18.10.2015, 11:07 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Mattemännken 2015 Bramsche Warum feiern die Bramscher Mattemännken?

Am 10. November ist Mattemännken 2015 in Bramsche. Kinder ziehen dann von Haus zu Haus und bekommen Süßigkeiten, nachdem sie das Mattemännken-Lied gesungen haben. Symbolfoto: dpaAm 10. November ist Mattemännken 2015 in Bramsche. Kinder ziehen dann von Haus zu Haus und bekommen Süßigkeiten, nachdem sie das Mattemännken-Lied gesungen haben. Symbolfoto: dpa

Bramsche. In jedem Herbst kommt die gleiche Frage: Wann ist eigentlich Mattemännken? Und warum? Die erste Antwort ist einfach: Am 10. November, also heute. Die zweite Frage kann Rainer Drewes vom Heimat- und Verkehrsverein Bramsche beantworten.

Mit Einbruch der Dämmerung werden auch am heutigen Dienstag, 10. November 2015, Kinder verkleidet von Haus zu Haus ziehen, ein Lied singen und dafür Süßigkeiten bekommen. Ein Brauch, der sich so nur im Raum Bramsche gehalten hat. Namensgeber des Brauches ist nach den Recherchen von Drewes der heilige Martin von Tour, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte und der am 11. November 397 beigesetzt worden ist. Der „Nationalheilige“ der Franken gelangte kurz nach der Christianisierung als ‚Zint Märten‘ ins Rheinland und als ‚Sankt Marten‘ in die west- und ostfälischen Gebiete“, berichtet Drewes. Die Bramscher Taufkirche erhielt seinen Namen.

Da der 11. November in der Regel der Abrechnungstermin für ein Arbeitsjahr war, wurde an diesem Tag gefeiert (Martinsgans). Die Kinder erbettelten sich Kleinigkeiten (der sogenannte Heischebrauch). Sie waren die Martinskinder, mit denen in Anlehnung an die Mantelteilung des Heiligen, etwas geteilt wurde.

Mattemännken oder Mattemäntken?

„Nach der Reformation wurde weniger an den Heiligen als an den Reformator Martin Luther in evangelischen Gemeinden gedacht. Martin war im Übrigen auch der Schutzheilige der Tuchmacher und Tuchhändler. Das passte zu Bramsche“, so Drewes. Wegen des Bezugs zum evangelisch-lutherischen Glauben war es in katholischen Familien früher verpönt, die Kinder am Umzug teilnehmen zu lassen. Und woher stammt nun die Bezeichnung? „Im Plattdeutschen wurde aus Martin = Matte, aus Kinder = Mäntken“, erklärt Drewes. Für ihn ist deshalb Mattemäntken die korrekte Schreibweise, auch wenn das bei einer mündlich überlieferten Sprache nicht so eindeutig zu klären ist. „Wir sprachen hier in Bramsche ein westfälisches Idiom. Die Sprachgrenze verläuft südlich von Bersenbrück (neueste Untersuchungen der Universität Oldenburg). Die Bezeichnung ‚Mattemäntken‘ ist typisch westfälisch“, betont Drewes.

Mündlich überliefert ist auch das Lied, das die Mattemännken oder Mattemäntken heute wieder singen werden. Der Text lautet: 

Der Liedtext:

„Mattemännken gohe Mann/ de us olle wat gierwen kann/ Appel odder Bieren/ Nörte sind vögierwen/ aule Stadt – nigge Stadt/ leewe Jungfrau giff us wat/ laut us nich tou lange staun/ wi mört noch’n Hüsken wiedergaun/ bet nau Briärmen/ do wült wi us’n bittken wiärmen/ bet nau de nigge Stadt/ do stiärk’t se us oll tohaup innen Sack.“

Die „aule Stadt“ ist die Bramscher Altstadt rund um die Kirche, die „nigge Stadt“ die Neustadt ab dem Münsterplatz.

Warum aber wollen die singenden Kinder „wiedergaun bet nau Briärmen“, also weitergehen bis nach Bremen? Ein Erklärungsansatz ist hier, dass gar nicht die Hansestadt gemeint ist, sondern ein „Hof Bre(h)me(n)“ oder ein Haus Bremer. Nach Angaben einer Nutzerin der BN-Facebookseite soll dieses früher in der Gartenstadt gestanden haben in der heutigen Heidestraße. Allerdings hat Bramsche auch besondere Bezüge zu Bremen. So stifteten Bremer Kaufleute die Kanzel der St.-Martins-Kirche.

Das Bramscher Mattemäntkenlied habe zwar durchaus individuelle Inhalte, zeige aber auch große Parallelen mit anderen Martinsgesängen, so mit verschiedenen Liedtexten aus dem Weserraum, wo ebenfalls in verschiedenen Orten Kinder ihre Bitte nach Süßem vortragen, erklärt Drewes.


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