26.02.2015, 18:17 Uhr

Tönnies stellt Werke neu auf Entlassungen in der Fleischbranche bei Schulte und Nölke

Jetzt ist es amtlich: Bei Schulte in Dissen müssen insgesamt 100 Mitarbeiter gehen. Die Stellen der übrigen 190 Beschäftigten sollen bis 2020 sicher sein. Foto: Achim KöppJetzt ist es amtlich: Bei Schulte in Dissen müssen insgesamt 100 Mitarbeiter gehen. Die Stellen der übrigen 190 Beschäftigten sollen bis 2020 sicher sein. Foto: Achim Köpp

Dissen. Fast zeitgleich erfuhren die Mitarbeiter von Schulte und Nölke am Donnerstag, dass Teile der Belegschaften ihren Job verlieren. Während die Zahl der Entlassungen im Dissener Fleisch- und Wurstunternehmen kleiner ausfällt als vor einem Jahr angekündigt, trifft es Nölke in Versmold umso härter. Die betroffenen Mitarbeiter wurden direkt nach den Versammlungen informiert.

In Versmold sollen 200 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, 114 gewerbliche, 30 in der Verwaltung sowie 56 geringfügig Beschäftigte. Geschlossen werden das Menzefricke-Werk und der Standort Wusterhausen. Diese seien nicht modernisierungsfähig. Mit der Konzentration auf das Hauptwerk Versmold solle der Standort mit 350 Arbeitsplätzen gestärkt werden. Wie das Unternehmen mitteilt, gebe der Umbau der Firma eine klare Perspektive: „Mit guten Produkten und starken Marken wettbewerbsfähig bei den Kunden zu sein.“

Bei Schulte müssen bis Ende September 62 der 252 Festangestellten gehen. Hinzu kommen nach Angaben des Betriebsrates 40 bis 50 Leiharbeiter. Damit verlieren weniger Mitarbeiter ihren Job als im April 2014 angekündigt . Damals war die Rede von 167 Entlassungen. Mit dem Ergebnis der Verhandlungen ist Betriebsrat Holger Steuer deshalb „sehr zufrieden. Wir haben eine nachhaltige Lösung für den Standort Dissen gefunden.“

Wer nicht gegen seine Kündigung klagt, soll mit einer Klageverzichtsprämie in Höhe von 5000 Euro „belohnt“ werden. Eine Transfergesellschaft wird es nicht geben. Die Entscheidung, wer entlassen wird und wer nicht, sei nach Maßgaben eines Sozialplanes gefallen, so Steuer. Gehen müssen demnach eher jüngere, kürzer Beschäftigte ohne Kinder. Diese hätten ihre Kündigungen mit Fassung aufgenommen.

Nach Angaben des Betriebsrates wurde für die 190 Mitarbeiter, die bleiben dürfen, eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2020 vereinbart. Die Zur-Mühlen-Gruppe will sich nach eigenen Angaben in Dissen auf ihr Kerngeschäft Rohwurst mit den beliebten Pfefferlingen und Mini-Mettis, neue Produkte und die Anlaufproduktion für andere Werke konzentrieren. Nach Angaben des Unternehmens soll der Umbau am Standort Dissen Ende September abgeschlossen sein.

„Für die Mitarbeiter, die gehen müssen, ist das schade und schmerzlich“, reagierte Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann auf die Entlassungen. Aber es sei gut, dass der weitaus größte Teil der Arbeitsplätze gesichert sei.

Vor einem knappen Jahr war Schulte – zum zweiten Mal – in Turbulenzen geraten. Damals musste der Betriebsrat die Mitarbeiter darüber informieren, dass mehr als die Hälfte der 300-köpfigen Belegschaft entlassen werden sollte. Konkret ging es um 130 eigene und 37 Leiharbeiter.

Schulte gehört seit 13 Jahren zur Zur-Mühlen-Gruppe von Fleisch-Tycoon Clemens Tönnies. Tönnies-Sprecher Markus Eicher hatte die geplanten Entlassungen im April 2014 mit der „Notwendigkeit zu Umstrukturierungen in Dissen“ begründet.

Bernhard Hemsing von der Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten vermutete stattdessen, dass die fehlende Auslastung einer neuen Fabrik in Delmenhorst eine Ursache der geplanten Kündigungen war. Seitdem kämpfte der Betriebsrat um Holger Steuer fieberhaft für eine einvernehmliche Lösung.

Schulte wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Fleischwarenversand gegründet und war in den 50er-Jahren größter deutscher Fabrikant von Sülzen. Die Firma expandierte und kaufte nach der Wende ein Werk in Zerbst zu. Zehn Jahre später geriet die Firma ins Schlingern. 250 Beschäftigte verloren den Job. Die Zur-Mühlen-Gruppe, zu der auch Redlefsen und Böklunder gehören, sprang in die Bresche.


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