16.11.2016, 18:36 Uhr

Zweites in Niedersachsen Neues „Ankunftszentrum“ für Asylbewerber in Hesepe


Bramsche. Im Bramscher Ortsteil Hesepe ist am Mittwoch ein „Ankunftszentrum“ für Asylsuchende durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) offiziell in Betrieb genommen worden. Ziel ist es, hier Asylverfahren zu beschleunigen.

Unter dem Dach des Ankunftszentrums in der Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber kooperiert das Bamf mit der Landesaufnahmebehörde (LAB) Niedersachsen und der Bundesagentur für Arbeit. Gebündelt werden sollen alle Verfahrensschritte von der Registrierung über die medizinische Erstuntersuchung über die Asylantragstellung und Anhörung bis hin zu einer ersten Arbeitsmarkt-Orientierung.

Schnellere Verfahren

Asylsuchende werden nunmehr nach der Registrierung in sogenannte „Cluster“ eingeteilt: Dies sind zum einen Antragsteller mit hoher Bleibeperspektive, die im besten Fall innerhalb von 48 Stunden ihren Bescheid erhalten und anschließend auf die Kommunen verteilt werden sollen. Zum anderen Menschen mit geringer Bleibeperspektive, die beispielsweise aus einem sogenannten „sicheren Herkunftsland“ stammen. Diese bleiben bis zur endgültigen Entscheidung im Ankunftszentrum oder einer angeschlossenen Erstaufnahme-Einrichtung untergebracht. Das gilt auch für Asylbewerber, bei denen eine intensivere Prüfung erforderlich ist, sowie bei Personen, die ihren Asylantrag eigentlich in einem anderen europäischen Land hätten stellen müssen und eine Rückführung dorthin geprüft werden muss.

„Funktionierendes System“

Bei der offiziellen Eröffnung des Ankunftszentrums verwies dessen Leiter Wolfgang Söthe darauf, dass das Bamf auch bisher schon in der Aufnahme-Einrichtung in Hesepe gewirkt hat. „Wir haben hier ein funktionierendes System, das wir nun umwandeln, um es noch effizienter zu machen“, erklärte Söthe. Durch die Zusammenarbeit von Bamf, LAB und Arbeitsagentur sei nun „alles unter einem Dach – Bundes- und Landesbehörden, das ist schon etwas Besonderes“, fügte die stellvertretende Bamf-Leiterin Jutta Cordt hinzu. Sie meinte, mit dem Ankunftszentrum gewährleiste das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge „einheitlich hohe Sicherheits- und Qualitätsstandards im Asylverfahren“.

Pistorius: Klarheit für die Flüchtlinge

Die neuen Strukturen kommen nach Ansicht von Landes-Innenminister Boris Pistorius auch den Asylbewerbern entgegen: Für die Flüchtlinge sei es „enorm wichtig, denn sie sollen so schnell wie möglich Klarheit haben, ob sie bei uns bleiben können oder nicht“. Er freue sich deshalb, „dass der Bund unser Angebot angenommen und jetzt ein zweites Ankunftszentrum in Niedersachsen die Arbeit aufgenommen hat.“ Die erste Einrichtung dieser Art hatte Ende Februar 2016 in Bad Fallingbostel den Betrieb aufgenommen.

Keine Umwandlung zur Abschiebe-Einrichtung

Welche Auswirkungen die Eröffnung des Ankunftszentrums auf die Arbeit in der Aufnahme-Einrichtung haben wird, blieb am Mittwoch noch im Ungefähren. Jens Grote, seit Anfang September Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen, versicherte allerdings auf Nachfrage unserer Redaktion, dass in Hesepe künftig nicht nur noch diejenigen Asylbewerber untergebracht werden, die nur eine geringe oder gar keine Bleibeperspektive haben. Damit trat er Spekulationen entgegen, die in jüngster Zeit in Bramsche laut geworden waren, dass die LAB Hesepe quasi zur „Abschiebe-Einrichtung“ umfunktioniert werde. Erst in der Sitzung des Ortsrats Hesepe zu Beginn dieser Woche hatte eine Einwohnerin danach gefragt.

Grote erläuterte allerdings auch, dass durch die schnellere Bearbeitung der Asylanträge durch das Bamf bereits jetzt die Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive deutlich zügiger die Erstaufnahme-Einrichtungen verlassen könnten als abgelehnte Bewerber oder solche, bei denen es intensiverer Prüfung bedarf. Zudem seien in Hesepe aus früheren Zeiten noch „personelle Kompetenzen in der Rückkehrberatung“ vorhanden. Die Einrichtung in dem Bramscher Ortsteil war erst im Mai 2014 zur Erstaufnahme-Einrichtung umgewandelt worden. Zuvor wurden dort hauptsächlich abgelehnte Asylbewerber untergebracht.

Info-Veranstaltung geplant

Bramsches Bürgermeister Heiner Pahlmann kündigte derweil an, dass er zusammen mit Hesepes Ortsbürgermeister Horst Sievert und mit Klaus Dierker, dem Leiter des LAB-Standorts Hesepe, zu einer öffentlichen Veranstaltung einladen wolle, „in der wir über die neue Entwicklung umfassend informieren möchten“. Einen Termin dafür könne es allerdings erst zu Beginn des kommenden Jahres geben. „Wir wurden seitens der Stadt Bramsche etwas überrascht vom Eröffnungstermin des Ankunftszentrums. Deshalb ist es nun kurzfristiger nicht möglich, diese Informationsveranstaltung hinzubekommen“, sagt Pahlmann im Hinblick auf die nahende Vorweihnachtszeit.


Seit Jahresbeginn sind weniger Flüchtlinge nach Niedersachsen gekommen als im Vorjahr. Waren es im Herbst 2015 noch bis zu 1.900 Asylsuchende täglich, sind es inzwischen im Tagesschnitt zwischen 50 und 70. In den Einrichtungen des Landes sind aktuell knapp 3.000 Asylsu-chende untergebracht, davon in Bramsche-Hesepe 635. Zum Vergleich: Die landeseigenen Einrichtungen haben im Herbst 2015 rund 38.000 Asylsuchende versorgt, allein in Bramsche waren es zeitweise nach offiziellen Angaben mehr als 3.500 Menschen. Inklusive einer zusätzlich eingerichteten Notunterkunft sollen es schätzungsweise sogar bis zu 6.000 Flüchtlinge gewesen sein, die auf dem Areal in Hesepe untergebracht waren.

0 Kommentare