21.11.2010, 16:49 Uhr zuletzt aktualisiert vor

In Bissendorf werden 55 Kinder von Tagesmüttern betreut – Nachfrage steigt Morgens wird bei Ramona gespielt

<em>Großtagespflege muss gar nicht groß sein:</em> ein Bild aus Bissendorf-Jeggen. Archiv-Foto: HehmannGroßtagespflege muss gar nicht groß sein: ein Bild aus Bissendorf-Jeggen. Archiv-Foto: Hehmann

Bissendorf. Dreizehn Wochen nach Hannahs Geburt hat Stefani Söth wieder angefangen zu arbeiten. In eine Kindertagesstätte wollte die Bissendorferin ihre Tochter jedoch nicht zur Betreuung unterbringen. Die Umgebung sollte „familiärer“ sein. Stefani Söth hat sich für eine Tagesmutter entschieden, ganz bewusst, wie viele andere Eltern in der Gemeinde auch. 55 Kinder werden inzwischen in Bissendorf von Tageseltern betreut. Die Nachfrage steigt.

Aus Knetgummi formt Hannah Kügelchen. Ihr geschäftiges Spiel unterbricht sie nur, um sich einen Keks vom Teller zu schnappen. Hannah fragt nicht, sie verhält sich so, als ob sie bei Oma zu Besuch wäre. Und ein bisschen ist es auch so. Die Zweijährige spielt in der Küche ihrer Tagesmutter Ramona Holtkotte (der Bürokrat spricht übrigens geschlechtlich neutral von einer Tagespflegeperson).

Acht Kinder betreut Ramona Holtkotte über die Woche. Nicht gleichzeitig, das wäre zu viel, das wäre auch nicht rechtens. Fünf Kinder darf eine Tagesmutter gleichzeitig hüten.

Der Arbeitstag der Jeggenerin beginnt um 7 Uhr morgens. Dann kommt Hannah. Weitere Kleinkinder treffen nach und nach ein. In der Mittagszeit verlassen die ersten Knirpse die Wohnung wieder. „Und am Nachmittag hole ich dann die Großen von der Schule ab“, sagt Holtkotte. Die zwei Jugendlichen, die 12 und 13 Jahre alt sind, bleiben bis zum Abend. Mit ihnen begann Ramona Holtkottes Laufbahn als Tagesmutter vor mehr als vier Jahren.

„Die Mütter der beiden Kinder hatten mich gefragt, ob ich deren Betreuung übernehmen wolle“, erinnert sich die Jeggenerin. „Wenn, dann richtig“, habe sie sich damals gesagt und den von den Behörden vorgeschriebenen Weg eingeschlagen.

Bis Sommer 2007 wickelte noch der Landkreis Osnabrück die Tagespflege ab. Seitdem haben die Städte und Gemeinden die Organisationen übernommen. In Bissendorf ist Ute Jahn zuständig. Sie leitet das Kinder- und Familienservicebüro der Gemeinde, vermittelt Tageseltern und kümmert sich um deren Ausbildung. Ein Qualifizierungskurs für Tageseltern, der 172 Stunden inklusive Erste-Hilfe-Kurs dauert, ist inzwischen gesetzlich vorgeschrieben. Die Kosten des Kurses betragen 390 Euro und müssen von den Teilnehmern vorfinanziert werden. Bei der Aufnahme eines Tageskindes wird das Geld erstattet.

Diesen Weg hat auch Vivien Duvendack beschritten. Sie hatte 2004 einen Qualifizierungskurs absolviert. Mit ihrem Mann Kai Duvendack, der sich seit dem zurückliegenden Sommer erster Tagesvater Bissendorfs nennen darf, betreibt sie in Jeggen eine sogenannte Großtagespflege.

Zusammen dürfen sie neun Kinder gleichzeitig betreuen. Auch ihr Arbeitstag ist lang, von 6 bis 19 Uhr sind sie gefordert. „Die Arbeit mit Kindern hat mir aber immer Spaß gemacht“, sagt die Jeggenerin. Sie sei da vorbelastet. Ihre Mutter habe schließlich eine Krippe geleitet.

Die beiden Jeggener Tagesmütter, Ramona Holtkotte und Vivien Duvendack, ergänzen sich: Fällt die eine aus, springt die andere ein. Die Betreuung ist für die Eltern verlässlich.

Ihren einjährigen Sohn Eadwin hat Vivien Duvendack sogar bei ihrer Kollegin untergebracht. Eadwins älterer Bruder wollte nämlich nie in den Kindergarten. „Er hatte ja schon zu Hause ein Spielparadies“, sagt Duvendack. Eadwin lernt jetzt, dass es woanders auch schön ist. Wenn er drei Jahre alt ist, soll er in einen Kindergarten wechseln.

Tageseltern treten nicht in Konkurrenz zu den bestehenden Einrichtungen, obwohl der Gesetzgeber die Kindertagespflege als ein gleichrangiges Angebot zu Kindergärten sieht. Tageseltern ergänzen das Angebot, stopfen Lücken im Betreuungssystem. Denn, wenn Kindergärten und Schulen ihre Türen schließen, endet die Arbeitszeit für viele Eltern noch nicht. „Gerade Betreuungszeiten zwischen 17 und 18.30 Uhr werden gebraucht“, erklärt Ute Jahn. Und inzwischen lägen auch mehrere Nachfragen für samstags und sonntags vor.

Weitere Informationen: Kinder- und Familienservicebüro Bissendorf, Haus Bissendorf, regelmäßige Sprechzeiten sind montags 9 bis 11.30 Uhr und 14.30 bis 16.30 Uhr sowie freitags von 9 bis 11.30 Uhr und nach Vereinbarung, unter der Telefonnummer 05402/40435 oder im Internet unter www.bissendorf.de oder www.betreuungsboerse.net.


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