09.02.2011, 14:16 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Kettler’s Reisedienst zieht von Bad Rothenfelde nach Dissen – Unternehmen investiert 1,5 Millionen Euro Mit zwei Apfelschimmeln fing es an


Bad Rothenfelde/Dissen. Klassenfahrten nach Spanien, Portugal oder England, Vereinsausflüge an Rhein und Mosel sowie Tagesausflüge zum Hermannsdenkmal und zu den Externsteinen – Kettler’s Reisedienst sorgt seit November 1945 für Mobilität. Das Ziel der nächsten Reise ist jedoch nicht weit vom Firmensitz entfernt: Das Unternehmen zieht von der Lindenallee in Bad Rothenfelde in das Dissener Industriegebiet um.

„Wir platzen aus allen Nähten“, bringt Hans-Jochen Kettler die Gründe für die Umsiedlung auf den Punkt. Eine dringend notwendige Erweiterungsmöglichkeit am gegenwärtigen Standort gibt es nicht. Die Mitarbeiter müssen Reparaturarbeiten vielfach draußen vor der Tür erledigen, und geradezu als Katastrophe bezeichnet die Familie Kettler die Parksituation, denn dass die Busse oftmals dicht gedrängt an der Bahnhofstraße oder an der Lindenallee stehen, sei höchst unbefriedigend.

Die 1959 von seinem Vater und Firmengründer Hans Kettler errichtete Halle und das 1969 gebaute Bürogebäude an der Lindenallee entsprechen nicht mehr den erforderlichen Kapazitäten für den stetig angewachsenen Fuhrpark. Dieser besteht aus 17 Bussen, einem City-Shuttle und einer Großraum-Limousine, die zugleich als Mietwagen eingesetzt wird.

„Die Entscheidung, Bad Rothenfelde nach über 65 Jahren zu verlassen, ist uns nicht leichtgefallen“, ergänzt Ulrike Kettler; letztlich hätten aber neben den räumlichen Aspekten auch wirtschaftliche und umwelttechnische Überlegungen für den Wechsel nach Dissen gesprochen.

Dort hat die Familie Kettler ein rund 8500 Quadratmeter großes Grundstück erworben und den Bauantrag zum Bau einer Halle und für ein Bürogebäude bereits erstellt. In diesem Zusammenhang wird auch eine dreispurige Waschanlage für Lkw errichtet; die einzige im weiten Umkreis, betont Hans-Jochen Kettler. „Damit setzt unser Unternehmen auf ein zweites Standbein. Der Bedarf für eine Lkw-Waschanlage ist da“, unterstreicht Kettler mit Blick auf das in Dissen und Umgebung ansässige Speditionsgewerbe.

Neues Baugebiet

Der Grundstein für den neuen Firmensitz soll aller Voraussicht im März gelegt und der Umzug im Spätsommer vollzogen werden. Insgesamt investiert das Unternehmen 1,5 Millionen Euro. Und während sich die Stadt Dissen schon auf den nächsten Gewerbebetrieb freut, plant die Gemeinde an der Lindenallee ein neues Baugebiet. Bereits heute Abend tagt um 19 Uhr der Planungsausschuss in der Grundschule, um den entsprechenden Bebauungsplan aufzustellen.

Aus bescheidenen Anfängen heraus hat sich die Firma Kettler entwickelt. Alles begann mit zwei Apfelschimmeln: Hans Kettler, der durch den Krieg in das Lazarett nach Bad Rothenfelde kam, absolvierte noch vor Kriegsende mit zwei PS Botenfahrten für die Lazarettverwaltung. Als er aus dem Lazarett entlassen wurde, gründete er am 25. November 1945 ein Fuhrgeschäft. Wichtigste Aufgabe war es zunächst, mit einem Kremserwagen die öffentliche Verkehrsverbindung zwischen dem Kurort und dem Bahnhof sicherzustellen. „Der Mut von damals wurde belohnt“, resümieren heute Sohn Jochen und Schwiegertochter Ulrike im Rückblick auf die Zeit nach dem Krieg. Noch vor der Währungsreform kamen immer mehr Aufgaben auf das junge Unternehmen zu. Mit einem alten Lastwagen startete Hans Kettler ins motorisierte Zeitalter.

Schon bald nahm auch der Fremdenverkehr im Kurort zu. Ein erster Bus wurde in Dienst gestellt, ihm folgten bald weitere. Die kleinen Gäste der Kinderheime wurden nun direkt in ihren Heimatorten abgeholt.

Zu jener Zeit ging es bergauf. Die 50er-Jahre waren geprägt vom Wirtschaftswunder und der Reiselust. So gründete Hans Kettler 1955 ein Reisebüro, um die Sonder- und Ausflugsfahrten für die Kurgäste in die weitere Umgebung besser organisieren zu können. Vier Jahr später wurde die neue Fahrzeughalle in Betrieb genommen.

Im Dienst der Kurgäste

Die stetige Aufwärtsentwickelung des Badeortes vorausahnend, stellte sich Kettler’s Reisedienst speziell auf den Dienst der Kurgäste ein. 1967 wurden zwei moderne und mit allem Komfort ausgestattete Setra-Luxusomnibusse in Dienst gestellt, außerdem ein 17-Sitzer-Mercedes-Bus. Die 70er-Jahre waren geprägt von poppigen Farben, eine Ära der Klubecken, Bars und fetziger Musik. So wurde der Fuhrpark zur „Starparade“.

Kettler’s Reisedienst, seit 1976 eine GmbH, bot in Zeiten von Abba & Co. Reisebusse bis 63 Plätze, ausgestattet für Reisen ins In- und Ausland. Die Toilette im Bus ist selbstverständlich, ebenso die Bar. Und auch die Namen der Busse änderten sich: Eurostar, Clubstar und Teamstar hießen die komfortablen Mobile.

Im Jahr 1970 trat Sohn Hans-Jochen ins Unternehmen ein. Seit 1985 führt er das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Ulrike. Auch in den Händen der zweiten Generation wuchs Kettler’s Reisedienst beständig weiter. Der Fuhrpark wurde weiter vergrößert, und das Angebot um einen Mietwagenservice erweitert.

Heute, mehr als 65 Jahre nach der Gründung, ist Kettler’s Reisedienst eines der führenden Omnibusunternehmen im südlichen Osnabrücker Land.


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