17.12.2014, 10:34 Uhr

Adventskalender-Serie Die BN öffen Türen: Der Keller der Varusschlacht


Bramsche. „Die Bramscher Nachrichten öffnen Türen“ – unter diesem Motto stellen wir bis Heiligabend Orte und Räumlichkeiten aus Bramsche und Umgebung vor, die sonst nicht unbedingt zugänglich sind. An jedem Erscheinungstag einen, einem Adventskalender gleich. Heute sind wir im Magazin-Keller, also im Lagerraum des Varusschlacht-Museums.

Bei vielen lagert im Keller das, was nicht unmittelbar, nicht täglich gebraucht wird. Aber doch irgendwie wichtig ist oder vielleicht noch wieder werden könnte. Nicht anders scheint es im Keller des Varusschlacht-Museums zu sein: „Hier lagert der Beifang unserer Grabungen“, sagt die archäologische Leiterin Dr. Susanne Wilbers-Rost. Doch sie macht gleich deutlich, dass diese Darstellung wohl doch etwas untertrieben ist: Viele Tausende Fundstücke liegen hier, unterhalb des Besucherzentrums. Scherben, Teile von Keramikgefäßen, Feuersteine, Schlacken, Bodenproben. „Es handelt sich hier um Fundstücke, die nicht den Römern und nicht unmittelbar dem Geschehen der Varusschlacht selbst zuzuordnen sind“, erklärt Wilbers-Rost. Ein wichtiger Bestandteil der Schlachtfeldarchäologie sei nämlich auch die Forschung im direkt angrenzenden Umland. „Wir sind längst nicht nur auf dem Museumsgelände tätig“, betont Wilbers-Rost. Denn um diejenigen Funde, die unmittelbar mit der Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus in Verbindung stehen, richtig einordnen zu können, „sind wir sehr weiträumig aktiv“, so die Archäologin. Wie wurde die Landschaft damals genutzt? Wie dicht haben die Germanen und auch schon ihre Vorfahren das Gebiet besiedelt? Wie sahen die Verkehrswege aus? „All diese Erkenntnisse dienen dazu, die Forschung zur Varusschlacht selbst zu ergänzen und zu vertiefen“, erklärt Wilbers-Rost.

Die Grabungen nimmt Wilbers-Rost mit einem recht kleinen Team vor: Neben der archäologischen Leiterin selbst und einigen Grabungstechnikern übernehmen vielfach Studenten die Arbeiten. „Auch einige Ehrenamtliche sind schon seit Jahren immer wieder dabei“, betont Wilbers-Rost. Fundstücke werden anschließend Restauratorin Christiane Matz überreicht. An ihr liegt es dann, die Stücke zunächst behutsam aufzuarbeiten. „Aus jedem noch so kleinen Teil können sich wichtige Erkenntnisse ergeben“, meint Matz und nennt als nur ein Beispiel die Erdanhaftungen an den Fundstücken.

Alle Fundstücke werden anschließend penibel erfasst mit der genauen Bezeichnung der Grabungsstelle. In den Keller wandern dann die nicht-metallischen Gegenstände: „Die metallischen sind noch viel sensibler, brauchen eine bestimmte Umgebunstemperatur, eine niedrige Luftfeuchtigkeit“, erklärt Matz. Unten, unter dem Besucherzentrum, liegen also in Kartons Teile von Keramikgefäßen, Feuersteine, Schlacken, Bodenproben – und Scherben, viele, viele Scherben. Teilweise können diese wieder einander zugeordnet und zusammengefügt werden. „Das wird aber längst nicht bei allen gelingen“, sagt Wilbers-Rost. Trotzdem werde aber jedes Fundstück aufbewahrt. „Wir wissen nicht, wie sich die Forschungsmöglichkeiten entwickeln“, erklärt die Archäologin. Womöglich lasse sich in einigen Jahren aus den Fundstücken und aus den Erdabtragungen noch viel mehr herauslesen als heute. Und deshalb gehe es natürlich nicht, sich von einzelnen Stücken zu trennen: „Wenn wir eine Grabungsstelle verlassen, dann ist da ja nichts mehr“, so Wilbers-Rost. „Wenn wird unsere Funde nicht aufbewahren, dann sind sie für immer verloren.“

Und hier wird dann auch noch einmal der Unterschied dieses besonderen Kellers auf dem Museumsgelände zu einem gewöhnlichen Keller sehr deutlich: Denn ein Großteil dessen, was man zu Hause hortet, kann in aller Regel genauso gut auch auf den Müll – und keiner wird es vermissen.


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