28.09.2009, 22:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Ohne sie kommt kein Baby zur Welt

Alles für den Nachwuchs: In der Zeit vor, während und nach der Geburt ist die Hebamme die Begleiterin der werdenden Mutter und ihres Kindes.Alles für den Nachwuchs: In der Zeit vor, während und nach der Geburt ist die Hebamme die Begleiterin der werdenden Mutter und ihres Kindes.

Ziemlich unbequem sieht es aus, wie sich Sunita Kapusta mit dem Rücken auf den Boden legt, die Beine nacheinander hochlagert und sich langsam zu einer „Indischen Brücke“ zurechtbiegt. Zusätzliche Akupunkturnadeln an Händen und Füßen machen die Stellung dabei sicherlich nicht angenehmer. Aber die schwangere junge Frau kennt die Prozedur bereits: Die Lagerungsübung hat ihre Hebamme empfohlen, um ihr Kind dazu zu bewegen, sich in die optimale Geburtsposition zu drehen.

In Bramsche und Umgebung arbeiten derzeit sechs Hebammen freiberuflich. Zu den Aufgaben einer Hebamme gehört weit mehr als die eigentliche Geburt. Sie bieten nicht nur praktische Hilfen und Beratungen an, sondern tun auch ganz viel dafür, dass sich die werdende Mutter wohlfühlt und den Schmerzen der Geburt mutig entgegenblickt. So machen die Hebammen die Schwangeren unter anderem in Geburtsvorbereitungskursen körperlich fit für die Geburt.

Die werdende Mutter kann sich die gesamte Schwangerschaft von einer Hebamme betreuen lassen. In der Geburtsvorbereitung, mit der die Frau ab der 24. Schwangerschaftswoche beginnen sollte, führt die Hebamme gymnastische Übungen für den ganzen Körper, Wehenatmungen und Entspannungsübungen durch. Außerdem beantwortet sie Fragen rund um die Geburt. Ziel der Geburtsvorbereitung sei es, der Frau beziehungsweise dem werdenden Elternpaar die Ängste vor der Geburt zu nehmen, erklärt die freiberufliche Hebamme Kerstin Bathke. Frauen, die keinen Geburtsvorbereitungskurs belegten, zeigten weitaus mehr Unsicherheiten, seien bei der Geburt wesentlich verkrampfter und ängstlicher und bräuchten deshalb mehr Schmerzmittel.

„Kommt für mich eine Wassergeburt infrage? Möchte ich in einer Klinik oder doch lieber zu Hause mein Kind zur Welt bringen?“ Die werdenden Eltern müssen sich zudem entscheiden, wo und wie sie die Geburt ihres Kindes erleben möchten. Bei Fragen rund um Haus- oder Wassergeburten ist die Hebamme die richtige Ansprechpartnerin. Wenn Frauen ihr Kind in einer Klinik gebären wollen, können sie an einem Informationsabend der jeweiligen Klinik teilnehmen. Dort würden Kreissaalführungen angeboten werden, sodass sich die Schwangeren bereits im Vorfeld genauestens über den Klinikstandard informieren könnten, sagt Bathke.

Sunita Kapusta wird von Hebamme Beate Krüger aus Lappenstuhl betreut. Kapusta wünscht sich eine Hausgeburt, „was jedoch schwierig werden könnte, weil das Kind mit dem Kopf noch nicht optimal nach unten liegt“, erklärt Krüger, die mithilfe der schon beschriebenen „Indischen Brücke“, Akupunkturnadeln sowie einer sogenannten Moxazigarre versucht, das Kind in die richtige Geburtsposition zu bewegen. Ihre Hebamme setzt ihr eine Akupunkturnadel an die äußere Seite ihrer Zehen. Dann zündet sie die Moxazigarre an. Die Zigarre besteht aus dem Moxakraut Beifuß, das ätherische Öle enthält und das den Engeriefluss im Körper anregen soll. Auf etwa einen halben Zentimeter nähert sie die glühende Spitze an die Akupunkturnadel. Wenn Kapusta ein deutliches Hitzegefühl spürt, entfernt Krüger die Moxazigarre kurz und wiederholt den Vorgang mehrmals.

Die natürliche Geburt leitet die Hebamme ohne Arzt. In Deutschland gelte die „Hinzuziehungspflicht“, dass heißt, dass eine Hebamme bei der Geburt hinzugezogen werden muss. Sollte während der Geburt beispielsweise ein Geburtsstillstand oder eine Fehleinstellung des Kindes auftreten, sei die Hebamme verpflichtet, einen Arzt herbeizurufen, erklärt Bathke.

Nach der Geburt kümmert sich die Hebamme während der Nachsorge um Mutter und Kind. Dann berät sie bei Stillproblemen und schaut unter anderem, wie die Geburtswunden verheilen. Außerdem gibt sie den Müttern Tipps zur Babypflege und Babyernährung.

Die Hebammen bieten nach der Geburt einen Rückbildungskurs an. Mit Übungen werden die beanspruchten Muskelpartien nach der Geburt wieder gestärkt. Außerdem kommen die Mütter mit anderen Frauen ins Gesprächs – die ideale Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen.

Sunita Kapusta hat übrigens inzwischen einen kleinen Jungen zur Welt gebracht. Da ihr Kind trotz der Lagerungsübung, des Moxens und der Akupunktur immer noch nicht richtig lag, musste ihr Sohn per Kaiserschnitt geholt werden. Zwar erfüllte sich damit der Wunsch nach einer Hausgeburt nicht, nichtsdestotrotz zählt doch nur eines: Hauptsache, die Mutter und das Neugeborene sind wohlauf.


0 Kommentare