30.11.2016, 18:37 Uhr

Am Nachmittag beim Amtsgericht Bramscher Automobilzulieferer Heyform meldet Insolvenz an

Die Heyform Bramsche GmbH stellt in Engter Verkleidungsteile für Fahrzeuginnenräume sowie akustische und thermische Isolationsteile her. Foto: Marcus AlwesDie Heyform Bramsche GmbH stellt in Engter Verkleidungsteile für Fahrzeuginnenräume sowie akustische und thermische Isolationsteile her. Foto: Marcus Alwes

Engter. Der finanziell angeschlagene Automobilzulieferer Heyform Bramsche GmbH hat Insolvenz angemeldet. Der entsprechende Antrag der Unternehmensführung aus Engter wurde am frühen Nachmittag beim zuständigen Amtsgericht im benachbarten Bersenbrück abgegeben.

Die Juristen dort wollen nun bis zum morgigen Donnerstagnachmittag entscheiden, wer als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt wird . Dessen Aufgabe ist es dann, zu prüfen, ob eine wirtschaftliche Fortführungsperspektive für das Unternehmen besteht, Gläubiger bedient werden können und es zu einer offiziellen Eröffnung eines Insolvenzverfahrens kommen kann – oder mangels Masse eine sofortige Liquidation erfolgen muss. Die Zukunft von rund 250 Beschäftigten in Engter bleibt damit vorerst ungewiss.

Heyform-Geschäftsführer Klaus-Magnus Junginger wollte unterdessen gegenüber unserer Redaktion nur bestätigen, den Insolvenzantrag beim Amtsgericht eingereicht zu haben. „Vor der Einsetzung eines vorläufigen Verwalters und Gutachters werden und dürfen wir uns nicht weiter öffentlich äußern. Da bitte ich um Verständnis“, so Junginger.

Ab Januar kein Dach mehr über dem Kopf

Doch die Reihe von Problemen, die aktuell bei Heyform dringend zu lösen sind, scheint auf den ersten Blick gewaltig: Rund vierzig Prozent des Maschinenparks aus Engter sind bereits auf dem Weg nach Rumänien und Tschechien, weil ohnehin aus Kostengründen eine Verlagerung eines Großteiles der Produktion ins Ausland zum 1. Januar 2017 vorgesehen war. Was wird aus diesen Geräten, die echtes Kapital darstellen? Ferner sind die Werkshallen und Geschäftsräume an der Heywinkelstraße bereits zur Jahreswende an das Nachbarunternehmen Heytex GmbH (ein international agierender Hersteller technischer Textilien) verkauft. Die Heyform-Führung und deren Belegschaft haben somit in der Region Bramsche in Kürze kein Dach mehr über dem Kopf. Und auch keine Produktions- und Arbeitsstätte, um laufende Aufträge zu bedienen. Entsprechende Hallen und Räume im Besitz der Heyform-Gruppe stehen dann nur noch im tschechischen Ceska Lipa und neuerdings im rumänischen Timisoara zur Verfügung.

Soldanski: „Ich bin verwundert“

Wahrscheinlich ist zudem die Gründung einer Transfergesellschaft unter dem Dach der Quotac Management GmbH aus Bremen vorerst geplatzt. Sie sollte für rund 170 Beschäftigte aus Engter ein vorläufiges Auffangbecken und eine Weitervermittlungsstelle sein. Doch weil bislang nicht ein Euro oder Cent von Seiten des Automobilzulieferers in die Kasse der Gesellschaft eingezahlt worden ist, unterschreiben Vertreter der Quotac nicht die im ausgehandelten Sozialplan eigentlich vorgesehenen Drei-Seiten-Verträge .

„Ich bin verwundert, dass die Mutter nichts macht“, schüttelt der Gewerkschaftsbevollmächtigte Stephan Soldanski ungläubig staunend den Kopf. Die Mutter – damit meint der IG-Metall-Mann die Heyform-Mehrheitsgesellschafterin Dubag aus München und deren finanzielles (Nicht-)Engagement in der augenblicklichen Situation. Für Soldanski ist klar, dass nun als Sachwalter bzw. als Insolvenzverwalter „ein starker Mann gefragt“ sei. Dieser müsse zum einen den Ursprungsplan, eine Vertriebs- und Entwicklungsabteilung von Heyform sowie einen Teil der Produktion in der Region Bramsche/Osnabrück zu sichern, doch noch realisieren. Zum anderen, so Soldanski, gelte es, auch „das Vertrauen bei den Kunden zu erhalten“.

Belegschaft erhält Insolvenzausfallgeld

Der Heyform-Belegschaft steht nach dem Insolvenzantrag nun ein dreimonatiges Insolvenzausfallgeld zu. Dieses muss über die Agentur für Arbeit oder über ein Formular auf deren Internetseite beantragt werden. Und zwar rechtzeitig unter Beachtung von Fristen.


Die Wettbewerbssituation der Heyform Bramsche GmbH:

Die von Klaus-Magnus Junginger und Holger Pens seit dem Frühjahr 2016 geführte Heyform Bramsche GmbH in Engter ist eine von zwei Nachfolgegesellschaften der früheren Julius Heywinkel GmbH.

Mehrheitsgesellschafter bei Heyform ist seit dem Jahr 2015 die Münchner Beteiligungsgesellschaft Dubag, die das Unternehmen vom Hannoveraner Finanzinvestor Nord Holding übernahm.

Heyform als Automobilzulieferer (vor allem Fertigung von Verkleidungsteilen für den Fahrzeuginnenraum sowie von akustischen und thermischen Isolationsteilen) muss sich dabei immer mehr einem zunehmenden Preiskampf auf dem nationalen und internationalen Markt stellen. Dazu kommen ein immer schnellerer technologischer Wandel und die Digitalisierung als große Herausforderungen im Automobilsektor.

Zu den bekanntesten Auftraggebern von Heyform zählen „aktuell“ unter anderem der VW-Konzern (mit den Marken Porsche, VW und Audi) sowie der niederländische Lastkraftwagenhersteller DAF.

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