20.04.2017, 20:49 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Mehr als 1000 Jobs in der Region in Gefahr Homann-Werke in Dissen und Bad Essen vor dem Aus

Der Theo-Müller-Konzern will offenbar das Homann-Werk in Dissen schließen. Auch die Produktion in Bad Essen soll eingestellt werden. Foto: Jörn MartensDer Theo-Müller-Konzern will offenbar das Homann-Werk in Dissen schließen. Auch die Produktion in Bad Essen soll eingestellt werden. Foto: Jörn Martens

stek/sta Dissen. Der Theo-Müller-Konzern will offenbar das Homann-Werk in Dissen schließen. Auch die Produktion in Bad Essen soll eingestellt werden. Über 1000 Jobs drohen in der Region wegzufallen. Das bestätigte der völlig schockierte Betriebsrat Andreas Straede am Abend unserer Redaktion.

„Das ist furchtbar.“ Am Donnerstagnachmittag waren Aufsichtsrat und Mitarbeitervertretung im Finanzausschuss des Konzerns in Hannover informiert worden.

Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann war fassungslos, als ihm unsere Redaktion die fatale Nachricht am Donnerstagabend bestätigte. „Das kann doch wohl nicht wahr sein. Wenn es so kommt, ist das furchtbar, vor allem für die Mitarbeiter und die Zulieferbetriebe. Ich denke an all die jungen Familien, die vielleicht gerade ein Haus gebaut haben.“ Er wird am Freitag mit dem neuen Homann-Geschäftsführer Sören Renk sprechen.

Belegschaftsversammlung

Die Mitarbeiter sind für Freitagmorgen um 10 Uhr in eine kurzfristig von der Geschäftsführung einberufenen Belegschaftsversammlung bestellt. Gerüchte zufolge soll dann auch Heiner Kamps in Dissen sein, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Müller-Gruppe.

Ob der neue zentrale Standort für die 500-Millionen-Euro-Investition tatsächlich das sächsische Leppersdorf werden soll, ist noch nicht klar. „Es gibt drei Szenarien“, sagt Straede. Variante eins ist eine Zentrale in Leppersdorf, auf Rang zwei steht Polen. Dissen folgt an dritter Stelle und ist damit in puncto Kosten-Nutzen offenbar aus dem Rennen. „Es deutet alles auf Leppersdorf hin.“ Hier stellt Müller bereits seine Molkereiprodukte her. Einem Bericht der Sächsichen Zeitung zufolge steht derzeit im Gemeinderat Wachau eine Änderung des „Bebauungsplans Gewerbegebiet Leppersdorf“ zur Diskussion. Müller plant demnach eine dichtere und höhere Bebauung des Werksgeländes, was darauf hindeuten könnte, dass die Feinkostproduktion tatsächlich dorthin verlagert werden soll.

Konzern äußert sich noch nicht offiziell

Der Konzern selbst wollte die Schließung der vier Werke in Dissen, Bad Essen-Lintorf, Bottrop und Floh-Seligenthal am Donnerstagabend nicht bestätigen.

Dass er die Feinkost-Produktion in einem hochmodernen neuen Werk für 300 Millionen Euro bündeln will, ist seit Anfang vergangenen Jahres bekannt. Nur die Standortfrage war bislang noch nicht geklärt.

Um die Ansiedlung des Branchen-Riesen rangelten seitdem zahlreiche Standorte, neben Dissen auch das interkommunale Gewerbegebiet im benachbarten Borgholzhausen-Versmold.

Im November hatte die Stadt Dissen, wie von Homann gewünscht, 20 Hektar Fläche an der A33 für den Konzern bereitgestellt.

Homann beschäftigt in Dissen über 1200 Mitarbeiter. Am Standort Bad Essen-Lintorf sind rund 260 Mitarbeiter von Homann und der unternehmenseigenen Logistikfirma Emhage mit Produktion und Lieferung von Ketchup, Mayonnaise und Dressings beschäftigt, unter anderem der Marke „Livio“. Bevor das Werk zu Homann gehörte, produzierte hier die Firma Hamker Ketchup. Nach 100 Jahren wurde das 1907 gegründete Familienunternehmen in der dritten Generation und als einer der größten Ketchup-Produzenten Deutschlands von den geschäftsführenden Gesellschaftern Michael und Klaus Hamker an die Investment-Gesellschaft AIM und somit an das Unternehmen Homann verkauft.

Der Feinkosthersteller Homann erwirtschaftet einen Jahres-Umsatz von 630 Millionen Euro und verarbeitet nach Angaben der Lebensmittelzeitung 322000 Tonnen Ware.


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