19.04.2017, 16:02 Uhr

Fest am Sonntag, 21. Mai 2017 Guter Burek ist auch in Bohmte dünn wie eine Tischdecke

Zwei Generationen der Familie Ferhatbegovic – nämlich Amar, Nijaza und Milenze (von links) – sorgen beim Fest „Menschen in Bohmte“ dafür, dass auch Bosnien-Herzegowina kulinarisch vertreten ist. Foto: Karin KemperZwei Generationen der Familie Ferhatbegovic – nämlich Amar, Nijaza und Milenze (von links) – sorgen beim Fest „Menschen in Bohmte“ dafür, dass auch Bosnien-Herzegowina kulinarisch vertreten ist. Foto: Karin Kemper

Bohmte. Nijaza Ferhatbegovic, die beinahe genauso lange in Bohmte lebt, wie es das Fest „Menschen in Bohmte“ gibt, hat eine klare Meinung: „Meine Heimat ist, wo ich mich wohlfühle und meine Kinder glücklich sind.“

Die Tatsache, dass Familie Ferhatbegovic heute in Bohmte im Haus an der Straße „Am Hühel“ wohnt, hat mindestens zwei Gründe. Einen guten und einen schlimmen. Nijazas Schwiegervater hatte in den 1970er-Jahren im Sägewerk Wagner in Bohmte gearbeitet. So gab es eine Anlaufstelle, als die damals 24-Jährige zusammen mit ihrem kleinen Sohn (inzwischen 29 Jahre) 1992 aus Bosnien floh. Dort war Krieg. Später kam Ehemann Nijaz nach.

Nijaz und Nijaza

Die Namensähnlichkeit – Nijaz und Nijaza – führt regelmäßig zu Nachfragen. Und die Kennenlerngeschichte der beiden ist ebenfalls nicht alltäglich. Nijaza lebte während eines Praktikums zur Untermiete in Tusla. Ihr späterer Mann Nijaz hatte vor einiger Zeit das gleiche Zimmer bewohnt und wollte einmal sehen, wer denn „nun dort eingezogen war“...

Dass Familie Ferhatbegovic bei „Menschen in Bohmte“ mit von der Partie ist, hat sozusagen eine zweigeteilte Geschichte. Zunächst segelten sie sozusagen unter falscher Flagge. Nijaza half nämlich an einem anderen Stand mit. Die serbischen Betreiber, die damals im gleichen Haus gewohnt hatten, hatten sie gefragt. Seit geraumer Zeit ist das nun aber schon anders. Beim Integrationsfest gehört das Schild Bosnien-Herzegowina fest dazu, während „Serbien“ inzwischen eingemottet wurde.

Überlegungen laufen

Nijaza sagt: „Ich wusste erst gar nicht, was bei dem Fest passiert.“ An ihre Premiere erinnert sie sich gut: „Das war auf der Fläche an der evangelischen Kirche, und es gab Jazztanz des TV 01 Bohmte.“ Was am 21. Mai 2017 im Shared-Space-Bereich bei der 25. Auflage serviert werden soll, ist noch nicht endgültig geklärt. Die Expertin in Sachen Speisen aus Bosnien-Herzegowina sagt: „Ich muss noch überlegen.“

Große Nachfrage erwartet

Schließlich ist es nicht so einfach, die benötigte Menge parat zu haben. Da ist es allemal hilfreich, wenn sich das Gericht gut vorbereiten lässt. Eine Pita sei zwar landestypisch, aber es sei kaum möglich, die benötigten 200 Stück passend fertig zu bekommen. Schließlich werden viele Besucher erwartet, die Kostproben der unterschiedlichsten Nationen genießen wollen. Vorstellbar wäre für Nijaza Ferhatbegovic auch ein bosnischer Eintopf. Aber der benötige viel Zeit, und im Backofen geben es nur begrenzt Platz. Ebenfalls denkbar: ein Gericht mit Reis, zu dem dann Cevapcici gehöre. Die Köchin blickt zurück: „Einmal dachte ich, dass das Essen nicht gelungen war. Und am Schluss war alles aufgegessen.“

Ins Auge gefasst ist jetzt allem Anschein nach „Burek“. Aus Wasser, Mehl und Salz entsteht ein Teig, aus dem kleine Bällchen geformt werden. Die wiederum gilt es dann mit viel Gefühl so zu ziehen, dass eine ganz dünne Teigschicht entsteht. Nur mit viel Erfahrung gelingt eine Unterlage für die Füllung, die dünn wie eine Tischdecke ist – ohne zu reißen. Nijaza sagt: „In Bosnien ist Burek als Nahrungsmittel sehr wichtig. Gegessen als Füllung wird das, was man gerade hat.“ Das können beispielsweise Gehacktes mit Zwiebel, Kartoffeln, Frischkäse mit Eiern oder auch Sauerkraut sein.

Saure Äpfel als Basis

Und dass eine dunkle zähflüssige Masse nicht auf jeden Fall das in Deutschland bekannte Rübenkraut ist, erfährt ein Besucher im Haus Ferhatbegovic beim Probieren. Nijaza verrät: „Das wird aus sauren Äpfeln gekocht und macht viel Arbeit.“ Sie bringt Vorrat von Besuchen in Bosnien-Herzegowina mit. Vorsichtiges Testen führt schnell zu der Erkenntnis: „Lecker.“

Seit einer Reihe von Jahren ist Familie Ferhatbegovic mittlerweile an der Straße „Am Hügel“ daheim. Nijaza sagt: „Man kann hier gut leben, es gibt eine super Nachbarschaft.“ Das ist für sie besonders wichtig, wenn sie Hilfe bei der Betreuung des Schwiegervaters benötigt. Und zur „Hügel-Gemeinschaft“ gehören auch die jährlichen Straßenfeste, die jeweils eine andere Familie ausrichtet. Für das Miteinander spricht weiter, dass auch Kinder und Ehemalige gern teilnehmen. Und noch etwas gilt: Bei der Urlaubsplanung findet das Hügelfest Berücksichtigung.

Zwillinge helfen mit

Aber erst einmal steht das Fest „Menschen in Bohmte“ auf dem innerfamiliären Terminkalender. Die 13-jährigen Zwillinge, Amar und Milenze, beide begeisterte Fußballer, sind an der Station mit Gerichten aus Bosnien-Herzegowina dabei und helfen. Übrigens zählen auch die Ferhatbegovic‘ zu denjenigen, die nach dem Fest eins ums andere Mal in Bohmte angesprochen werden: „Wir kennen uns. Sie waren doch auch mit einem Stand bei Menschen in Bohmte.“ Die Sache mit dem Stand gilt auch wieder am Sonntag, 21. Mai 2017.


Menschen in Bohmte – wir gehören zusammen

Zum 25. Mal wird am Sonntag, 21. Mai 2017, in Bohmte ein nicht alltägliches Fest gefeiert. Im Shared-Space-Bereich können die Besucher ein wenig davon erfahren, was in den Ländern gegessen wird, aus denen die Neu-Bohmter stammen. Aus Anlass des Jubiläums der Integrationsveranstaltung stellt das Wittlager Kreisblatt einige der Teilnehmer (und ihre Geschichte) vor. -kem-

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