23.10.2014, 16:30 Uhr

Unternehmer hatte Interesse Arabische Patienten in Dissener Klinikbetten?

Die Investoren für das Dissener Krankenhaus sollten aus dem MIttleren Osten kommen. Foto: dpaDie Investoren für das Dissener Krankenhaus sollten aus dem MIttleren Osten kommen. Foto: dpa

Dissen. Wurde bei der Suche nach einem Investor für das Dissener Krankenhaus eine Rettungschance verspielt? Das behauptet zumindest ein Interessent für die Klinik. Nach Informationen unserer Redaktion hatte sich Norbert Seis aus dem bayerischen Volkach mit seiner Promed-Klinikgruppe um das 127-Betten-Haus beworben. Seis bestätigte das auf Anfrage.

Erreicht haben wir den umtriebigen Unternehmer in Dubai, wo er Patienten mit seinem Kin-Tape-System, Klebebändern gegen Gesundheitsbeschwerden, behandelt. Am Telefon erklärt Seis: „Wir hatten großes Interesse an der Klinik, hätten Haus und Arbeitsplätze gerettet.“ Das Geld sollte vor allem von Investoren aus dem Mittleren Osten kommen. Auch die Patienten sollten im arabischen Raum angeworben werden und in Dissen in den Genuss neuartiger Behandlungsmethoden kommen. Dafür wollte Seis seine Drähte nach Dubai spielen lassen. Dabei habe er aber nicht solvente Scheichs im Blick gehabt, sondern ganz normale Patienten. „Warum man uns nicht akzeptiert hat, weiß ich bis heute nicht“, sagt der Bayer. Er frage sich nun, ob man eine Rettung der Klinik überhaupt gewollt habe.

Seis ist nach eigenen Angaben geschäftsführender Gesellschafter der Promed-Klinik, einer ambulanten Praxisklinik, und der Kin-Tape-GmbH in Volkach. Bis 2003 sei er Verwaltungsleiter der Volkacher Helios-Klinik gewesen. Außerdem habe er sich als Area Manager für den Mittleren Osten um die Akquisition arabischer Patienten für die Helios-Kliniken bemüht.

„Ich bin jetzt selbstständig und betreibe ein ambulantes Zentrum für arabische Patienten in Volkach“, sagt Seis. „Da haben auch viele gesagt, das klappt nie, diese Klientel in ein Kaff mit 6000 Einwohnern zu bringen.“ Operiert würden die Patienten in zwei regionalen Krankenhäusern. Besser sei es jedoch, Behandlung und Reha unter einem Dach anzubieten. Dieses Modell hätte er sich auch für Dissen vorgestellt. Mit seiner Promed-Klinik bringe er den Krankenhäusern 30 bis 40 Patienten im Jahr in Klinikbetten. Für die Abrechnung habe er ein eigenes Konzept entwickelt. Deswegen ärgert sich Seis über die Begründung des Gläubigerausschusses für das Klinikum Dissen, das ihn mit der Begründung „kein Konzept und keine Mittel“ abgelehnt habe.

Zwei Stunden vor Ende der Abgabefrist für Interessenten sei er darüber informiert worden, dass er seine Investoren nennen müsse. „Ich werde den Teufel tun, die in dieser Phase zu nennen“, empört sich Seis. Schließlich sei die nötige Umstrukturierung mit vielen Fragezeichen verbunden, zum Beispiel dem, ob das Ministerium sie genehmigt hätte.

Seis ist international unterwegs. So präsentierte er seine Firma Akud-Medpharm im Mai auf der Medizinfachmesse in Kasachstan, einer der vom Bundeswirtschaftsministerium gelisteten Auslandsmessen. Mit einer Delegation um die bayerische Wirtschaftsstaatssekretärin bereiste er Kuba, mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Moskau.

Im Internet findet sich zu Seis’ Promed-Klinik wenig Konkretes. Auf der Homepage laufen Links wie die zu Fachrichtungen oder Standorten ins Leere. Stattdessen tauchen Allgemeinplätze zu Gesundheit und Sportmedizin auf. Die eigene Akademie besteht, so die Homepage, aus zwei Sportmedizinern und Norbert Seis. Aus dem von ihm vor einigen Jahren geplanten Aufbau einer Sportmedizinklinik in Dubai ist nichts geworden: „Das Projekt ging leider den Bach runter.“ Zwei Krankenhäuser in Süddeutschland, die er übernehmen wollte, haben heute andere Betreiber.


0 Kommentare