13.07.2013, 14:30 Uhr

24 Stunden, 24 Menschen Walter Rohatsch aus Bramsche und die Zeitung

<em>Sicher ist sicher:</em> Wenn Zeitungszusteller Walter Rohatsch die Bramscher Nachrichten austrägt, gehört eine Warnweste immer dazu. Foto: Matthias BenzSicher ist sicher: Wenn Zeitungszusteller Walter Rohatsch die Bramscher Nachrichten austrägt, gehört eine Warnweste immer dazu. Foto: Matthias Benz

benz Bramsche. Die Deutschen stehen durchschnittlich um 6.23 Uhr auf. Doch es gibt einige, die dann schon wieder Feierabend haben. Einer davon ist Walter Rohatsch. Als Zeitungszusteller sorgt er dafür, dass die Einwohner in Bramsche jeden Tag ihre Frühstückslektüre bekommen.

Es ist fünf Uhr. Seit Stunden schon regnet es in Strömen. Die meisten Jalousien sind noch geschlossen, und an der Ecke Jägerstraße/Tannenstraße in der Gartenstadt ist kein Mensch zu sehen. Da kommt auf einmal ein Mann angeradelt: Es ist Walter Rohatsch, aber zunächst erkennt man ihn kaum. Die Kapuze seines langen Regenmantels aus seiner Zeit als Mitarbeiter der Deutschen Bahn hat er tief ins Gesicht gezogen. Die Stirnlampe hat er schon ausgeschaltet, da es mittlerweile hell genug ist. Die Warnweste trägt er aber noch immer – sicher ist sicher.

Rohatsch ist nass, außerdem ist es für die Jahreszeit relativ kalt, aber der Zeitungsbote lässt sich die Strapazen nicht anmerken und ist gut gelaunt. „Da muss man durch“, lacht er. „Die Kunden wollen ihre Zeitung haben.“

Dafür sorgt der Rentner seit drei Jahren. Eigentlich ist er nur eine Feuerwehrkraft, der Urlaubs- oder Krankenvertreter für fünf andere Zeitungszusteller, die ihre Bezirke in der Gartenstadt haben. Trotzdem sei er „im Jahr elfeinhalb Monate ausgelastet“.

Die Seitentaschen an seinem Fahrrad sind bereits geleert, die restlichen Zeitungen liegen im Anhänger. „Auf dieser Tour habe ich ungefähr hundert Bramscher Nachrichten. Außerdem noch Osnabrücker Zeitungen, eine Meppener, zwei Süddeutsche und die Citypost.“ Um zwei Uhr morgens steht Rohatsch auf, und wenn etwa eine Stunde später die Zeitungen an seinem Haus angeliefert werden, beginnt er seine Tour. „Ich versuche immer, bis sechs Uhr fertig zu werden.“ Montags und samstags dauert es aber meistens ein wenig länger, „wegen der Werbung“. Heute kommt außerdem noch ein Faltblatt der Awigo hinzu.

Das Zustellen ist dabei manchmal gar nicht so leicht. „Manchmal ist das schon Slalomlauf. Da liegen dann Schläuche auf dem Boden und Autos oder Mülleimer stehen im Weg. Wir sind schon Sportler“, berichtet Rohatsch. „Die frische Luft und die Bewegung brauche ich einfach.“

Ein Frühaufsteher war er schon immer. „Ich war 39 Jahre bei der Bahn, da habe ich den Rhythmus auch schon gehabt.“ Dafür gehe er auch jeden Tag um 21 Uhr schlafen, „egal, was im Fernsehen läuft. Man braucht schon Disziplin: Man muss immer da sein“. Nur zu gut weiß der Zusteller, wie ungemütlich Abonnenten werden können, wenn die Zeitung zu spät kommt.

Außer unserem Fototermin hat Rohatsch an diesem Morgen kaum Kontakt zu anderen Menschen. Bei besserem Wetter kommt es schon eher vor. „Einmal kam ich zu einem Haus, wo sich eine ältere Dame im Morgenmantel ausgesperrt hatte. Da bin ich durchs Badezimmerfenster reingeklettert und habe ihr die Tür geöffnet“, erinnert sich Walter Rohatsch an einen kuriosen Vorfall. Es kam aber auch schon einmal vor, dass ihm am Samstagmorgen ein beschwipster junger Mann auf dem Weg von der Disco nach Hause eine Zeitungsausgabe aus dem Anhänger klaute.

Das Schönste an seinem Job sei es, „wenn es hell wird und die Vögel anfangen zu singen“. Und mit einem Lächeln ergänzt er: „Und wenn es trocken ist. Ich mag Regen nicht.“


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