04.12.2014, 14:02 Uhr

Serie: Wirtschaft im Porträt Bramscher Spedition Berghegger auf Erfolgskurs

Den roten Faden, der unserer Serie den Namen gibt, hat Stefan Berghegger vor einem seiner Fahrzeuge auf dem Firmenhof in Engter aufgenommen.Foto: Christoph LützenkirchenDen roten Faden, der unserer Serie den Namen gibt, hat Stefan Berghegger vor einem seiner Fahrzeuge auf dem Firmenhof in Engter aufgenommen.Foto: Christoph Lützenkirchen

Engter. Im Rahmen unserer Reihe Bramscher Wirtschaft im Portrait stellen wir die Spedition Berghegger vor. Stephan Berghegger hat aus dem Fuhrunternehmen einen umfassenden Logistikdienstleister gemacht.

Unterwegs im Flur tritt eine Frau aus einem der Büros. „Stefan, ich glaube, das ist wichtig“, sagt sie und drückt Stefan Berghegger einen Brief in die Hand. Ist der Chef von 140 Mitarbeitern der Bramscher Spedition Berghegger mit allen seinen Leuten per Du? Tatsächlich, unter Spediteuren sei das üblich, erklärt der 52-Jährige, nur mit neuen Angestellten sieze er sich eine Weile. Überraschend: Als Chef findet er es einfacher, „Klartext“ zu reden, wenn man per Du ist.Sein Büro im ersten Stock des Verwaltungskomplexes in Engter ist geräumig, aber nüchtern. Wer sich ein wenig umschaut, erkennt schnell, wofür Stefan Bergheggers Herz brennt. In einer großen Glasvitrine sind zahlreiche Modelle von Lastkraftwagen aufgestellt, einige tragen den Schriftzug „Berghegger“ und sind im firmentypischen Rot lackiert. An der Wand ein Bilderrahmen mit einigen Familienfotos. Berghegger hat zwei Söhne, beide studieren. Die nächste Wand schmückt das große Bild eines Motorradfahrers. Er ist auf einer staubigen Straße in einem offenkundig fremden Land unterwegs. „Zusammen mit meinem ältesten Sohn und einem Freund bin ich zwei Wochen mit dem Motorrad durch Marokko gereist“, erklärt Stefan Berghegger. Seit der Jugend sind Motorräder seine große Leidenschaft. Mittlerweile teilt er sie mit seinem Sohn. Der Unternehmer besitzt mehrere Maschinen; darunter die BMW von 1978, die er 1985 gebraucht gekauft hat. Vom eigenen Lehrlingslohn und gegen den erklärten Willen seines Vaters. „Die habe ich vor Kurzem neu aufgebaut“, erzählt er. Dabei legt Berghegger nach Möglichkeit selbst Hand an. In einem Gartenhaus hat er sich eine Werkstatt eingerichtet. „Wenn ich da Samstagsnachmittags sitze, ARD-Fußballkonferenz höre und an einem Motorrad schraube, kann ich mich perfekt entspannen“, sagt er. Vom Nordkap bis an die türkisch-syrische Grenze ist der Bramscher schon auf zwei Rädern gereist, nun zum ersten Mal auch nach Afrika.

Wenig Zeit fürs Hobby

„Schade, dass so wenig Zeit für das Hobby bleibt“, sagt Stefan Berghegger. Die Arbeitstage des Spediteurs sind lang, wenn auch nicht so lang wie die seiner Eltern. „Das Speditionsgeschäft läuft rund um die Uhr, von Sonntagabend um zehn bis Samstag“, sagt er. An jedem Sonntag habe sein Vater die Abfahrt der Lastwagen beaufsichtigt und selbstverständlich sei er auch samstags im Betrieb gewesen. Der befand sich 1962, als Stefan Berghegger geboren wurde, noch in Hesepe in der Nähe des heutigen Kreisverkehrs. Fünf Lkw passten gerade eben auf das beengte Firmengrundstück, wo die Familie auch wohnte, erinnert sich Berghegger: „Reparaturen wurden bei Wind und Wetter unter freiem Himmel ausgeführt.“

Um weiter zu wachsen, zogen Familie und Unternehmen 1979 nach Achmer um, der Standort wird bis heute bewirtschaftet. Nachdem in den Anfangsjahren nur regionale Transporte erledigt wurden, stieg Bergheggers Vater Martin nun auch in den Fernverkehr ein. Sein Sohn nutzte das und lernte in den Schulferien als Beifahrer weite Teile von Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Dänemark kennen. Schon früh zeigte sich sein Interesse am Speditionsgeschäft. Das elterliche Unternehmen später einmal zu übernehmen wäre ihm aber nicht in den Sinn gekommen. „Ich kann mich an keinen einzigen gemeinsamen Urlaub mit meinen Eltern erinnern“, sagt Stefan Berghegger: „Und in den Gesprächen meiner Eltern ging es immer nur um die Firma. Auf mich wirkte das gründlich abschreckend!“

Wie alles anders kam

Das Schicksal der Eltern hielt ihn jedoch nicht davon ab, nach Abschluss von Schule und Bundeswehr eine Ausbildung zum Speditionskaufmann zu beginnen. Zwischenzeitlich erwarb er sogar den Führerschein für Lkw. „Damit konnte ich nach dem Wehrdienst im Betrieb jobben und einige Monate Wartezeit überbrücken“, erklärt Berghegger. Die Arbeit in der Spedition machte ihm Spaß, doch an seiner Lebensplanung änderte sich nichts. Er wollte nicht ins elterliche Unternehmen und begann im Anschluss an die Lehre mit dem Studium zum Diplom-Wirtschaftsingenieur für Transportwesen in Bremerhaven. Mit dem Diplom in der Tasche würden ihm alle Türen offenstehen, wusste Berghegger. Doch alles kam anders.

