24.07.2014, 14:41 Uhr

Aufsichtsrat tagt heute Abend Dissen: Über 400 Klinik-Mitarbeiter haben kaum Hoffnung

Schwarzer Humor: Auf den Durchgangstüren macht ein Cartoon des Fördervereins für die Albertine, wie das Krankenhaus heute noch im Volksmund heißt, deutlich, was die Mitarbeiter von der drohenden Schließung halten. Foto: privatSchwarzer Humor: Auf den Durchgangstüren macht ein Cartoon des Fördervereins für die Albertine, wie das Krankenhaus heute noch im Volksmund heißt, deutlich, was die Mitarbeiter von der drohenden Schließung halten. Foto: privat

Dissen. Lange schwankten sie zwischen Hoffen und Bangen. Jetzt hat bei den Mitarbeitern des Dissener Klinikums das Bangen die Hoffnung erdrückt. Heute Abend tagt der Aufsichtsrat des Südkreis-Krankenhauses. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass die Muttergesellschaft, das Klinikum Osnabrück, und deren Träger, die Stadt Osnabrück, das 130-Betten-Haus in Dissen in eine Insolvenz führen will. Ein beklemmender Blick in die Gemütslage der Mitarbeiter.

In ein paar Stunden wird die Entscheidung bekannt gegeben, wie sich das Nein des Landes zu Fördergeldern für eine Modernisierung der Klinik auf ihren Bestand auswirken wird. Der Aufsichtsrat tagt um 17 Uhr. Für 20 Uhr ist eine Betriebsversammlung angesetzt. Für eine weitere hat sich Freitagfrüh Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert angesagt.

Davon ist im Krankenhaus auf den ersten Blick nichts zu spüren. Der Betrieb läuft. Patienten suchen sich ihren Weg zum Behandlungszimmer, Schwestern eilen mit Medikamenten und Verbänden in die Patientenzimmer, in der Notaufnahme ist gerade kurz Zeit, in einen Apfel zu beißen.

Gedrückte Stimmung

Doch bei aller Routine: Die Stimmung ist gedrückt. Alle Mitarbeiter fragen sich: Wie oft werden wir morgens noch an unsere Arbeitsplätze kommen dürfen.Mit Unterlagen in der Hand eilt Jessica Häuflich durch das Foyer zur Notaufnahme. Wie es ihr geht? „Ich bin sehr angespannt“, sagt sie. Inzwischen nehme sie die schlechten Gedanken auch mit nach Hause, ihre Befürchtungen brechen sich in Bauchschmerzen und Schlaflosigkeit Bahn.

„So schlimm war es in den letzten zehn Jahren noch nie“, erzählen die Krankenschwestern Anja Schäfer und Birgit Happeck. Sie haben schon mehrere Krisen der Klinik mitgemacht. Schäfer arbeitet seit 24 Jahren im Klinikum. „Aber jetzt ist es doch eine andere Situation. Es ist beklemmend.“ Beide rechnen für heute Abend mit der Bekanntgabe der Insolvenz. „Und dann ist die Frage, wie lange Dissen noch existiert.“

Mit Blick auf Schwesternschülerin Karina Beermann erinnern sie auch an die Situation all der Krankenpflegeschüler, die vermutlich mitten in ihrer Ausbildung die Klinik wechseln müssen.

Auch Hans Kemper und Detlef Risse schlafen schlecht. Immer wieder stellen sich die beiden Betriebsräte die Frage: Haben wir genug getan? „Aber wir haben wirklich alles was möglich war gemacht – und wir kämpfen weiter für den Standort Dissen“, sagt Kemper.

„Ein Schlag ins Gesicht“

Überrascht wurden die Krankenschwestern in der Notaufnahme von der Ankündigung, eventuell 30 Betten in Georgsmarienhütte anzusiedeln. „Das ist ein Schlag ins Gesicht“, findet Petra Köhne-Lond. Dennoch, wirft Happeck ein, sei es wichtig, dass jetzt endlich eine Entscheidung gefällt wird. „Wir brauchen Klartext.“

Sie alle arbeiten gerne hier. „Wir haben einfach ein familiäres Klima. Wo gibt es das schon, dass einem der Pförtner am Geburtstag eine SMS schickt“, erzählt Schäfer. „Und man hilft sich gegenseitig.“ „Das stimmt“, ergänzt Happeck. „Hier ist man noch Mensch, das mögen auch unsere Patienten sehr.“

Die Pause ist vorbei, ihre Arbeit geht weiter. Und im Foyer steht immer noch ein Tisch mit einer Unterschriftenliste, in die sich jeder eintragen kann, der sich für den Erhalt der Klinik einsetzen möchte. 39000 haben schon unterschrieben.


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