27.06.2016, 14:09 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Acht Goldmünzen Sensationsfund bei der Varusschlacht in Kalkriese


Bramsche. Was für ein Fund: Bei Ausgrabungen im Museumspark Kalkriese sind acht Goldmünzen zutage getreten – bislang hatte man am Ort der Varusschlacht insgesamt nur sieben Goldmünzen aus der Erde geholt. Die Verantwortlichen sprechen von einer Sensation.

Die eiserne Helmmaske eines römischen Reiters ist und bleibt das Prunkstück der Ausstellung in Kalkriese – doch jetzt gibt es in der Liste der Museums-Highlights einen neuen Zweitplatzierten: acht Goldmünzen, die bei Ausgrabungen im Museumspark gefunden wurden.

„Der Fund von acht römischen Goldmünzen gehört zu den außerordentlichen Glücksfällen“, sagte Salvatore Ortisi, Archäologie-Professor an der Universität Osnabrück und wissenschaftlicher Leiter des Museums und Parks Kalkriese.

Vorher insgesamt sieben Goldmünzen gefunden

Ganze sieben Goldmünzen hatte man bislang in Kalkriese gefunden. Jetzt sind auf einen Schlag acht dazugekommen. „Da kann man von einem Sensationsfund sprechen“, sagte Michael Lübbersmann, Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Varusschlacht GmbH.

Wie groß die Sensation ist, machte Salvatore Ortisi noch begreifbarer, als er sagte, bislang seien bei seinen Grabungen in 30 Jahren insgesamt zwei Goldmünzen gefunden worden. „Und damit führe ich das Feld der Kollegen im gleichen Alter an!“

Vermutlich Barschaft eines hochrangigen Soldaten

Laut Ortisi sind die acht Goldmünzen als Barschaft zu betrachten, da sie im Umkreis von einem Quadratmeter gefunden wurden. Da hat also ein römischer Soldat von höherem Rang sein Geld verloren – oder bewusst verborgen. Momentan sondieren die Archäologen noch, ob der Fundort der Goldmünzen vom Typ Aureus eine Grube gewesen ist.

„Der Verlust von Gold wäre auch etwas Außergewöhnliches“, sagte Salvatore Ortisi. Von den acht Goldmünzen hätte man in Rom eine Familie etwa ein Jahr lang ernähren können, sie entsprächen einer Summe von 30.000 bis 50.000 Euro in der Gegenwart.

Wert pro Münze: 20.000 Euro

Die Frage danach, welchen Handelswert die Münzen haben, antwortete Varusschlacht-Geschäftsführer Joseph Rottmann: „Pro Münze 20.000 bis 25.000 Euro.“ Dies ist allerdings ein rein theoretischer Wert, da die Münzen nun dem Land Niedersachsen gehören und überhaupt nicht gehandelt werden dürfen.

Alle Münzen sind in einem sehr guten Erhaltungszustand, das bestätigte bei einem Pressegespräch auch die zuständige Restauratorin, die an den Aurei genannten Münzen nur eine sehr überschaubare Putzarbeit vornehmen musste.

Geprägt vor 2000 Jahren

Geprägt wurden die Goldmünzen in den Jahren um Christi Geburt in Lugdunum, mittlerweile besser bekannt als Lyon – also auf französischem Boden. Die Münzen wiegen rund acht Gramm, zeigen auf der Vorderseite den Kopf des Kaisers Augustus und auf der Rückseite die kaiserlichen Prinzen Gaius und Julius Caesar.

Zwischen den beiden Caesaren sind zwei Schilde, Lanzen und religiöse Gerätschaften zu sehen, die auf die militärischen und religiösen Funktionen der beiden Prinzen als designierte Nachfolger von Augustus anspielen.

„Die Münzen fügen sich auch in das bekannte zeitliche Spektrum ein, wir bewegen uns in der spätaugustinischen Zeit, die acht Aurei ändern also nichts an der zeitlichen Einordnung der Funde in Kalkriese“, sagte Salvatore Ortisi.

„Fund zur richtigen Zeit“

Joseph Rottmann und Michael Lübbersmann betonten anschließend immer wieder, dass dieser Fund für Kalkriese eine enorme Bedeutung habe – und rechtfertige, dass es weitere Ausgrabungen gebe. Derzeit befinde man sich mit dem Land Niedersachsen in Verhandlungen über weitere Grabungen, der Fund der Münzen komme also genau zur richtigen Zeit.

„Die Münzen, weitere aktuelle Funde und Befunde werden wir schon in diesem Jahr unseren Besuchern in einer kleinen Kabinettausstellung zeigen“, sagte Geschäftsführer Joseph Rottmann. Beginnen wird die Ausstellung am 13. November, letzter Ausstellungstag ist der 15. Januar 2017.

Stippvisite auf der Ausgrabung

Wer den Archäologen bei den derzeitigen Grabungen über die Schulter schauen will, kann das am Mittwoch, 29. Juni, und Mittwoch, 6. Juli, jeweils um 13 Uhr bei der „Stippvisite auf der Ausgrabung“ für zwei Euro pro Person (plus Eintritt) tun. Am 3. Juli ist dann der „Tag der offenen Grabung“, Besucher zahlen dann lediglich den regulären Kombi-Eintritt.


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