Kein leichter Start

„Ich stand kurz vor dem Ende meines Studiums, als mein Vater längerfristig erkrankte“, erzählt Berghegger. Notgedrungen übernahm er 1990 als frisch gebackener Ingenieur das Ruder. „Eigentlich war es dann gar keine Frage mehr, es erschien mir selbstverständlich“, erinnert er sich. Das machte den Start allerdings nicht leichter, denn zeitgleich änderten sich grundlegende Rahmenbedingungen für die Spediteure. Der zuvor über Jahrzehnte streng reglementierte Fernverkehr wurde dereguliert. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich ein harter Wettbewerb. „Im ersten Moment war ich geschockt“, berichtet Berghegger „dann erkannte ich, dass darin auch eine Chance lag.“ Als sein wichtigster Kunde ihn 1993 vor die Wahl stellte, aus dem Stand wesentlich mehr Aufgaben für ihn zu übernehmen oder den Auftrag zu verlieren, setzte der junge Unternehmer alles auf eine Karte. Gefordert war ein Angebot mit einem Pauschalpreis pro Kilogramm Transportgut. „Ich kannte den Kunden seit vielen Jahren, das war mein Vorteil gegenüber wesentlich größeren Wettbewerbern“, sagt Berghegger. Er brütete tagelang über den Zahlen. Mit einem zu hohen Preis käme er nicht zum Zug, ein zu niedriger würde ihn ruinieren. Doch Berghegger landete einen Volltreffer, er hielt den Kunden und sicherte damit den ersten großen Wachstumsschritt des Unternehmens. Doch das war nur der Anfang. „Die 90er-Jahre waren die schönste Zeit“, erinnert sich Stefan Berghegger: „Wir hatten oft mehr Arbeit, als zu schaffen war. Anfangs habe ich morgens die Verwaltung erledigt und saß dann bis abends um zehn auf dem Gabelstapler. Wir waren ein tolles Team und haben gut verdient.“ Schon 1997 errichtete das Unternehmen in Engter den ersten Bauabschnitt des zweiten Standorts.

Wachstumskurs

Als Stefan Berghegger das elterliche Unternehmen 1990 übernahm, beschäftigte es 15 Mitarbeiter und besaß neun Lkw. Der Mitarbeiterstamm ist mittlerweile auf 140 gewachsen. Zum Fuhrpark gehören 40 eigene Lkw, außerdem fahren 50 Kooperationspartner mit eigenen Fahrzeugen exklusiv für die Bramscher Spedition. Doch selbst diese zusammen 90 Lkw machen nur 40 Prozent des Gesamtgeschäfts von Berghegger aus. „Mein Vater war mit voller Überzeugung Frachtführer, er hat nur Aufträge übernommen, die er mit eigenen Fahrzeugen und Mitarbeitern durchführen konnte“, erklärt Stefan Berghegger den Wandel: „Heute sind wir Logistikdienstleister.“

Enormer Stress

Berghegger kann stolz und zufrieden mit dem Erreichten sein. Es freut ihn, dass sein ältester Sohn in naher Zukunft in die Firma einsteigen will. Empfohlen hätte er es ihm nie. „Ich habe ihm ganz bewusst schon früh die negativen Seiten der Selbstständigkeit vermittelt“, sagt der Unternehmer. Als Beispiel nennt er die Insolvenz des wichtigen Kunden Kynast im Jahr 2003. Kurz vor dem Sommerurlaub erfuhr er davon. Von einem Tag auf den anderen fiel ein Drittel des Umsatzes weg. Der Urlaub fiel aus. Berghegger fand eine Lösung, doch der Stress war enorm. „Als Angestellter hätte ich ein bequemeres Leben gehabt“, sagt er nachdenklich.


Die Wurzeln der heutigen Martin Berghegger GmbH reichen bis in das Jahr 1936. Mit einer gebrauchten Zugmaschine gründete Stefan Bergheggers Großvater ein Fuhrunternehmen. Zunächst beschränkte man sich auf Transporte in der Region, später kam der Fernverkehr nach ganz Deutschland und in immer mehr europäische Nachbarländer hinzu. Drei Generationen der Familie führten das Unternehmen, dessen Aufgabenspektrum sich im Laufe der Jahre grundlegend veränderte. Mittlerweile sind Transporte nur noch ein Teil der Dienstleistung, die Berghegger seinen Kunden anbietet. An vier Standorten verfügt Berghegger über mehr als 18000 qm Hallenlagerfläche und weitere 2000 qm Freilagerfläche. Zum Kundenstamm zählen namhafte Unternehmen, wie Essex, Nexans, Heytex, Grimme oder Hornbach.

Die BN-Serie „Roter Faden – Bramscher Wirtschaft im Por-trät“ stellt Firmen-Chefs und Geschäftsführer von Unternehmen in unserer Region vor.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Persönlichkeiten, die mit ihrem Engagement das Unternehmen voranbringen. Ihre berufliche Entwicklung wird ebenso nachgezeichnet wie das Wachsen des Betriebs.

Das Besondere dabei: Jede/r Porträtierte schlägt unserem Mitarbeiter den nächsten Kandidaten für diese Serie vor. So zieht sich – nach und nach – ein „Roter Faden“ durch die örtliche Wirtschaft, mit dem die Bramscher Nachrichten die Vielfalt von Industrie, Handel und Gewerbe in unserer Umgebung aufzeigen

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