03.04.2017, 15:20 Uhr

Mit Testgelände für 20-Tonner Jung und bodenständig: Claas kommt in Dissen an


Dissen. Sie kommen, um zu bleiben. Wenn im Herbst 200 Mitarbeiter ins neue Entwicklungszentrum des Landmaschinengiganten Claas an der Dissener Autobahn 33 einziehen, wollen sie frischen Wind in die Stadt bringen. „Wir sind jung, bodenständig und nah dran an unseren Kunden“, sagt Christian Radons und schaut aus dem dritten Stock des Neubaus auf die umliegenden Felder. „Sehen Sie, da fährt gerade ein Trecker – allerdings in der falschen Farbe“.

Dem Traktor fehlt das Claas-Grasgrün, das den E-Systems-Geschäftsführern Radons und Carsten Hoff durch die Adern fließt. Claas-Tochter E-Systems, noch an zwei Standorten in Ostwestfalen ansässig, bündelt die Kompetenzen in Elektrik, Elektronik und Software. So kommt Big Data auf den Bauernhof. Damit die klügste Technik die dicksten Kartoffeln erntet.

Eigene Waschstraße

Die Dissener Entwicklungszentrale bekommt neben Büros, Labors und Werkstatthallen auch ein Testgelände für Prototypen. „Keinen Nürburgring, aber eine Bahn zum Erproben von Überladungs- und Lenkvorgängen“, sagt Hoff. Auf die klassische Stadionrunde von 400 Metern passen selbst die wuchtigen Mähdrescher, die samt Schneidwerk auf zwölf Meter Breite kommen. Nach dem Testlauf bei Wind und Wetter werden die 20-Tonner in der eigenen Waschstraße geschrubbt.

Für 250 Mitarbeiter baut E-Systems im ersten Schritt – mit der Option, auf der fünf Hektar großen Fläche weiter zu wachsen und noch mehr Informatiker, Elektroingenieure, Maschinenbauer, Produktmanager und studierte Landwirte einzustellen.

Im Durchschnitt Mitte 30

Smart Farming funktioniert durch Telematik, die Verbindung von Telekommunikation und Informatik. So jung wie die Zukunftssparte sind die Mitarbeiter. „Das Durchschnittsalter liegt bei Mitte 30“, erklärt Carsten Hoff.

Sie kommen aus Osnabrück, Münster, Gütersloh oder aus dem eine Viertelstunde entfernten Harsewinkel. Die ersten ziehen schon nach Dissen. Ihre Fähigkeiten sind gefragt, deshalb möchte E-Systems auch von außen attraktiv wirken.

Innere Werte, mit denen man punkten möchte, sind beispielsweise eine eigene Kantine, in der frisch gekocht wird, eine Kaffeebar, lichtdurchflutete Räume für Einzel- und Teamarbeit, vielleicht ein Sportangebot. Am Standort Gütersloh gibt es das schon: Dort trainiert ein Hermannslaufsieger die Laufmannschaft.

Nur 20 Prozent im eigenen Büro

Radons will in den neuen Büros über Hierarchieebenen hinweg arbeiten: „Ich möchte kein klassisches Chefbüro haben und plane, 20 Prozent der Zeit in meinem Büro und 80 Prozent mit den Mitarbeitern zusammen zu verbringen.“ Schließlich dreht sich bei E-Systems alles um Vernetzung. Landmaschinen werden mit intelligenten Technologien ausgerüstet, um miteinander zu kommunizieren und Prozesse automatisch abzustimmen.

Für die digitalisierte Landwirtschaft entwickelt E-Systems GPS-Lenksysteme mit drei Zentimeter Genauigkeit, sorgt für eine Flottensteuerung über die Cloud, das passende Navi, kamerabasierte Assistenzsysteme und die Steuergeräte.

Sauen-Manager

Was dabei herauskommt? Zum Beispiel der Sauen-Manager, der die Brunstzeit der Tiere exakt bestimmt, Sensoren für den Stickstoff-Versorgungsgrad des Ackers oder eine Smartphone-App, die die Querverteilung des Düngestreuers überprüft – Landwirtschaft ist nicht mehr nur Sache von Gefühl und Erfahrung, sondern präzise Technik. Die Helfer aus der Software passen sich den Betrieben an.

Das geht, wenn die Kommunikation zwischen den landwirtschaftlichen Maschinen, dem Stall und dem Bauernhofbüro funktioniert: Vernetzte Mähdrescher funken ihre Position per Satellit, fahren mit moderner Sensortechnik selbstständig über den Acker, drücken aufs Tempo, wenn Regen droht, messen den Silo-Füllstand und fordern passgenau Traktoren an, die das gedroschene Getreide vom Feld holen. Das ist oft genug eine Sache von Minuten und Zentimetern.

Gute Restaurants

Mit ihrem neuen Firmenstandort sind Hoff und Radons bestens zufrieden. „Wir freuen uns auf den Einzug.“ Nur an einer Sache könnte ihrer Meinung nach noch geschraubt werden. „Wir wünschen uns mehr Hotels und Restaurants in und um Dissen.“


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