18.04.2017, 12:23 Uhr

30 Jahre Musik im Bahnhof Der besondere Jazz-Kontakt in Dissen


Dissen/Bad Rothenfelde. Seit 30 Jahren heißt es nun schon: Großer Bahnhof im kleinen Stationshäuschen genau zwischen Bad Rothenfelde und Dissen. Rund 400 Bands haben hier schon gespielt – darunter Chris Barber und Paul Kuhn mit Hugo Strasser und Max Greger. Jetzt am Samstag kommt die Farmhouse Jazzband. Für Hans Biewener ist der kleine Bahnhofsclub jedoch so viel mehr.

Denn reine Zahlen oder Listen bekannter Musiker – darauf kommt es ihm eigentlich nicht an: „Es ist auch immer der besondere Kontakt, nach dem wir suchen“, sagt der erste Vorsitzende des Jazz Club Dissen-Bad Rothenfelde. Die vielen Begegnungen, die Gespräche, wenn am Ende eines jeden Konzerts die Gage gezahlt wird: Vor allem auch die Freundschaften, die über die Jahre geknüpft wurden. Hans Biewener weist auf ein Sousaphone in einer Ecke des charmanten Konzertraumes hin, der auch am Tag, bei hochgezogenen Jalousien, wohlig dämmrig ist. „Ein Geschenk von Lous Dassen“, sagt Biewener. Als Dassen ihren bekannten Düsseldorfer Club „Doc Music“ schließen musste, überließ die Holländerin den Dissenern das Instrument – eine Tuba, die Musiker um ihren Körper hängen. Es war ein Zeichen der Wertschätzung für einen Verein, der nun seit 30 Jahren mit seinen Konzerten den ursprünglichen Jazz fördert und hochhält.

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Ein Anfang im alten Kino

Angefangen hat alles mit einer Gruppe von Dissener Jazz-Liebhabern. „Die Idee entstand aus dem Wunsch heraus, nicht immer bis zum Farmhouse Jazzclub Harsewinkel fahren zu müssen“, erinnert sich Hans Biewener. Jazz vor der Haustür – diesen Wunsch verwirklichte die kleine Gruppe schließlich mit der Vereinsgründung im Jahr 1986. Jazz at the Railwaystation war damals noch nicht geboren, denn zunächst quartierten sie sich in der Kneipe Jeverfass und dann im alten Kino Rosinenstraße ein. 1992 kam dann das Mietverhältnis mit der Deutschen Bahn zustande. „Der Bahnhof bietet im Vergleich zum Alten Kino viele Vorteile“, sagt der Vereinsvorsitzende. Denn der Raum ist wesentlich größer als das alte Kino – und bietet jede Menge Komfort. Ein muss bei den stetig wachsenden Besucherzahlen in diesen ersten Jahren.

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Ein Club für Genießer

Alleine ein Gang durch den langen Vereinsklub mit den hohen schmalen Fenstern, lässt den Geist von Clubs am Old Man River erwachen. Ein Vergleich, den die Dissener keinesfalls zu scheuen brauchen. „Wir haben hier hin und wieder auch Besuch aus Amerika“, berichtet Wolfgang Simon, der neue geschäftsführende Vorstand des Vereins. Die waren immer voll des Lobes. Neben diesem ursprünglichen Charme sind es wohl auch die Möglichkeiten, die die alte Railwailstation zu etwas Besonderem machen. Vorne ist Platz für Stuhlreihen – oder wahlweise zum Tanzen – trotz des historischen Schildes „Swingtanzen verboten“. Hier ist der nahe Kontakt zu den Künstlern möglich, der Blickkontakt mit den Musikern. Weiter hinten ist eine Bar mit Sitzmöglichkeiten – für jeden der den Jazz liebt, aber auch einem Gals Wein und einem leisen Gespräch nicht abgeneigt ist. Zu hören ist ursprünglicher Jazz, in sämtlichen Stilrichtungen. Ein Club für Genießer.

Alt bewährte Erfolgsrezepte

Mit einer Vorlaufzeit von etwa zwei Jahren werden Bands und Solomusiker eingeladen und engagiert. „Wir versuchen immer, einen guten Mix hinzubekommen“, erklärt Hans Biewener. Damit meint er auch eine Mischung zu liebgewonnenen alten Bekannten und neuen entdeckten und gewonnenen Musikern. Ein mittlerweile alt bewährtes Erfolgsrezept. Trotzdem: „Es gibt natürlich auch Enttäuschungen“, so der Vorsitzende. Manche Bands legen perfekte Erstauftritte hin. Im nächsten Jahr geht dann alles schief. Mehr aus Dissen im Netz

Konzerte in diesem Jahr

Auch in diesem Jahr gibt es Wiedersehen: Die „Papa Binnes Jazz Band“, ein Berliner Original, kommt am Samstag, 13. Mai um 20 Uhr. Schon am kommenden Samstag, 22. April, ist die Farmhouse Jazzband aus Groningen auf der Bühne . Am Samstag, 10. Juni um 20 Uhr, geht es dann mit „Frits Kaatee‘s Hot Music“ weiter; am 9. Juli tritt das „Clarinet&Sax Revival Quartett“ beim Jazz-Frühshoppen um 11 Uhr auf. Am 27. August ist ein zweites Frühshoppen angesetzt, ab 11 Uhr spielt die „Schräglage Jazzband“. Am 23. September geht es wieder abends um 20 Uhr weiter mit den „The New Orleans Revival Stompers“. Am 21. Oktober tritt um 20 Uhr „Papa’s Finest Boogie Band“ auf. Am 11. November kommen die „Bourbon Street Stompers“ ebenfalls um 20 Uhr und als letzte Band des Jahres werden am 9. Dezember wieder alte Bekannte kommen: Die „Stable Roof Jazz & Blues Band“.


Farmhouse Jazzband

Die 1982 gegründete Farmhouse Jazzband aus Groningen löste sich schon ein Jahr später auf. 2014 aber gelang es Erwin Schoen, sie neu zu gründen. Ihm bot sich die einmalige Chance, die perfekt aufeinander eingespielte, erfolgreiche Rhythm-Sektion von damals wieder zu Ehren zu bringen.

Diese Basis-Besetzung hat er mit zwei hervorragenden Blech-Bläsern komplettiert. Die so entstandene Sechs-Mann-Band bietet eine Reihe von Stilrichtungen an: New-Orleans-Jazz, Swing, Gospel, englischer Trad-Jazz und Bluesrock.

Besetzung: Ben Weaver, Bass, Cees Heegstra, Schlagzeug, Erwin Schoen, Klarinette, Saxophon, Banjo, Bass und Gesang, Hans van Wermeskerken, Posaune, , Rob van Bergen, Trompete, Gesang, William Lütje Schipholt Banjo und Gitarre.

Karten gibt es an der Abendkasse oder im Vorverkauf bei der Kur- und Touristik GmbH, Bad Rothenfelde, Am Kurpark 12, Telefon (05424/2218268. Kartenreservierung sind telefonisch oder per Fax rund um die Uhr unter 05421/2863 (mit Anrufbeantworter) oder unter Kartenvorbestellung@Jazz-Club-Dissen.de möglich.

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