21.11.2016, 18:31 Uhr

Neue Bamf-Einrichtung Was ändert sich in Hesepe durch das Ankunftszentrum?

In Containerbauweise hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zusammen mit der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen und der Arbeitsagentur ein Ankunftszentrum eingerichtet. Foto: Michael GründelIn Containerbauweise hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zusammen mit der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen und der Arbeitsagentur ein Ankunftszentrum eingerichtet. Foto: Michael Gründel

Bramsche. In der vergangenen Woche ist in der Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber in Hesepe ein „Ankunftszentrum“ eingerichtet worden, in dem Asylanträge schneller als bisher bearbeitet werden sollen. Aber was bedeutet das denn nun genau?

Ehrenamt bleibt gefragt

„Nichts“, sagt Maria Stuckenberg, die Ehrenamts-Koordinatorin – bezogen aber erst einmal nur eben auf das Wirken der Ehrenamtlichen. „Ziel des Ankunftszentrums ist es ja, in einfachen Fällen innerhalb von 48 Stunden über einen Asylantrag zu entscheiden. Einige Flüchtlinge werden also schnell wieder aus der LAB weg sein – das war aber auch schon in der Vergangenheit so“, führt Stuckenberg aus. Genauso werde es aber auch weiterhin Asylbewerber geben, die länger in Hesepe bleiben, weil die Antragsbearbeitung aufwendiger ist. „Und für diese Flüchtlinge ist auch weiterhin die Kleiderkammer wichtig und dass die Bramscher dafür spenden“, sagt Stuckenberg. Und auch die Ehrenamtlichen aus den Vereinen und Verbänden im „Netzwerk LAB“ würden weiterhin aktiv bleiben und sich um die Menschen kümmern, die in der Aufnahme-Einrichtung untergebracht sind. „Die Ehrenamtlichen wollen ihr Angebot noch etwas modifizieren“, schildert Stuckenberg. In der Begegnungsstätte sollten Flüchtlinge noch mehr als bisher die Möglichkeit bekommen, „einfach anzukommen, sich auszuruhen“, sagt die Ehrenamts-Koordinatorin. Es solle auch noch mehr reine Freizeitangebote geben wie Kochen und Musik. „Das hat aber mit dem Ankunftszentrum nur wenig zu tun, sondern hat sich aus den bisherigen Erfahrungen so ergeben“, betont Stuckenberg“.

Ob in der LAB Hesepe zukünftig vermehrt wieder Asylbewerber „mit geringer Bleibeperspektive“, wie es im Amtsdeutsch heißt, untergebracht sein werden, will indes die Bramscher Polizei beobachten. „Es werden Menschen in der LAB untergebracht sein, die sich auf ihr neues Leben hier in Deutschland freuen, die hochmotiviert und integrationswillig sind. Auf der anderen Seite womöglich aber auch Menschen, die erkennen müssen, dass sich all die Mühen der Flucht nicht gelohnt haben und dass sie bald wieder zurückkehren müssen“, erklärte die Bramscher Kommissariats-Leiterin Ann Oldiges in einem Gespräch mit den Landtagsabgeordneten Filiz Polat (Bündnis 90/Die Grünen) und Clemens Lammerskitten (CDU) . Aus dieser Kombination an unterschiedlichen Interessenlagen „könnte sich ein Konfliktpotenzial ergeben, muss es aber nicht“, meinte Oldiges.

Stationen gebündelt

Und im Ankunftszentrum selbst? Wie wollen die Landesaufnahmebehörde und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) es erreichen, dass nun Asylanträge viel schneller bearbeitet werden können als bislang? „Ankunftszentren sind die erste Anlaufstelle für neu ankommende Asylsuchende , in denen viele bis dato auf mehrere Stationen verteilte Schritte im Asylverfahren gebündelt werden“, teilt die Pressestelle des Bamf mit. Und weiter: Das Personal sei dafür aber nicht aufgestockt worden.

Das „auf eine möglichst schnelle und ökonomische Abarbeitung von Asylanträgen ausgerichtete Verfahren“ in Ankunftszentren wurde in der Vergangenheit immer wieder von Flüchtlingshilfeorganisationen wie dem Netzwerk AMBA (Aufnahmemanagement & Beratung für Asylsuchende in Niedersachsen) kritisiert, dem unter anderem der Flüchtlingsrat Niedersachsen, die Caritas und die Diakonie angehören. Mit Bezug auf das Ankunftszentrum Fallingbostel – bis letzte Woche das erste und einzige in Niedersachsen – fehle es an „Mindeststandards eines fairen Asylverfahrens“.

Hesepe besser ausgestattet als Fallingsbostel

In Hesepe sieht es nach Ansicht von Kai Weber vom Flüchtlingsrat Niedersachsen allerdings besser aus: Durch den Sozialdienst der Landesaufnahmebehörde würden traumatisierte Flüchtlinge betreut, das Netzwerk an Ehrenamtlichen biete eine wertvolle Unterstützung. Zu hinterfragen sei aber die Qualität der Entscheidungen über die Asylanträge durch das Bamf. „Die Bewertung einiger Herkunftsländer hat sich leider verändert“, sagt Weber. Zu fragen sei auch, ob die Asylbewerber in den Ankunftszentren genügend Zeit erhalten, ihren Antrag zu begründen und sich ausreichend auf die in dem Verfahren besonders wichtige Anhörung vorzubereiten.

Die Landesaufnahmebehörde erklärt dazu, die Antragsteller – also die Asylbewerber – würden bereits bei der Registrierung über den weiteren Ablauf von der Erstuntersuchung bis zur Antragstellung informiert. Die Organisation AMBA führe eine unabhängige Beratung zum Asylverfahren durch. Und: Die Antragsteller selbst hätten „ein hohes Interesse an einer zeitnahen Umsetzung der administrativen Prozesse. Insbesondere die Antragsstellung und die damit verbundene zeitnahe Überprüfung der Ansprüche haben für die geflüchteten Menschen eine große Bedeutung“.


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