13.08.2010, 14:57 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Walchum: Witwer erhebt Vorwürfe „Ich bleibe, bis ich weiß, wer der Täter ist“

Fest entschlossen: Karl-Heinz Knop will wissen, wer für den Tod seiner Frau verantwortlich ist. Foto: Gerd SchadeFest entschlossen: Karl-Heinz Knop will wissen, wer für den Tod seiner Frau verantwortlich ist. Foto: Gerd Schade

Walchum/Papenburg. Karl-Heinz Knop ist fest entschlossen. „Ich bleibe hier. Mindestens so lange, bis ich weiß, wer der Täter ist. Das bin ich meiner Frau schuldig“, sagt Knop. Vor genau zwei Wochen starb die Frau des 57-Jährigen in den Flammen eines Wochenendhauses in Walchum. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

Im Gespräch mit unserer Zeitung schildert Knop den tragischen Verlauf der Nacht zum 31. Juli aus seiner Sicht. Dabei erhebt er schwere Vorwürfe gegen Anwohner, aber auch gegen den Betreiber des Campingplatz- und Wochenendhausgebietes.

Er habe mit seiner Frau und einer Nachbarin auf der Terrasse zu Abend gegessen, als von einem offenbar stark angetrunkenen Anwohner urplötzlich und dann immer wieder wüste Bedrohungen an sein Ohr gedrungen seien, sagt Knop. Demnach hat der Mann unter anderem gebrüllt: „Wir fackeln dir die Bude ab“ und „Ich hau dem was in die Fresse“. Er und seine Frau hätten sich aber nicht provozieren lassen und seien trotz der andauernden Brüllerei gegen 22 Uhr schlafen gegangen. „Etwa eine Stunde später wurde ich wach, weil auf unserem Rasen zwei Feuerwerkskörper explodierten. Daraufhin hat meine Frau wegen Ruhestörung die Polizei gerufen.“ Die Beamten hätten jedoch außer einer leichten Sachbeschädigung nichts feststellen können. „Wir sind dann zurück ins Bett.“

Ein weiteres Mal wurde Knop von einem Knistern wach. „Ich sah einen hellen Schein unten an der Terrasse, weckte meine Frau und sagte: ,Wir müssen raus. Unser Haus brennt.‘“ Zu diesem Zeitpunkt – laut Knop gegen 2.30 Uhr – seien beide sicher gewesen, das Haus über die Treppe und durchs Erdgeschoss verlassen zu können. „Wir liefen die Treppe runter, und meine Frau rief mir zu, ich sollte das Telefon aus dem Schlafzimmer mitnehmen. Während ich es holte, ist sie in den Tod gelaufen.“ Denn plötzlich habe es unten im Haus zweimal so heftig geknallt, dass die Fensterscheiben zerbarsten und er selbst keine Luft mehr bekam. In der Hoffnung, dass seine Frau es rechtzeitig aus dem Haus geschafft habe, sprang Knop aus dem Schlafzimmerfenster ins Freie.

Unmittelbar danach habe er mehrere Anwohner um Hilfe gebeten – vergeblich. „Einer hat mir sein Handy zugeworfen, gesagt: ,Ich kann dir nicht helfen‘und ist mit dem Auto weggefahren. Andere haben mir die Tür vor der Nase zugeschlagen.“

Baurechtliche Fragen

Die Ursache für die ablehnende bis feindselige Haltung mehrerer Anwohner liegt für Knop auf der Hand. Seit Mai 2009 hatte das Ehepaar bei diversen Behörden und später auch öffentlich baurechtliche Fragen im Zusammenhang mit dem Campingplatz- und Wochenendhausgebiet aufgeworfen (wir berichteten). Aus Sicht der Knops wäre ihr Wochenendhaus, in dem sie im Übrigen seit Jahren unzulässigerweise dauerhaft lebten, baugenehmigungspflichtig gewesen. „Sowohl Mitarbeiter des Landkreises Emsland als zuständige Bauaufsichtsbehörde als auch anderer Ämter haben uns bestätigt, dass wir in einem Schwarzbau wohnen“, sagt Knop. Für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben in dem Gebiet ist nach Auskunft des Landkreises der Betreiber verantwortlich. Knop wirft dem Betreiber vor, Anwohner gegen sich und seine Frau aufgewiegelt zu haben. „Einige bekamen es offenbar mit der Angst zu tun. Sie haben uns davor gewarnt, schlafende Hunde zu wecken, und meinten, sie würden Probleme mit den Behörden bekommen.“

Die Drohungen hatten laut Knop in den vergangenen Monaten zugenommen. Außer von Attacken mit rohen Eiern gegen sein Haus und explodierenden Feuerwerkskörpern auf dem Grundstück berichtet der 57-Jährige von einem geschmacklosen Dialog zwischen Anwohnern vor seinem Haus im Juni. Auf die Frage des einen „Wie werden wir die nur los?“ habe der andere geantwortet: „Wir müssen denen die Hütte anstecken. Sonst hauen die nie ab.“ Karl-Heinz Knop will bleiben. Bis der Fall geklärt ist – mindestens.


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