der Flüchtlinge durch das Übersetzen von verschiedenen Anweisungen zu vereinfachen.

Schon im vergangenen Jahr hat Hartmann ein ähnliches Projekt in Oldenburg gestartet. „Dort habe ich allerdings nur mit Flüchtlingen und Asylbewerbern gearbeitet“, berichtet sie. In Dörpen sollen nun junge Einheimische gemeinsam mit den Migranten trainieren. Finanziell unterstützt werde das Ganze durch den Landessportbund. Stattfinden wird das Projekt in der Sporthalle in Dörpen. Die Hallenzeiten bekamen die Initiatoren vom Sportverein Blau-Weiß Dörpen zugesprochen. Deren Vorsitzender Heinz-Hermann Franzen ist von der Sache überzeugt: „Es ist eine neue Sparte, die auch für unseren Verein interessant werden könnte. Wir sind da auch offen für Neues.“ Auch Wocken war sich sicher, dass das Kickboxen in Dörpen eine gute Perspektive hat, wenn das neue Projekt Anklang findet: „Es könnte nachhaltig etwas geschaffen werden.“ Das Projekt laufe über den Verein für traditionellen Budosport, sagt Hartmann. „Wir haben auch schon Kooperationen mit Sportvereinen in Leer und Rhauderfehn, vielleicht kommt so etwas ja auch in Dörpen zustande“, so Hartmann weiter.

Aus Hartmanns Gruppe in Oldenburg seien schon einige Teilnehmer erfolgreich in Wettkämpfen gewesen. „Durch meine jahrelange Erfahrung kann ich den Teilnehmern Kompetenzen vermitteln, die sie für den Erfolg im Sport brauchen“, betont sie. Neben den Trainingseinheiten (zwei- bis dreimal täglich) sei sie allerdings immer voll berufstätig gewesen und hat nebenbei promoviert. „Wenn man sportlichen Ehrgeiz hat, kann man den auch im Berufsleben einsetzen“, macht Hartmann deutlich, dass man neben all dem Sport das Berufliche und die Bildung nicht vergessen sollte.

Das Projekt ist auf acht Wochen angelegt und findet vom 6. April bis zum 15. Juni jeweils Mittwoch von 17 bis 18.30 Uhr statt. Die Anmeldungen der Flüchtlinge und Asylbewerber soll über den Leiter des Ordnungsamtes der Samtgemeinde Dörpen Gerd Klaas laufen. Alle anderen Interessierten melden sich direkt bei Heidi Hartmann unter 01 72/4 29 37 10.

Die Teilnehmerzahl ist auf etwa 20 begrenzt.


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