17.11.2016, 18:30 Uhr

Dickes Lob für die Grundschüler Die Mischung macht‘s beim Deutschlernen in Bohmte


Bohmte. „Es ist unfassbar, wie schnell die Kinder die deutsche Sprache lernen“, sagte Claudia Erpenbeck, Leiterin der Erich Kästner-Schule in Bohmte. Derzeit besuchen 17 Mädchen und Jungen, die vorher nie deutsch gesprochen haben, die Grundschule. Überwiegend sind sie syrisch-arabischer Herkunft.

„In den vergangenen zwölf Monaten ist unglaublich viel passiert“, sagt die Leiterin der Erich Kästner-Schule . Als die ersten syrischen Familien neu in Bohmte eintrafen, mussten erst einmal Dolmetscher gefunden werden. Eltern, die schon länger in der Gemeinde leben, halfen. Erpenbeck fügt hinzu: „Und das ist so geblieben.“ Hinzu kommt, dass zwei Schulsozialpädagogen, Jutta Becker (Kinderhaus Wittlager Land) und Meike Hungermann (Volkshochschule Osnabrücker Land) Schule und Schülern zur Seite stehen. Nicht minder wichtig: die Arbeit des Willkommensbüros des Altkreises Wittlage, das seinen Standort in Bohmte hat.

Vernetzung wichtig

Meike Hungersmann betont: „Das ist für uns Gold wert.“ Die Fachleute dort wissen, wo die Eltern der Schüler arbeiten oder ob sie gerade einen Sprachkurs besuchen und sind darüber informiert „wie es der Familie gerade geht“. Erpenbeck betont: „Die Vernetzung aller Unterstützer ist entscheidend. Man muss von einander wissen.“

Theoretisch hätte an der Bohmter Grundschule eine Sprachlernklasse eingerichtet werden können. Darauf wurde verzichtet, weil die Mädchen und Jungen zum einen den Kontakt zu den Gleichaltrigen brauchen und zum anderen so einfacher eine altersgerechte Sprache lernen. Das heißt aber nicht, dass die Kinder nicht besonders gefördert würden. Einigkeit herrscht an der Schule: Die Mischung macht‘s.

Lego verbindet

Grundlagen der Sprache werden in individuellen Kleingruppen vermittelt, in den jeweiligen Klassen knüpfen die „Neuen“ nicht minder wichtige Sozialkontakte. In einer Lego-AG am Nachmittag ist Sprache gar kein Problem. „Die Kleinen spielen miteinander“, weiß die Schulleiterin. Und wenn ein Kind von den anderen in seiner Muttersprache begrüßt wird, gehe ein Strahlen über das Gesicht.

Und über einen Luxus freut sich Meike Hungermann: „Dank eines Fördertopfes des Landkreises profitieren die Mädchen und Jungen von einem Erstförderkurs über 55 Unterrichtseinheiten.“ Die Stunden mit einer Dozentin finden meist am Nachmittag statt. Für die fünf Kinder der 1. Klasse, die dort lernen, stellt das eine beachtliche Herausforderung dar.

Wichtige Erkenntnisse für alle Beteiligten brachte ein gemeinsamer Nachmittag mit den (syrischen) Familien, Lehrkräften und einem professionellen Dolmetscher, vermittelt durch das Willkommensbüro. Hungermann meinte: „Irgendwann reichen Hände und Füße einfach nicht aus, um komplexe Sachverhalte darzustellen.“ Das Bemühen der Eltern reiche beispielsweise nicht aus, um mit den weitverbreiteten Elternzetteln und deren Botschaften, die die Kinder mit nach Hause bringen, etwas anfangen zu können. Eine Übersetzung hilft. Die Eltern hatten zu dem Treffen, das länger dauerte als ursprünglich gedacht, gleich einen ganzen Packen solcher Zettel mitgebracht.

Claudia Erpenbeck freut sich auch darüber, dass Gemeinde und Schulträger viel dafür getan haben, dass die Flüchtlingskinder (diese Bezeichnung ist mittlerweise an der Erich Kästner-Schule verschwunden) sich in Schule und Alltag zurechtfinden. Spenden des DRK und aus Zweckerträgen der Sparkasse halfen bei der Anschaffung von „ganz tollen Sachen, die dem Spracherwerb dienen“.

Einigkeit herrscht an der Erich Kästner-Schule, dass kein Miteinander völlig ohne Reibungspunkte funktioniert. Entscheidung sei: „Wir versuchen dafür zu sorgen, dass sich alle Kinder wohlfühlen.“

Übrigens: Der Nachwuchs hat einen guten Namen für die beiden Schulsozialpädagoginnen gefunden: Die Kinder sagen Soziallehrer.


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